Se­xu­al­mord: Le­bens­lang für Rent­ner

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON IN­GRID KRÜ­GER U. SA­BI­NE KRICKE

Im Fall der zu To­de miss­han­del­ten 55-jäh­ri­gen Frau aus Wick­rath hat das Land­ge­richt Mön­chen­glad­bach ges­tern das Ur­teil ge­spro­chen. Der An­ge­klag­te muss we­gen Mor­des und se­xu­el­len Miss­brauchs le­bens­lang in Haft.

Der 68-jäh­ri­ge Wick­ra­ther re­agier­te auf das Ur­teil eben­so emo­ti­ons­los, wie er den Pro­zess ver­folgt hat­te. Ges­tern wur­de er vom Land­ge­richt in Mön­chen­glad­bach zu ei­ner le­bens­lan­gen Frei­heits­stra­fe we­gen Mor­des und Miss­brauchs ei­ner wi­der­stands­un­fä­hi­gen Per­son mit To­des­fol­ge ver­ur­teilt.

Laut Gut­ach­ten der me­di­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen ist die 55jäh­ri­ge Le­bens­part­ne­rin des Rent­ners aus Wick­rath an mas­si­vem Blut­ver­lust ge­stor­ben, nach­dem der Part­ner sie am 7. No­vem­ber 2016

An­ge­klag­ter mit ver­schie­de­nen Ge­gen­stän­den miss­braucht hat­te. Die Ver­tei­di­ger hat­ten am En­de noch ei­nen Be­weis­an­trag ge­stellt und ei­nen wei­te­ren me­di­zi­ni­schen Sach­ver­stän­di­gen ge­for­dert, weil sie die To­des­ur­sa­che be­zwei­feln. Die 55-Jäh­ri­ge sei wo­mög­lich an ei­nem Hals­wir­bel­bruch ge­stor­ben, so der Be­weis­an­trag. Tat­säch­lich war die Frau an dem No­vem­be­r­a­bend, den sie mit dem An­ge­klag­ten und zwei Be­glei­tern in ei­ner Gast­stät­te ver­brach­te, vom Bar­ho­cker ge­fal­len. Doch der Be­weis­an­trag wur­de ges­tern vom Schwur­ge­richt als „be­deu­tungs­los“ab­ge- lehnt. Zwei me­di­zi­ni­sche Sach­ver­stän­di­ge hat­ten das Ge­richt und den Staats­an­walt mit ih­ren Gut­ach­ten über­zeugt. Der mas­si­ve Blut­ver­lust des Op­fers sei die To­des­ur­sa­che.

Da­nach for­der­te der Staats­an­walt in sei­nem Plä­doy­er für den an­ge­klag­ten Rent­ner ei­ne le­bens­lan­ge Haft­stra­fe. Nach dem Gast­stät­ten­be­such ha­be der An­ge­klag­te sei­ne Part­ne­rin mit den Be­glei­tern nach Hau­se ge­bracht. Die Frau hat­te ei­nen Al­ko­hol­pe­gel von 3,79 Pro­mil­le. Die 55-Jäh­ri­ge sei des­halb nicht in der La­ge ge­we­sen, sich zu weh­ren, als der Rent­ner sie zu mit Klei­der­bü­geln und ei­nem Bürs­ten­stiel schlug und an­schlie­ßend mit se­xu­el­len Hand­lun­gen töd­lich ver­letz­te. Im Ge­richts­saal ha­be der 68-Jäh­ri­ge be­haup­tet, kei­ne gro­ße Ge­walt in der No­vem­ber­nacht an­ge­wen­det zu ha­ben, er­klär­te der Staats­an­walt. Doch bei der Po­li­zei hat­te er ganz an­ders aus­ge­sagt. Als die Frau schließ­lich hef­tig blu­te­te, sei er im­mer hei­ßer ge­wor­den. So hat­te sich ein Po­li­zei­be­am­ter als Zeu­ge an die Aus­sa­ge des An­ge­klag­ten er­in­nert. Der 68-Jäh­ri­ge ha­be den Tod der 55- Jäh­ri­gen bil­li­gend in Kauf ge­nom­men, war der Staats­an­walt über­zeugt.

Auch der Kam­mer­vor­sit­zen­de Lothar Be­ckers ging in der Ur­teils­be­grün­dung noch ein­mal auf den un­ge­wöhn­li­chen Mord­fall ein. Bei der Po­li­zei ha­be der An­ge­klag­te ei­ne ganz an­de­re Aus­sa­ge ge­macht als spä­ter im Ge­richts­saal. „Die Frau auf dem Bett war nicht mehr an­sprech­bar. Da ha­be ich pro­biert, wie weit ich ge­hen kann“, hat­te der 68Jäh­ri­ge bei der Po­li­zei ge­sagt. „Der An­ge­klag­te hat nicht mehr an die Frau ge­dacht, die er hei­ra­ten woll­te, son­dern nur noch an sei­ne Lust­be­frie­di­gung. Er hat sie so be­han­delt, als ha­be er mit ei­ner auf­blas­ba­ren Pup­pe zu tun“, hieß es in der Ur­teils­be­grün­dung. Sie sei­en ein Lie­bes­paar ge­we­sen, hat­te sich der An­ge­klag­te ver­tei­digt. Doch das Ge­richt war am En­de über­zeugt, dass der 68-Jäh­ri­ge in der Nacht nicht mehr an ein ge­mein­sa­mes Le­ben ge­dacht ha­be. Dem Rent­ner sei nicht ent­gan­gen, dass das le­bens­ge­fähr­lich war, was er mit der wehr­lo­sen Part­ne­rin mach­te, war der Kam­mer­vor­sit­zen­de Lothar Be­ckers über­zeugt.

Ne­ben der Ur­teils­ver­kün­dung hat­te das Schwur­ge­richt die An­trä­ge der Ne­ben­kla­ge, die die Toch­ter des Op­fers ver­tritt, be­stä­tigt. So muss der An­ge­klag­te an die Ne­ben­klä­ge­rin ein Schmer­zens­geld zah­len.

Der Ver­tei­di­ger des Rent­ners kün­dig­te nach der Ver­ur­tei­lung an, in Re­vi­si­on zu ge­hen.

„Da ha­be ich pro­biert, wie weit ich ge­hen kann“

Aus­sa­ge bei der Po­li­zei

ARCHIVFOTO: REICHARTZ

Spu­ren­si­che­rung am Tat­ort: Am 7. No­vem­ber 2016 tö­te­te der 68-Jäh­ri­ge sei­ne Le­bens­part­ne­rin. Sie starb an mas­si­vem Blut­ver­lust. Im Pro­zess wur­de von ei­nem re­gel­rech­ten Blut­bad ge­spro­chen.

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