Per­fek­te Pro­pa­pan­da

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR -

Der „G 19 ge­gen 1“-Gip­fel in Ham­burg ist vor­bei, und wi­der Er­war­ten war das Auf­tre­ten von Do­nald Trump nicht das Be­schä­mends­te da­dran, son­dern die schlim­men Kra­wal­le drum­rum. Der schwar­ze Block hat mit ein durch nix zu recht­fer­ti­gen­der Ge­walt­ex­zess ge­wü­tet. Schwer­kri­mi­nel­le Vol­l­idio­ten, de­ren Ver­mum­mung im bes­ten Fall als Hohl­raum­ver­sie­ge­lung durch­geht, kämpf­ten vor­der­grün­dig ge­gen der Ka­pi­ta­lis­mus, für sich dann aber bei der Plün­de­rung von ein App­le-Sto­re um die Ipho­nes zu strei­ten. Hät­te der Gip­fel noch drei Ta­ge län­ger ge­dau­ert, wä­ren wahr­schein­lich Hilfs­lie­fe­run­gen aus Alep­po ge­kom­men. Lei­der ha­ben auch die G-20-Ge­sprä­che kaum brauch­ba­re Er­geb­nis­se ge­bracht, im Nach­hin­ein hät­te da­für wohl auch ei­ne Whats­App-Grup­pe ge­reicht. Aber es ist den­noch wich­tig, dass die mäch­ti­gen Haupt-Selbst­dar­stel­ler per­sön­lich mit­ein­an­der re­den: Der dau­er­be­lei­dig­te Er­do­gan, Wla­di­mir Pu­tin, der mit ei­ne wei­ße Kat­ze auf der Schoß der per­fek­te Ja­mes-Bon­dBö­se­wicht wär, Do­nald Trump, für den die größ­te Her­aus­for­de­rung da­drin be­stand, beim Kon­zert ei­ne St­un­de lang ru­hig sit­zen zu blei­ben und mit­ten­drin An­ge­la Mer­kel bei der ver­zwei­fel­te Ver­such, ei­ne Kin­der­gar­ten­grup­pe im Zaum zu hal­ten, der das Ri­ta­lin aus­ge­gan­gen ist. Als Fa­zit gilt des­halb auch un­ter Ex­per­ten als das wich­tigs­te G-20-Er­geb­nis, dass der Ber­li­ner Zoo zwei neue Pan­da­bä­ren hat! Die hat­te der chi­ne­si­sche Prä­si­dent Jin­ping mit­ge­bracht, denn der war der ein­zi­ge von al­le Staats­chefs, der be­grif­fen hat, wie man die Her­zen der Men­schen er­reicht: Mit Kin­der oder mit Tie­re. Und da der na­tür­lich kei­ne Kin­der als Gast­ge­schenk mit­brin­gen konn­te, hat der sich für sü­ße, knud­de­li­ge Panda­ba­bys ent­schie­den. Und es funk­tio­niert: Wenn man ‚Träum­chen‘ und ‚Schätz­chen‘ beim Bam­bus­knab­bern zu­guckt, dann ver­gisst man für ein Mo­ment das Elend in der Welt. Mehr geht nicht in die­sen Ta­gen.

Eu­er Has­ten­raths Will

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