Be­hin­der­te Schwim­mer kämp­fen um Gold

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON THO­MAS GRULKE

Ei­nen ver­gleich­ba­ren Ver­ein gibt es in ganz Eu­ro­pa nicht. Axel Gie­sen hat ihn mit sei­ner Frau Ul­ri­ke ge­grün­det.

Je­der am­bi­tio­nier­te Sport­ler kennt sie. Es sind die­se Wett­kämp­fe, bei de­nen nur die Zei­ten und Plat­zie­run­gen zäh­len. Auch Axel Gie­sens Leis­tungs­mann­schaft kämpft der­zeit um mög­lichst vie­le Po­dest­plät­ze. Die Te­am­mit­glie­der ha­ben nur ein Ziel: die na­tio­na­len Ti­tel­kämp­fe im kom­men­den Jahr in Kiel. Wer das Ti­cket löst, ist über­glück­lich – wer es nicht schafft, ist je­doch nicht all­zu lan­ge trau­rig. Da­für ha­ben die Ath­le­ten des Ver­eins „Schwim­men mit Be­hin­der­ten“viel zu viel Spaß an ih­rem Sport.

„Sie mo­ti­vie­ren sich ge

gen­sei­tig und wol­len zei­gen, was sie kön­nen“

Axel Gie­sen

Trai­ner und Ver­eins­grün­der

„Es ist fas­zi­nie­rend, wel­chen Wil­len al­le mit­brin­gen. Sie mo­ti­vie­ren sich und wol­len zei­gen, was sie kön­nen, sich mit an­de­ren mes­sen“, sagt Gie­sen. Der Trai­ner und Ver­eins­grün­der ist mit sei­ner Mann­schaft bei den Lan­des­wett­be­wer­ben der Spe­cial Olympics in Neuss ak­tiv. Wer sich ge­gen die NRW-Kon­kur­renz durch­setzt, fährt 2018 zu den deutsch­land­wei­ten Wett­kämp­fen in Kiel. Doch das Leis­tungs­team des vor 25 Jah­ren ge­grün­de­ten Ver­eins macht nur ei­nen klei­nen Teil der wert­vol­len Ar­beit aus, die Axel Gie­sen mit sei­ner Frau Ul­ri­ke leis­tet.

Vor 45 Jah­ren wur­de der Trai­ner erst­mals ge­fragt, ob er zwei be­hin­der­ten Men­schen das Schwim­men bei­brin­gen kön­ne. Es war der Ur­sprung sei­ner Tä­tig­keit im Be­hin­der­ten­sport. Mitt­ler­wei­le trai­niert er 75 Sport­ler in sei­nem Klub, der al­le In­ter­es­sier­ten un­ab­hän­gig vom Grad der Be­hin­de­rung oder der fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten auf­nimmt. „Ein wei­te­rer Ver­ein die­ser Art ist uns in ganz Eu­ro­pa nicht be­kannt“, sagt der 69-Jäh­ri­ge, der für sein En­ga­ge­ment be­reits von der Kar­ne­vals­ge­sell­schaft „Im­mer lus­tig Holt“mit dem Preis „Mensch der gu­ten Tat“aus­ge­zeich­net wur­de. Je­der Be­hin­der­te ha­be das Recht, schwim­men zu ler­nen, ist ei­ner sei­ner Leit­sät­ze. Doch wer das si­che­re Schwim­men be­herrscht, der ent­wi­ckelt ir­gend­wann vi­el­leicht auch den Ehr­geiz, im­mer schnel­ler zu wer­den. Da­für gibt es die Leis­tungs­mann­schaft, der zur Zeit 21 Schwim­mer an­ge­hö­ren.

„Je­der kann sich über gu­te Zei­ten für das Team qua­li­fi­zie­ren. Doch die Sti­lis­tik muss schon sau­ber sein, sonst ist das nicht zu schaf­fen“, sagt Gie­sen. Mit ei­ner kla­ren An­spra­che, aber auch viel Ge­duld und sei­ner Frau Ul­ri­ke als wich­ti­gen Rück­halt ar­bei­tet er dar­an, dass sich die Sport­ler ver­bes­sern. Das bes­te Bei­spiel da­für ist In­dro Chou­do­ry. Er hat kei­ne Hän­de und ei­nen Un­ter­schen­kel ver­lo­ren, trotz­dem schwimmt er nach jah­re­lan­gem Trai­ning die 600 Me­ter in 45 Mi­nu­ten. Die Ar­beit mit den Schwim­mern macht dem ehe­ma­li­gen Schwimm­meis­ter ei­nen sol­chen Spaß, dass er noch lan­ge nicht ans Auf­hö­ren denkt. „Es muss ja wei­ter­ge­hen. Wenn wir es nicht ma­chen, macht es wahr­schein­lich kei­ner“, sagt Gie­sen. Ak­tu­ell be­schäf­tigt er sich je­doch nicht mit der Zu­kunft. Die­ser Ta­ge bei den Spe­cial Olympics in Neuss zäh­len nur Zei­ten und Plat­zie­run­gen.

FO­TO: LOTHAR BERNS

Fas­zi­na­ti­on Spe­cial Olympics: Die Ak­ti­ven des Mön­chen­glad­ba­cher Ver­eins „Schwim­men mit Be­hin­der­ten“um ih­ren Trai­ner Axel Gie­sen (links) feu­ern im Neus­ser Stadt­bad ei­ne Sport­le­rin vom Be­cken­rand aus an.

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