ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Ei­ne Stu­die sagt wie­der deut­lich stei­gen­de Schü­ler­zah­len vor­aus. Ganz un­vor­be­rei­tet ist das Schul­sys­tem dar­auf zwar nicht – aber es feh­len Leh­rer, Geld und neue Zah­len. Und für NRW kä­me die Wen­de be­son­ders un­güns­tig.

20 Pro­zent vor­aus­sag­te, rech­ne­te be­reits 2014 ein Eck­punk­te­pa­pier nur noch mit ei­nem mi­ni­ma­len Rück­gang der Viert­kläss­ler­zah­len. Be­reits 2016 stieg in NRW erst­mals seit zwölf Jah­ren die Zahl der Schü­ler wie­der. Auch neue Schü­ler­pro­gno­sen des Lan­des NRW ge­hen für die nächs­ten Jah­re teils schon wie­der von leich­ten An­stie­gen aus. Die voll­mun­di­ge Fest­stel­lung der Stu­die, der „Schü­ler­boom“tref­fe „Bil­dungs­ver­wal­tung und Schul­sys­tem weit­ge­hend un­vor­be­rei­tet“, ist al­so zu­min­dest zu­ge­spitzt. Die Schul­po­li­tik Eins aber stimmt: Die Stu­die legt den Fin­ger in Wun­den. So ist zu fra­gen, ob die KMK tat­säch­lich fünf Jah­re zwi­schen ih­ren Pro­gno­sen ver­ge­hen las­sen soll­te und ob nicht in NRW wie­der ei­ne Pro­gno­se für Krei­se und Städ­te fäl­lig ist. Vor al­lem aber feh­len Leh­rer. Flücht­lings­kri­se und In­klu­si­on ha­ben den Lehrer­markt leer­ge­fegt. Die al­te Lan­des­re­gie­rung hat nach ei­ge­nen An­ga­ben al­lein von 2015 bis 2017 mehr als 7300 neue Leh­rer­stel­len ge­schaf­fen, da­von mehr als die Hälf­te für den „er­höh­ten Grund­be­darf“, al­so nicht nur für Flücht­lin­ge. In Schul­ver­wal­tung und Schu­len wa­ren aber zu Be­ginn des Jah­res auch 4300 Stel­len un­be­setzt.

Die neue schwarz-gel­be Lan­des­re­gie­rung will als weg­fal­lend mar­kier­te Leh­rer­stel­len nicht strei­chen und die Leh­rer­ver­sor­gung der Schu­len auf 105 Pro­zent stei­gern, um Un­ter­richts­aus­fall zu ver­mei­den. Hat die Ber­tels­mann-Stu­die auch nur teil­wei­se recht, dürf­te ein Teil die­ses Zu­wach­ses schon wie­der vom Plus bei den Schü­ler­zah­len auf­ge­fres­sen wer­den. Stu­di­en­au­to­ren und Ver­bän­de ver­an­schlag­ten ges­tern fünf­stel­li­ge Zah­len an Leh­rern, die neu ein­ge­stellt wer­den müss­ten – und das in Zei­ten der Schul­den­brem­se.

Die neue Pro­gno­se kommt für NRW und Schul­mi­nis­te­rin Yvon­ne Ge­bau­er (FDP) noch aus ei­nem an­de­ren Grund zu ei­nem un­güns­ti­gen Zeit­punkt: weil sich das Land ge­ra­de an­schickt, vom acht- zum neun­jäh­ri­gen Gym­na­si­um zu­rück­zu­keh­ren. Das er­höht nicht nur die Schü­ler­zahl noch­mals, son­dern dürf­te die Su­che nach Leh­rern und Räu­men zu­sätz­lich ver­schär­fen.

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