Sip­pel im grel­len Gelb und als Fo­to­kunst

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KELLERMANN

Bo­rus­si­as Kee­per prä­sen­tiert beim Test in Wuppertal die neue Tor­wart-Kluft. In der al­ten ist er Teil ei­nes Kunst­pro­jekts.

Uwe Kamps war sei­ner Zeit vor­aus. Er trug, als er Tor­hü­ter Bo­rus­si­as war, kun­ter­bun­te Tri­kots. Nun be­stä­tigt ei­ner, der so­eben das wohl bun­tes­te Tor­wart-Tri­kot al­ler Zei­ten de­signt hat, dass Kamps’ An­satz der rich­ti­ge war. „Hel­le Far­ben ma­chen ei­nen Tor­wart grö­ßer“, meint Bar­ry Richard­son, Tor­wart­trai­ner des eng­li­schen Viert­li­gis­ten Wy­com­be Wan­de­rers. Er hat für sei­ne Num­mer eins, Scott Brown, ein Out­fit ent­wor­fen, das mit dem Wort „bunt“kaum ein­zu­fan­gen ist. Psy­che­de­lisch trifft es eher. Da­zu die krei­schi­ge Or­gel der Band „The Doors“und die Rea­li­tät fängt an zu wa­bern ...

Nun, Mr. Brown ge­fällt das Hemd, das in­spi­riert ist durch den Blick in das Kalei­do­skop, das Richard­son frü­her be­saß. „Es ging mir dar­um, auf dem Tri­kot ei­nen Be­reich zu ha­ben, der die Auf­merk­sam­keit des Geg­ners auf sich zieht“, sagt Richard­son und stützt da­mit die gän­gi­ge Tor­wart-The­se, dass grel­le Far­ben die Bäl­le mehr an­zie­hen als tris­te. Bo­rus­si­as Tor­hü­ter Yann Som­mer und To­bi­as Sip­pel sind durch­aus An­hän­ger der Theo­rie. Wes­we­gen ih­re Out­fits oft knal­lig sind. In der ver­gan­ge­nen Sai­son gab es das leuch­ten­de Oran­ge, nun ist es ein grel­les Gelb, das mehr ne­on ist, als die 80er. Da Som­mer noch ur­laubt, war es an Sip­pel, die neue Tracht beim Test­spiel in Wuppertal erst­mals vor­zu­füh­ren.

Mo­dell „Bie­nen­fän­ger“nennt Sip­pel die Kluft scherz­haft. Som­mer und er ha­ben sich auf die­sen Look ver­stän­digt, eben weil „man dann vi­el­leicht öf­ter mal an­ge­schos­sen wird“. Die Al­ter­na­tiv-Out­fits für die an­ste­hen­de Sai­son sind laut Sip­pel Bor­deaux-rot und Tür­kis. Frü­her in Kai­sers­lau­tern trug er in­des oft Weiß. „Das geht in Glad­bach nicht, weil wir oft in Weiß spie­len“, sagt der 29-Jäh­ri­ge. Al­so knal­lig. „Ich muss zu­ge­ben, dass ich das gel­be Tri­kot bes­ser fin­de als das oran­ge­ne“, ge­steht Sip­pel. Ge­tra­gen hat er das oran­ge­ne Out­fit nicht bei sei­nem ein­zi­gen Ein­satz der ver­gan­ge­nen Sai­son. Für das Erst­run­den-Po­kal­spiel in Droch­ter­sen (1:0) wähl­te er die grü­ne Va­ri­an­te.

Zu ei­nem an­de­ren An­lass trug er oran­ge: für das Pro­jekt „face to face“der Kunst­fo­to­gra­fen Dirk Al­bertz und Wolf­gang Dre­ßen. Sie lich­te­ten Men­schen ein­mal in Di­enst­klei­dung und ein­mal im zi­vi­len Look ab. Ent­stan­den ist ei­ne se­hens­wer­te Schau aus le­bens­gro­ßen Bil­dern, die zei­gen soll, wel­che Aus­wir­kung Klei­dung auf die Wir­kung von Mi- mik und Ges­tik ei­nes Men­schen hat. Die Bil­der wa­ren im März und April in der Rei­he „Li­nie Kunst“in den Räu­men der NEW zu se­hen. „Ich ha­be mich ge­freut, da mit­ma­chen zu dür­fen, schließ­lich war ich ja erst zwei Jah­re bei Bo­rus­sia, als das Pro­jekt lief. Die Bil­der sind sehr gut ge­wor­den“, sagt der zur Fo­to­kunst ge­wor­de­ne Tor­wart. Als Pri­vat­mann ist er we­ni­ger „leuch­tend“ab­ge­lich­tet als im Job-Out­fit: Die Schu­he glit­zern zwar, sind aber so schwarz wie die Ho­se, da­zu trägt er ei­ne Ja­cke im ge­deck­ten Rot und dar­un­ter ein grau­es T-Shirt.

Wie oft er in die­ser Spiel­zeit sei­ne grell­gel­be Di­enst­klei­dung tra­gen wird, bleibt ab­zu­war­ten. Die Tor­wart-Fra­ge ist ge­klärt: Som­mer spielt. Wie der im neu­en Dress aus­schaut, kann man vor­gu­cken, schließ­lich spielt er für die Schweiz oft in Neon­gelb. Für den Fall der Fäl­le (vi­el­leicht wie­der das Erst­run­den­po­kal­spiel, die­ses Mal wä­re es in Es­sen) ist To­bi­as Sip­pel be­reit. „Ich füh­le mich top­fit“, sagt er. Im­mer­hin: Nach zwei Spiel­zei­ten als Bo­rus­se ist er noch im­mer oh­ne Ge­gen­tor. Drei Spie­le, drei­mal zu null.

Was die The­se „Grel­le-Tri­kots­sind-Ball­ma­gne­ten“an­geht, sei an­ge­merkt: Som­mer kas­sier­te in der Vor­sai­son in Oran­ge mehr Ge­gen­to­re (1,6), als im we­ni­ger knal­li­gen Look (1,3). Aber: „Die bun­ten Tri­kots sind eben mo­dern“, sagt Sip­pel. Wie ge­sagt: Uwe Kamps war dies­be­züg­lich sei­ner Zeit vor­aus. Aber auch Wolf­gang Kleff, der Meis­ter­tor­wart der 70er. Des­sen Kul­tT­ri­kot mit dem schwar­zen Ver­ti­kalStrei­fen gab es eben­falls in Gelb.

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