Das kos­ten Ver­kehrs­ver­stö­ße im Aus­land

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - WIRTSCHAFT - VON TAN­JA KARRASCH

Un­be­lieb­te Ur­laubs­sou­ve­nirs: Buß­gel­der für Ver­kehrs­sün­den im Aus­land fal­len meist hö­her aus als in Deutsch­land. Zah­len soll­te man sie trotz­dem, ra­ten Ex­per­ten. An­dern­falls könn­te es bei der nächs­ten Pass­kon­trol­le Pro­ble­me ge­ben. Wer ein Kn­öll­chen im Aus­land kas­siert, soll­te es nicht igno­rie­ren,

rät der ADAC Ver­kehrs­sün­den im Aus­land

DÜS­SEL­DORF Die Fahrt nach Ro­er­mond dau­ert von Düs­sel­dorf aus nur et­wa ei­ne Drei­vier­tel­stun­de. Im bel­gi­schen Lüt­tich ist man in an­dert­halb St­un­den. Das lohnt sich schon für ei­nen Ta­ges­aus­flug. Und auch in wei­ter ent­fern­te Nach­bar­län­der fah­ren die Deut­schen ger­ne mit dem ei­ge­nen Au­to – bei­spiels­wei­se um dort in den nun be­gin­nen­den Schul­fe­ri­en den Som­mer­ur­laub zu ver­brin­gen. Da­bei kön­nen je­doch un­schö­ne Über­ra­schun­gen war­ten: Bei Ver­stö­ßen im Stra­ßen­ver­kehr fal­len im Aus­land oft deut­lich hö­he­re Geld­stra­fen an als in Deutsch­land.

Zahl­rei­che Ita­li­en-Ur­lau­ber mel­den sich zur­zeit beim ADAC und kla­gen über ho­he Buß­gel­der für ein Ver­kehrs­ver­ge­hen, des­sen sie sich nicht be­wusst wa­ren. In grö­ße­ren Städ­ten wie Flo­renz, Mai­land oder Rom gibt es so­ge­nann­te ZTL-Zo­nen, das steht für „zo­na traf­fi­co li­mi­ta­to“, al­so be­grenz­te Ver­kehrs­zo­nen, in die nur Fahr­zeu­ge mit ei­ner Son­der­ge­neh­mi­gung ein­fah­ren dür­fen. Über­wa­chungs­ka­me­ras fil­men die Kenn­zei­chen, Un­wis­sen­de tap­pen leicht in die Fal­le. „Die­se Zo­nen sind zwar ir­gend­wo aus­ge­schil­dert, aber ge­ra­de Ur­lau­bern pas­siert es, dass sie beim Ver­such, sich in ei­ner frem­den Stadt zu ori­en­tie­ren, ein­fach an­de­ren Au­tos fol­gen oder nur auf Orts­schil­der ach­ten“, sagt Ga­b­rie­le Schön, Rechts­an­wäl­tin beim ADAC. Zu­hau­se war­tet dann Post vom In­kas­so­bü­ro, der Ver­stoß kön­ne schnell 100 bis 120 Eu­ro kos­ten, so Schön. Auch in klei­ne­ren ita­lie­ni­schen Städ­ten ge­be es im­mer mehr be­grenz­te Ver­kehrs­zo­nen.

Ein Blick in die Ver­kehrs­re­geln und den Buß­geld­ka­ta­log vor dem Ur­laub lohnt sich al­so. Gro­ße Un­ter­schie­de gibt es un­ter an­de­rem bei der Be­stra­fung von Ge­schwin­dig­keits­ver­stö­ßen, wie ein Ver­gleich des ADAC zeigt. In den Nie­der­lan- Buß­gel­der be­tref­fen Ver­stö­ße mit Pkw; Be­trä­ge in Eu­ro (ge­run­det); MV = Net­to­mo­nats­ver­dienst, TS = Ta­ges­satz (Straf­be­rech­nung nach Mo­nats­ver­dienst). *Für Fahr­an­fän­ger und Be­rufs­kraft­fah­rer gel­ten teil­wei­se nied­ri­ge­re Pro­mil­le­gren­zen. **Min­dest­bu­ßen tags­über, nachts (22-7 Uhr) um ein Drit­tel hö­he­re Buß­gel­der. Au­ßer­dem Füh­rer­schein­maß­nah­men, in schwe­ren Fäl­len un­ter Um­stän­den auch Frei­heits­stra­fen. QU­EL­LE: ADAC | GRA­FIK: FERL den sind ma­xi­mal 130 km/h er­laubt. Wer zu schnell ist, muss tief in die Ta­sche grei­fen: Schon 20 km/h über dem Tem­po­li­mit wer­den mit min­des­tens 165 Eu­ro Buß­geld be­straft. In Ita­li­en wer­den min­des­tens 170 Eu­ro fäl­lig, und in Nor­we­gen geht es ab 395 Eu­ro auf­wärts. Zum Ver­gleich: In Deutsch­land kos­tet der Ver­stoß ma­xi­mal 35 Eu­ro.

