ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Talk­shows sind fes­ter Be­stand­teil des Fern­seh­pro­gramms. Für vie­le Po­li­ti­ker hat sich das Fern­seh­stu­dio zur erns­ten Kon­kur­renz des Par­la­ments ent­wi­ckelt. Doch dem TV-For­mat fehlt ei­ne Kul­tur der ge­pfleg­ten De­bat­te.

Thea­ter auf der Matt­schei­be. Der Zu­schau­er will ja ei­ne St­un­de, oder wie bei Maisch­ber­ger rund 75 Mi­nu­ten, un­ter­hal­ten wer­den. Das In­ter­es­san­te ist da­bei die größt­mög­li­che Kon­fron­ta­ti­on, nicht die Lö­sung ei­nes Pro­blems. Die Be­set­zung der Run­de ist be­wusst ge­wählt. So ver­su­chen Fern­seh­ma­cher mög­lichst kon­tro­ver­se Gäs­te ein­zu­la­den, am bes­ten mit un­ter­schied­li­chem Se­rio­si­täts­grad. „Je schril­ler, des­to bes­ser“, sagt Joa­chim Kna­pe. Mei­nung ist da­bei gut, der Eklat ist noch bes­ser. Bei Maisch­ber­ger al­ler­dings es­ka­lier­te die Zu­sam­men­set­zung bis zum Gau: CDUPo­li­ti­ker Bos­bach steht be­kann­ter­ma­ßen für kon­ser­va­ti­ve An­sich­ten. An­de­rer­seits weiß man, dass es kra­chen kann, wenn Dit­furth an­ar­chi­sche Idea­le ver­tritt. In den sel­tens­ten Fäl­len kann der Zu­schau­er aus sol­chen TV-Streits ei­nen ei­ge­nen Stand­punkt ent­wi­ckeln.

Wolf­gang Bos­bach müss­te all das ei­gent­lich wis­sen. Der 65-Jäh­ri­ge gilt als „Talk­show-Kö­nig“. Zwi­schen 2012 und 2016 war kein Po­li­ti­ker so häu­fig in ei­nem Talk wie er. Am Mitt­woch aber scheint selbst dem Talk-Pro­fi das re­spekt­lo­se Mit­ein­an­der zu­ge­setzt zu ha­ben. Zwar wirk­te sein Ab­gang wie der Gip­fel der Selbst­in­sze­nie­rung ei­nes Po­li­ti­kers. Doch es zeug­te auch von ech­ter Em­pö­rung dar­über, dass kei­ne ge­pfleg­te De­bat­te un­ter ge­bil­de­ten Men­schen mög­lich war. Maisch­ber­gers nach­träg­li­che Ent­schul­di­gung, ges­tern auf Face­book ver­öf­fent­licht, fällt da eher heuch­le­risch aus, wenn Kra­wall den Reiz ei­ner Sen­dung aus­macht. „Das ist im­mer ei­ne Nie­der­la­ge in ei­ner Sen­dung, de­ren Auf­ga­be es ist, Men­schen ins Ge­spräch zu brin­gen “, heißt es.

Be­dau­er­lich ist: Der Ge­sprächs­ab­bruch macht die fehl­ge­schla­ge­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on für al­le er­sicht­lich. Selbst für Jut­ta Dit­furth ist das pro­ble­ma­tisch, bleibt sie doch als un­glaub­wür­dig und nicht dis­kus­si­ons­fä­hig zu­rück. Die „Maisch­ber­ger“-Re­dak­ti­on darf sich über Auf­merk­sam­keit freu­en. Die Sen­dung war ei­ne ge­lun­ge­ne po­li­ti­sche Ko­mö­die. Nur der Ap­plaus bleibt aus. Weil der Preis der Dis­kus­si­ons­kul­tur zu hoch ist – und der Zu­schau­er mal wie­der rat­los zu­rück­bleibt.

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