SE­RIE DENKMÄLER IN KORSCHENBROICH Küs­sen ver­bo­ten – Ka­pel­le um­ge­baut

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON MA­RI­ON _LISKEN-PRUSS

Dass sich Lie­bes­pär­chen dort heim­lich tra­fen und Ju­gend­li­che Pas­san­ten aus dem Hin­ter­halt er­schreck­ten, ge­fiel der Kap­pel­len­ge­mein­schaft gar nicht. Dar­um wur­de die Ni­sche bei Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten der Ma­ria-Hilf-Ka­pel­le ent­fernt.

KLEI­NEN­BROICH Ei­ne klei­ne Ni­sche bie­tet un­ge­ahn­te Mög­lich­kei­ten: Sei es, dass ein Lie­bes­paar hier ver­steckt vor den Bli­cken der Öf­fent­lich­keit ei­nen ers­ten Kuss aus­tau­schen kann. Oder Ju­gend­li­che aus dem Hin­ter­halt her­aus Pas­san­ten er­schre­cken kön­nen. Mög­lich­kei­ten gibt es vie­le. Dass sich so ei­ne Ni­sche ge­ra­de im Ein­gangs­be­reich der Ma­ria-Hilf-Ka­pel­le be­fand, ge­fiel der Klei­nen­broi­cher Ka­pel­len­ge­mein­schaft je­doch gar nicht.

Das war in den 1950er Jah­ren ge­we­sen. Andrea Till­manns, die heu­te in der Ka­pel­len­ge­mein­schaft ak­tiv ist, kennt die­se Ge­schich­ten nur noch vom Hö­ren­sa­gen. Doch als die Ka­pel­le da­mals gründ­lich re­no­viert wur­de, ver­grö­ßer­te man den In­nen­raum und ver­leg­te die Ein­gangs­tü­re an ih­ren jet­zi­gen Platz. Die Ni­sche je­den­falls war weg. „Wer die Ka­pel­le einst er­baut hat, weiß man heu­te nicht mehr“, sagt Andrea Till­manns. Ver­mut­lich wur­de sie im Zu­ge der Ma­ri­en­fröm­mig­keit er­rich­tet, die ty­pisch ist für das 19. Jahr­hun­dert. Ab dem 17. Jahr­hun­dert wur­den Ge­be­te zur Ma­ria im Mai üb­lich, bis sich die­se And­achts­form im 19. Jahr­hun­dert in der ka­tho­li­schen Kir­che durch­setz­te. So viel steht fest: Der Grund­stein wur- de am 17. April 1890 ge­legt. Noch En­de des glei­chen Jah­res rie­fen Nach­barn die Ka­pel­len­ge­mein­schaft „Ma­ria Hilf“ins Le­ben, die bis heu­te be­steht – und de­ren Vor­stand sich um die Be­lan­ge der Ka­pel­le küm­mert. Was vie­le Klei­nen­broi­cher ver­mut­lich nicht wis­sen: Wer süd­lich der Bahn­li­nie wohnt, ist au­to­ma­tisch Mit­glied der Ka­pel­len­ge­mein­schaft.

Ei­ne Fa­mi­lie ist von Be­ginn an in der Ka­pel­len­ge­mein­schaft ver­tre­ten: Andrea Till­manns und ih­re Vor­fah­ren. Ihr Ur-Ur­groß­va­ter Ger­hard Mey­er stell­te das Grund­stück einst kos­ten­los be­reit, ih­re Oma hä­kel­te De­cken für den Al­tar und ihr Va­ter Franz Fer­fers be­glei­te­te 1981 die letz­te um­fang­rei­che Re­no­vie­rung. Die war nö­tig ge­wor­den, nach­dem ein Sturm das Turm­kreuz samt Wet­ter­hahn vom Dach der Ka­pel­le ge­weht hat­te. Heu­te kann Andrea Till­manns aus dem Wohn­zim­mer­fens­ter auf die Ka­pel­le bli­cken: „Das Got­tes­haus spielt ei­ne gro­ße Rol­le in un­se­rer Fa­mi­lie“, sagt sie. Doch ei­nes ist ihr wich­tig: Dass sich mit Ri­ta und Ar­thur Heinz, Chris­ta und An­dre­as Kal­len so­wie Horst Nil­ges auch wei­te­re Nach­barn ak­tiv um die Ka­pel­le küm­mern. Ihr Mann Pe­ter Till­manns ver­wahrt das his­to­ri­sche Kas­sen­buch von 1890 und da­mit das ein­zi­ge Do­ku­ment aus die­ser

„Das Got­tes­haus­spielt­ei­ne gro­ße Rol­le in un­se­rer Fa­mi­lie“

Andrea Till­mans

Ka­pel­len­ge­mein­schaft

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