Rock­le­gen­den im pa­cken­den Dop­pel­pack

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON CHRIS­TI­AN OS­CAR GAZSI LAKI

Sta­tus Quo und ZZ Top be­geis­ter­ten das Pu­bli­kum im Spar­kas­sen­park. Die Ur­ge­stei­ne lie­fer­ten gleich zwei voll­wer­ti­ge Kon­zer­te ab.

Sta­tus Quo und ZZ Top an ei­nem Abend er­le­ben, das hat man nicht al­le Ta­ge. Das Kon­zert der bei­den Kult­bands im Spar­kas­sen­park war so­mit ein Muss für je­den ein­ge­fleisch­ten Rock-‘n’-Roll-Fan. Ins­be­son­de­re für die­je­ni­gen, die es et­was pu­ris­ti­scher mö­gen. Von de­nen gibt es schein­bar ge­nug, doch nicht ganz so über­mä­ßig vie­le, als dass die Lo­ka­ti­on über­füllt oder gar aus­ver­kauft ge­we­sen wä­re.

Die­se Mu­sik ist doch letzt­end­lich kein Main­stream – mehr. Wo­bei: Sind bei­de Bands zwar in ih­rer Au­then­ti­zi­tät aus ei­nem pu­ren Ur­grund er­wach­sen, lie­ben sie auch den Blick über den Tel­ler­rand. Viel- fäl­tig ist die Pa­let­te bei­der, ins­be­son­de­re wenn man auch die ver­steck­ten De­tails hin­ter dem gu­ten al­ten Blues­sche­ma – das schon auf die­se oder je­ne Wei­se om­ni­prä­sent ist – auf sich wir­ken lässt.

Nach ei­nem kur­zen Ope­ner durch die Sup­port­band Red De­vils, die lei­der noch nicht so viel Auf­merk­sam­keit bei den Be­su­chern des Kon­zer­tes we­cken konn­te, war der ers­te Teil des Abends ganz Sta­tus Quo ge­wid­met. Die Bri­ten ha­ben ei­ne recht schwe­re und um­bruch­vol­le Zeit hin­ter sich. Ei­ner­seits durch den Tod ih­res Grün­dungs­mit­glieds Rick Par­fitt im De­zem­ber letz­ten Jah­res, an­de­rer­seits durch Plä­ne und wie­der zu­rück­ge­nom­me­ne Plä­ne, live kür­zer zu tre­ten und nur noch akus- ti­sche Kon­zer­te zu spie­len. Soll­te die „The last night of the electrics“Tour ih­re letz­te mit sat­tem E-Gi­tar­ren-Sound wer­den, ru­dert die Band um Fran­cis Ros­si, wohl auf Druck ih­rer Fans, wie­der zu­rück. „Plug­ged in“geht es wei­ter, al­ler­dings le­dig­lich in Groß­bri­tan­ni­en.

Trotz die­ser Kehrt­wen­de dürf­te ihr Kon­zert im Spar­kas­sen­park wohl ei­ne der we­ni­gen Mög­lich­kei­ten ge­we­sen sein, sie hier in der Re­gi­on noch mal im vol­len Sound-Or­nat zu hö­ren. Wohl­wis­send um die Wün­sche ih­rer Fans, lie­fer­ten Sta­tus Quo ei­ne rund­um pa­cken­de Show ab. Al­le Hit­wün­sche wur­den be­dient. Mit dich­tem, per­fek­tem Sound be­flü­gel­ten sie die teil­wei­se le­gen­där ge­wor­de­nen Songs. Wuss­ten sie ei­gent­lich, dass ge­ra­de der Me­ga-Hit „In the ar­my now“ein Co­ver ei­nes Bol­land-Songs (die nie­der­län­di­schen Brü­der sind nicht zu­letzt die Klang­ma­gi­er hin­ter den Welt­hits von Fal­co) aus dem Jahr 1986 ist? Das ist der be­sag­te Blick über den Tel­ler­rand, macht aber den gro­ßen Ur-Rock-Num­mern wie „Ro­ckin’ all over t he world“oder „Down down“nichts. Da spürt man, wo Sta­tus Quo zu Hau­se ist.

ZZ Top sind et­was spe­zi­el­ler im ei­gent­li­chen Sin­ne. Nicht nur durch ih­ren recht ex­zen­tri­schen Ge­schmack. Doch die drei Ur­ty­pen – Bil­ly Gib­bons, Dus­ty Hill und Frank Be­ard – strot­zen nur so vor un­durch­brech­ba­rer mu­si­ka­li­scher In­te­gri­tät. Per­fek­tes Zu­sam­men­spiel, mit viel Freu­de an mu­si­ka­li­schem Witz – das kenn­zeich­net die Ame­ri­ka­ner, die mit ih­rem Blues-Ro­ckGe­misch so ame­ri­ka­nisch klin­gen, wie es nur geht. Nicht nur mit Songs wie „Gim­me all your lo­vin’“, „Sharp dres­sed man“, oder „Legs“– üb­ri­gens ge­spielt auf ganz be­son­de­ren flau­schig um­klei­de­ten Gi­tar­ren –, aber auch dank Aus­flü­gen in die Coun­try-Sphä­re. Fast ab­ge­brüht, aber feu­rig zau­bern sie wah­re Cool­ness auf die Büh­ne. Zu viel Rum­tan­zen ist ver­bo­ten! Da­bei er­staunt im­mer wie­der, wie sich Gi­tar­ren­kunst, mar­kan­te, aber im Grun­de sehr kul­ti­vier­te Stim­men und Schlag­zeug zu ei­nem Ge­samt­klang mi­schen, der viel mäch­ti­ger wir­ken kann, als über­or­ga­ni­sier­te Bands mit be­lang­lo­sem Syn­thie-Ge­plän­kel. Wo­bei: Den ei­nen oder an­de­ren durch Mark und Bein ge­hen­den Klan­geffekt kön­nen sich auch die bär­ti­gen Pu­ris­ten aus Te­xas nicht ver­knei­fen.

Ein über­ra­gen­der Abend mit gut ge­stimm­ten Pu­bli­kum – der zum Glück dann doch oh­ne grö­ße­re er­wart­ba­re Re­gen­schau­er über die Büh­ne ging.

Fast ab­ge­brüht, aber feu­rig zau­bern ZZ Top wah­re Cool­ness

auf die Büh­ne

FO­TOS (2): DET­LEF ILGNER

Wohl­wis­send um die Wün­sche ih­rer Fans, lie­fer­ten Sta­tus Quo ei­ne rund­um pa­cken­de Show ab. Al­le Hit­wün­sche wur­den be­dient.

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