Bei mehr als 50 km/h über der er­laub­ten Höchst­ge­schwin­dig­keit wird es im Aus­land rich­tig teu­er. Auch in Deutsch­land wer­den bei ei­nem sol­chen Ver­stoß min­des­tens 240 Eu­ro fäl­lig. Doch in Frank­reich kos­tet das Ra­sen 1500 Eu­ro, in Groß­bri­tan­ni­en so­gar bis zu 2890 Eu­ro und in den Nie­der­lan­den min­des­tens 660 Eu­ro.

Be­ach­ten soll­ten Au­to­fah­rer im Aus­land auch die dort gel­ten­de Pro- mil­le-Gren­ze. In Schwe­den, Est­land, Nor­we­gen und Po­len sind bei­spiels­wei­se nur 0,2 Pro­mil­le er­laubt. In der Slo­wa­kei, Ru­mä­ni­en und Un­garn gilt die 0,0-Pro­mil­le­gren­ze. Wer auf Mal­ta (0,8) mit Al­ko­hol am Steu­er er­wischt wird, zahlt min­des­tens 1200 Eu­ro. In Groß­bri­tan­ni­en sind Geld­stra­fen von bis zu 5710 Eu­ro drin. In Deutsch­land sind es min­des­tens 500 Eu­ro.

Und auch wer im Aus­land am Steu­er te­le­fo­niert, muss mit har­ten Stra­fen rech­nen. In Ita­li­en kos­tet das 160 Eu­ro, in Dä­ne­mark 200. In den Nie­der­lan­den ist das Ver­ge­hen am teu­ers­ten: Dort wer­den 230 Eu­ro fäl­lig.

Wer den­noch ein Kn­öll­chen im Aus­land kas­siert, soll­te es nicht igno­rie­ren. Der ADAC warnt: In Deutsch­land wer­den Stra­fen aus dem EU-Aus­land ab ei­ner Ba­ga­tell­gren­ze von 70 Eu­ro voll­streckt, Stra­fen aus Ös­ter­reich be­reits ab 25 Eu­ro.

Doch die­se Gren­ze ist schnell er­reicht, denn zum Buß­geld wer­den auch die Ver­wal­tungs­kos­ten ad­diert, so dass auch Stra­fen, die deut­lich un­ter 70 Eu­ro lie­gen, ge­ahn­det wer­den kön­nen. Das kann spä­tes­tens beim nächs­ten Be­such des Rei­se­lan­des bei ei­ner Ver­kehrs­kon­trol­le oder auch bei der Pass­kon­trol­le am Flug­ha­fen un­an­ge­nehm wer­den, denn ein of­fe­ner Buß­geld­be­scheid bleibt voll­streck­bar und ver­jährt manch­mal erst nach fünf Jah­ren, so wie in Ita­li­en.

Wer sein Buß­geld im Aus­land hin­ge­gen schnell zahlt, kann in ei­ni­gen Län­dern so­gar viel Geld spa­ren. Je nach Land und Art des Ver­kehrs­ver- sto­ßes sind bis zu 50 Pro­zent Nach­lass mög­lich, so der ADAC. „Vie­le Men­schen fra­gen nach der Se­rio­si­tät sol­cher Be­schei­de, da wir sol­che Ra­bat­te in Deutsch­land nicht ha­ben“, er­klärt An­wäl­tin Schön. „Aber tat­säch­lich wird im Aus­land der be­lohnt, der schnell zahlt.“Be­son­ders groß­zü­gig zei­gen sich da­bei Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en, Grie­chen­land, Ita­li­en und Spa­ni­en.

Wer Zwei­fel an der Le­gi­mi­tät oder der Se­rio­si­tät ei­nes Buß­geld­be­scheids hat, soll­te mög­lichst zü­gig Ex­per­ten um Rat fra­gen und ge­ge­be­nen­falls ei­nen aus­län­di­schen An­walt vor Ort ein­be­zie­hen. Je­doch nur, wer ei­ne Rechts­schutz­ver­si­che­rung hat. Denn: „Auch An­walts­ge­büh­ren fal­len im Aus­land häu­fig deut­lich hö­her aus“, warnt die Ex­per­tin.

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