Noch sor­gen selbst Pro­ble­me für ein Lä­cheln

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL - VON JAN­NIK SORGATZ

Die­ter He­cking ist „sehr zu­frie­den“mit der ers­ten Pha­se der Vor­be­rei­tung. Ab heu­te feh­len nur noch Lars St­indl und Mat­thi­as Gin­ter.

To­ny Jantsch­ke streu­te ein „Wow!“ein und lä­chel­te. Der Test ge­gen die KAS Eu­pen hat­te dem dienst­äl­tes­ten Bo­rus­sen im Ka­der sicht­lich Spaß be­rei­tet, das muss vor­ab an­ge­merkt wer­den, denn sei­ne fol­gen­den Wor­te mach­ten gleich­zei­tig deut­lich, dass beim 2:2 in Bel­gi­en ei­ni­ges noch nicht ge­passt hat­te. „In den ers­ten 20 Mi­nu­ten sind wir ge­schwom­men. Das war gar nicht gut. Wir woll­ten ho­hes Pres­sing spie­len, ka­men aber gar nicht da­zu“, sag­te Jantsch­ke. Nach der tor­lo­sen An­fangs­pha­se, die fast schon sen­sa­tio­nell tor­los ge­blie­ben war, ge­lang bei­den Teams je ein Tref­fer aus dem Nichts und ei­ner per Frei­stoß. Aber die Gast­ge­ber hat­ten vom Start weg der­ma­ßen hoch­ge­schal­tet, dass sie sich durch­aus är­gern muss­ten, die­ses Spiel nicht ge­won­nen zu ha­ben.

„Sie wa­ren im sechs­ten Gang un­ter­wegs, wir noch im vier­ten“, sag­te Trai­ner Die­ter He­cking. Für Eu­pen war es zwei Wo­chen vor dem Sai­son­start ein Här­te­test und für Bo­rus­sia ein har­ter Test. In ge­nau vier Wo­chen steht das ers­te Pflicht­spiel an. Der Auf­tritt im deutsch­spra­chi­gen Teil Bel­gi­ens hat die ers­te Pha­se der Vor­be­rei­tung ab­ge­schlos­sen, be­vor heu­te ein nam­haf­tes Sex­tett sei­nen Ur­laub be­en­det und den Lak­tat­test ab­sol­viert. He­ckings ers­te Elf wird nach und nach frei­ge­legt wie bei ar­chäo­lo­gi­schen Aus­gra­bungs­ar­bei­ten. In Eu­pen wa­ren wohl nur fünf, sechs Pro­fis zu be­ob­ach­ten, die am En­de da­zu­zäh­len wer­den. Jantsch­ke ist so ei­ner, von dem ab­hän­gen wird, ob es nun fünf oder sechs wa­ren. „Sie ken­nen uns“, sag­te der 27-Jäh­ri­ge fast schon in An­ge­la-Mer­kel-Ma­nier. „Wir wer­den al­le Jungs so hin­bie­gen, wie wir sie brau­chen.“Jantsch­ke selbst hat mit sei­ner Un­ter­schrift im Früh­jahr zu­ge­si­chert, bis min­des­tens 2021 da­ran mit­wir­ken zu wol­len.

In der 78. Mi­nu­te durf­te er das Werk ei­nes Youngs­ters be­stau­nen, das sehr an ei­nen er­in­ner­te, den sie bei Bo­rus­sia nie hin­ge­bo­gen ha­ben, weil er nur auf sei­ne spe­zi­el­le Art funk­tio­nier­te. Ge­meint ist Juan Aran­go, dem in den so­zia­len Netz­wer­ken scherz­haft ein un­ehe­li­cher Sohn an­ge­dich­tet wur­de, so schlitz­oh­rig und schein­bar selbst­ver­ständ­lich schoss Mick­aël Cui­sance den Frei­stoß mit links aus 30 Me­tern ins Tor. „Man hat in den 45 Mi­nu­ten ge­se­hen, was der Jun­ge kann. In ei­nem Test­spiel als 17-Jäh­ri­ger so auf­zu­tre­ten, ist ei­ne Qua­li­tät, die man sel­ten fin­det. Jetzt gilt es, ihn wei­ter gut auf­zu­bau­en“, sag­te He­cking. Ab­ge­se­hen von sei­nem Tor fiel Cui­sance mit ei­nem wei­te­ren ge­fähr­li­chen Fern­schuss und zwei sehr prä­zi­sen Sei­ten­ver­la­ge­run­gen auf.

Der Fran­zo­se ist si­cher­lich der­je­ni­ge, bei dem die Dis­kre­panz zwi­schen dem Er­war­te­ten und dem Ge­zeig­ten – po­si­tiv wie ne­ga­tiv – nach dem ers­ten Drit­tel der Vor­be­rei­tung am größ­ten ist. Das liegt je­doch vor al­lem da­ran, dass von ei­nem 17-Jäh­ri­ge oh­ne Pro­fi­erfah­rung erst ein­mal gar nichts zu er­war­ten war. Der Rest hat sich oh­ne all­zu gro­ße Aus- rei­ßer po­si­tio­niert vor dem Trai­nings­la­ger und der Rück­kehr der Na­tio­nal­spie­ler. „Ich bin sehr zu­frie­den“, sag­te He­cking. „Wir ha­ben kei­ne gro­ßen Ver­let­zun­gen, füh­ren die Jun­gen suk­zes­si­ve her­an. Sie zei­gen sich aber auch gut.“Da­bei hob er Al­per Ars­lan („rotz­frech“) her­vor, der noch ein paar Mo­na­te jün­ger ist als Cui­sance und wahr­schein­lich mit an den Te­gern­see fah­ren darf.

Noch un­be­ant­wor­tet sind die Stür­mer- und die „Ko­lo“-Fra­ge. Letz­te­rer hum­pel­te nach 38 Mi­nu­ten vom Platz, er­hielt zwar Lob vom Trai­ner, wirk­te in der tur­bu­len­ten An­fangs­pha­se aber ähn­lich in­dis­po­niert wie der jun­ge Reece Ox­ford. Vor­ne hät­te Kwa­me Ye­boah für sich wer­ben kön­nen und ver­gab zwei Mög­lich­kei­ten. Ju­lio Vil­lal­ba hat sei­ne Ge­hirn­er­schüt­te­rung aus­ku­riert, pau­sier­te in Eu­pen aber noch.

Vier Trai­nings­wo­chen und 540 Test­spiel-Mi­nu­ten wer­den zahl­rei­che Fra­gen be­ant­wor­ten, von de­nen manch ei­ne erst noch auf­kom­men wird. Um ein Bild aus der ver­gan­ge­nen Wo­che auf­zu­grei­fen: Das 1000er-Puz­zle, das die­se Vor­be­rei­tung ist, liegt nicht mehr wild über den Wohn­zim­mer­bo­den ver­teilt, noch ist aber al­len­falls der Rah­men fer­tig. Der Ver­such, in Eu­pen hoch zu pres­sen, wie Jantsch­ke ver­riet, ge­hör­te zu den we­ni­gen tak­ti­schen Ex­pe­ri­men­ten. „Das war schon na­iv, wie wir teil­wei­se zu dritt oder zu viert her­aus­ge­rückt sind“, sag­te Jantsch­ke. Sein Lä­cheln bei die­sem Kom­men­tar ver­riet: Kann schon mal pas­sie­ren in die­ser Pha­se.

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