Sechs für die Sechs plus drei im Kopf

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KEL­LER­MANN

Nun, da De­nis Za­ka­ria da ist, hat Bo­rus­si­as Trai­ner Die­ter He­cking ein hal­bes Dut­zend Kan­di­da­ten für die bei­den Jobs vor der Ab­wehr.

Da stand er nun, der gu­te De­nis Za­ka­ria, und er­klär­te erst ein­mal, wie denn nun sein Nach­na­me rich­tig be­tont wird. Nach hin­ten raus, auf dem letz­ten der drei „a“, liegt der Ak­zent, gab der 20 Jah­re al­te Schwei­zer be­kannt. Er kommt aus Genf, aus der West­schweiz al­so, der fran­zö­si­schen Schweiz. Ge­spielt hat er aber zu­letzt in Bern, bei den Young Boys, de­ren Sta­di­on steht, wo frü­her das Wank­dorf-Sta­di­on war, in dem Deutsch­land 1954 Welt­meis­ter wur­de.

Ein deut­scher Welt­meis­ter (nicht von 1954, son­dern von 2014) ist künf­tig sein Ne­ben­mann im zen­tra­len Mit­tel­feld der Bo­rus­sen: Chris­toph Kra­mer. Der er­in­nert sich an Za­ka­ri­as ers­ten Besuch im Bo­rus­sia-Park vor ei­nem Jahr. Im Cham­pi­ons-Le­ague-Play-off kam er mit Young Boys und ver­lor 1:6. „Er ist aber trotz­dem nicht to­tal un­ter­ge­gan­gen, das zeigt, dass er ein gu­ter Spie­ler ist“, sagt Kra­mer. In der Zu­kunft will Za­ka­ria et­was an­de­res im Gladbacher Sta­di­on er­le­ben als ho­he Nie­der­la­gen, nach de­nen er ein Lob be­kommt.

Heute, wenn die Bo­rus­sen bei KAS Eu­pen an­tre­ten, könn­te Za­ka­ria zum ers­ten Mal für Bo­rus­sia zum Ein­satz kom­men, am Sams­tag beim Te­le­kom Cup (erst geht es ge­gen Bre­men, dann ge­gen die Bay­ern oder 1899 Hof­fen­heim) erst­mals von Be­ginn an spie­len. Dann viel­leicht ne­ben Kra­mer. Mit dem und auch mit To­bi­as Strobl hat Za­ka­ria schon Fach­ge­sprä­che ge­führt über die Funk­ti­ons­wei­se der Gladbacher Dop­pels­echs. Drei von sechs Kan­di­da­ten sind die­se Her­ren, und zwar al­le drei aus der Ka­te­go­rie Sech­serAch­ter, al­so Um­schalt­spie­ler, die aus ei­ner de­fen­si­ve­ren Den­kart her­aus kom­men. Die an­de­ren drei, Lasz­lo Bé­nes, Jo­nas Hof­mann, den Trai­ner Die­ter He­cking bei Be­darf vom Flü­gel ins zen­tra­le Mit­tel­feld um­sor­tie­ren will, und der jun­ge Fran­zo­se Micka­el Cui­sance (Kra­mer: „Ein su­per Spie­ler“) sind eher Sech­ser aus der Schub­la­de Ach­terZeh­ner, of­fen­si­ver ori­en­tiert.

Zwei aus Sechs, das ist He­ckings Such­an­satz, und der Vor­teil für den Trai­ner ist, dass er sehr un­ter­schied­li­che Sech­ser-Ty­pen im Ka­der hat. „Die Va­ria­bi­li­tät ist sehr wich­tig in der Bun­des­li­ga, und wir ha­ben sie. So kön­nen wir uns auf den je­wei­li­gen Geg­ner ein­stel­len“, sagt Kra­mer. Wenn er zum Bei­spiel, wie zu Be­ginn der ver­gan­ge­nen Sai­son, mit Strobl spielt, oder aber mit Za­ka­ria, dann wä­re das ei­ne et­was de­fen­si­ve­re und vor al­lem auf Sta­bi­li­tät aus­ge­leg­te Va­ri­an­te. Dann wä­re das Ver­hält­nis im Team, wie frü­her bei Lu­ci­en Fav­re: Die Vie­rer­ket­te und die Sech­ser ma­chen hin­ten dicht, vorn wir­beln die bei­den Au­ßen und das Sturm­duo. Bei Fav­re hie­ßen die Sech­ser Ro­man Neu­städ­ter und Ha­vard Nordtveit, bei­de wa­ren we­ni­ger Spiel­ma­cher­ty­pen als viel­mehr Ord­nungs­hü­ter.

Stellt He­cking Kra­mer, Za­ka­ria oder Strobl ei­nen der drei an­de­ren Kan­di­da­ten zur Sei­te, wä­re es eher ei­ne Kon­stel­la­ti­on wie in der Vor­sai­son: Ein Sech­ser, der wie Mo Dahoud ei­gent­lich ein ver­kapp­ter Zeh­ner ist, der an­de­re bleibt hin­ten, um ab­zu­si­chern. „Das war ich letz­te Sai­son“, sagt Kra­mer. Bé­nes, Hof­mann und Cui­sance sind in­des recht ver­schie­de­ne Spie­ler­ty­pen, die al­le auf ih­re Art Ak­zen­te set­zen kön­nen ins Bo­rus­sen-Spiel. Gut wä­re, wenn aus der Tie­fe des Rau­mes künf­tig auch mehr Tor­ge­fahr kom­men wür­de. Dahoud er­ziel­te in der Bun­des­li­ga zwei To­re, Bé­nes eins, das war es aus der Zen­tra­le. Mehr wä­re gut.

Wenn He­cking vor der Ab­wehr vor al­lem De­fen­siv­ar­bei­ter braucht, kann er auch drei wei­te­re Spie­ler nut­zen, die man als Sech­ser im Sinn ha­ben muss. Mat­thi­as Gin­ter, To­ny Jantsch­ke, Reece Ox­ford könn­ten den Job ma­chen, den Kra­mer als „klas­si­scher Abräu­mer“oder „SvenBen­der-Typ“be­schreibt. Aber: „Die Zei­ten, dass Spie­ler nur ei­ne Sa­che kön­nen, sind vor­bei“, sagt Kra­mer. Je­der Sech­ser, ganz egal aus wel­cher Ka­te­go­rie, muss eben­so Abräu­mer, Ord­nungs­stif­ter und Auf­bau­hel­fer sein, „das ge­hört im mo­der­nen Fuß­ball da­zu“, weiß Kra­mer.

„Wir ha­ben ja in der Vor­be­rei­tung Zeit, die Va­ri­an­ten aus­zu­pro­bie­ren“, sagt Kra­mer. In Wup­per­tal spiel­te nach der Pau­se Cui­sance an sei­ner Sei­te, es war al­so ei­ne Wech­sel-Sechs wie mit Dahoud. Vor der Pau­se war die Kon­stel­la­ti­on mit Strobl und Hof­mann ähn­lich – ei­ner de­fen­si­ver, ei­ner of­fen­si­ver. Nun kommt Za­ka­ria da­zu (und Frei­tag auch Bé­nes). „Ich ha­be rich­tig Lust mit den Jungs zu spie­len“, sagt Za­ka­ria.

FO­TO: FIRO

Chris­toph Kra­mer (26).

FO­TO: IM­A­GO

To­bi­as Strobl (27).

FO­TO: IM­A­GO

De­nis Za­ka­ria (20).

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