GWSG ver­klagt Ex-Chef auf Scha­den­er­satz in Mil­lio­nen­hö­he

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - RHEINISCHE LANDPARTIE - VON ANDRE­AS GRUHN

Die städ­ti­sche Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft for­dert von ih­rem frü­he­ren Ge­schäfts­füh­rer Ar­min Maa­ßen 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro Scha­den­er­satz. Ge­gen ihn wird un­ter an­de­rem we­gen des Vor­wurfs der Un­treue er­mit­telt.

Die Er­mitt­lun­gen ge­gen den frü­he­ren Ge­schäfts­füh­rer der GWSG, Ar­min Maa­ßen, we­gen Ver­dachts auf Un­treue und ver­bo­te­nen Preis­ab­spra­chen sind noch nicht ab­ge­schlos­sen. Den­noch be­schäf­tigt der Fall be­reits zahl­rei­che Ge­rich­te. Die Stadt­toch­ter hat ih­ren frü­he­ren Ge­schäfts­füh­rer auf Scha­den­er­satz ver­klagt. Die GWSG ver­langt von Maa­ßen ins­ge­samt rund 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro, die sich aus Rechts­be­ra­tungs­kos­ten, Un­ter­su­chungs­kos­ten und Ver­mö­gens­ver­lust zu­sam­men­set­zen. Ein Spre­cher des Land­ge­richts be­stä­tig­te, dass un­ter dem Ak­ten­zei­chen 7O82-16 das ent­spre­chen­de Scha­den­er­satz-Ver­fah­ren mit ei­nem Streit­wert in Hö­he von 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro ge­führt wird. Die Sum­me be­rech­ne­te die GWSG un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ver­jäh­rungs­frist – al­so fünf Jah­re rück­wir­kend seit Be­ginn der Er­mitt­lun­gen im Jahr 2015.

Die GWSG be­stä­tig­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Ver­gan­ge­ne Wo­che hat vor dem Land­ge­richt Mön­chen­glad­bach der ers­te Ver­hand­lungs­ter­min in dem zi­vil­recht­li­chen Ver­fah­ren zur Gel­tend­ma­chung von Scha­den­er­satz­an­sprü­chen der GWSG ge­gen­über dem ehe­ma­li­gen Ge­schäfts- füh­rer, Herrn Ar­min Maa­ßen, statt­ge­fun­den.“Ei­ne Ei­ni­gung kam laut Ver­hand­lungs­pro­to­koll nicht zu­stan­de, so dass es wei­te­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne ge­ben wird.

Maa­ßen wird vor­ge­wor­fen, in sei­ner Zeit als Ge­schäfts­füh­rer für Preis­ab­spra­chen zwi­schen der GWSG und be­auf­trag­ten Fir­men ver­ant­wort­lich zu sein. Da­durch ha­be die Stadt­toch­ter zum Bei­spiel bei Re­no­vie­run­gen deut­lich über­höh­te Prei­se be­zahlt. Eben­so sol­len auf Ver­an­las­sung des Ge­schäfts­füh­rers Woh­nun­gen aus Ge­fäl­lig­keit weit un­ter dem üb­li­chen Markt­preis ver­mie­tet wor­den sein. Maa­ßens Rechts­bei­stand teil­te auf ei­ne An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on mit, dass da­zu der­zeit we­gen der lau­fen­den Ver­fah­ren kei­ne Er­klä­rung ab­ge­ge­ben wird.

Ei­ne an­ony­me An­zei­ge bei der Staats­an­walt­schaft, die mit de­tail­lier­ten Un­ter­la­gen ge­spickt ge­we­sen sein soll, hat­te die Er­mitt­lun­gen im Jahr 2015 in Gang ge­bracht. En­de April 2015 wa­ren die Räu­me der GWSG am Ber­li­ner Platz so­wie ver­schie­de­ne Hand­werks­be­trie­be durch­sucht wor­den. Die Er­mitt­ler ha­ben in­zwi­schen meh­re­re tau­send Sei­ten Er­mitt­lungs­ak­ten zu­sam­men­ge­tra­gen. Im ver­gan­ge­nen Jahr hieß es, mit ei­ner An­kla­ge sei frü­hes­tens in die­sem Jahr zu rech­nen – so sie denn er­ho­ben wird. Ein En­de der Er­mitt­lun­gen sei auch der­zeit noch nicht ab­seh­bar, sag­te Ben­ja­min Kluck, Spre­cher der Staats­an­walt­schaft Mön­chen­glad­bach in die­ser Wo­che. „Auf­grund des Um­fangs der As­ser­va­te dau­ert die Aus­wer­tung noch an. Auch Zeu­gen­ver- neh­mun­gen ste­hen noch an“, sag­te Kluck.

Nach Be­ginn der Er­mitt­lun­gen war Maa­ßen zu­nächst im Amt ge­blie­ben. Im Sep­tem­ber 2015 ent­schied sich dann der Auf­sichts­rat der GWSG für ei­ne frist­lo­se Ent­las­sung. Seit­dem lau­fen auch ar­beits­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen dem Un­ter­neh­men und dem frü­he­ren Ge­schäfts­füh­rer. In ei­nem ers­ten Ver­fah­ren hat das Ar­beits­ge­richt ent­schie­den, dass Maa­ßen nach sei­ner Ab­be­stel­lung als Ge­schäfts­füh­rer kei­ne Be­zü­ge mehr als nor­ma­ler An­ge­stell­ter zu­ste­hen. Er hat­te vor sei­ner Be­ru­fung zum Ge­schäfts­füh­rer im Jahr 2001 in meh­re­ren wei­te­ren Funk­tio­nen für die Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft ge­ar­bei­tet. Ei­ne wei­te­re Kla­ge Maa­ßens, wo­nach sei­ne Kün­di­gung nicht in der nö­ti­gen Frist aus­ge­spro­chen wur­de, geht in die zwei­te In­stanz. In ei­nem ers­ten Ver­fah­ren hat­te das Ge­richt die Kla­ge noch ab­ge­wie­sen. „Wir sind in­des sehr zu­ver­sicht­lich, dass sich die Ge­rich­te in bei­den Ver­fah­ren der Rechts­auf­fas­sung der GWSG an­schlie­ßen wer­den“, teil­te GWSG-Auf­sichts­rats­chef Rein­hold Schif­fers mit. „Gleich­wohl wird die ju­ris­ti­sche Au­f­ar­bei­tung der um­fang­rei­chen An­sprü­che noch ei­ni­ge Zeit in An­spruch neh­men.“

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