Bei Krank­heit so­fort mel­den

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - RÄTSEL - VON BRI­GIT­TE BONDER FO­TO: DPA

Wie lan­ge dür­fen Mit­ar­bei­ter oh­ne ärzt­li­ches At­test zu Hau­se blei­ben und was ist da­bei zu be­ach­ten.

Wer am frü­hen Mor­gen mit Fie­ber auf­wacht, Hals­schmer­zen oder Ma­gen-Darm-Pro­ble­me ver­spürt, soll­te lie­ber im Bett blei­ben. Kran­ke Ar­beit­neh­mer sind nicht gern ge­se­hen am Ar­beits­platz, da sie im schlimms­ten Fall die Kol­le­gen an­ste­cken. Bes­ser ist es, die Er­kran­kung aus­zu­ku­rie­ren und dem Ar­beit­ge­ber nach we­ni­gen Ta­gen wie­der mit vol­ler Kraft zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Doch wie lan­ge dür­fen Mit­ar­bei­ter oh­ne ärzt­li­ches At­test zu Hau­se blei­ben und was müs­sen sie da­bei be­ach­ten?

Im Krank­heits­fall greift das Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz. Pa­ra­graph 5 re­gelt das The­ma Krank­mel­dung. „Ein Ar­beit­neh­mer ist ver­pflich­tet, sei­nem Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­un­fä­hig­keit und de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er ,un­ver­züg-

Die Ar­beits­un­fä­hig­keit und de­ren vor­aus­sicht­li­che Dau­er ist „un­ver­züg

lich“mit­zu­tei­len

lich‘ mit­zu­tei­len“, er­klärt Sil­ke Zi­ai-Rutt­kamp, Fach­an­wäl­tin für Ar­beits­recht aus Köln. Un­ver­züg­lich be­deu­tet da­bei „oh­ne schuld­haf­tes Zö­gern“, al­so so schnell es ihm nach den Um­stän­den mög­lich ist. „Spä­tes­tens je­doch vor Ar­beits­be­ginn, da­mit der Ar­beit­ge­ber ent­spre­chend um­pla­nen kann“, be­tont die Rechts­an­wäl­tin. Die Mit­tei­lung ist nicht form­ge­bun­den, sie kann al­so per E-Mail oder te­le­fo­nisch er­fol­gen. Zu in­for­mie­ren ist die Per­so­nal­ab­tei­lung und/oder der Vor­ge­setz­te, al­so Mit­ar­bei­ter, die zur Ent­ge­gen­nah­me vom Ar­beit­ge­ber au­to­ri­siert sind. Ex­per­ten emp­feh­len die schrift­li­che Krank­mel­dung, so kann der Ar­beit­neh­mer im Zwei­fel nach­wei­sen, sich (bü) Ar­beits­zim­mer Das Fi­nanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat ei­ner Ste­war­dess den Auf­wand für ei­nen Raum in ih­rem Haus, in dem sie für ih­ren Ar­beit­ge­ber dienst­lich tä­tig sei, nicht als steu­er­wirk­sa­mes „häus­li­ches Ar­beits­zim­mer“an­er­kannt (hier gel­tend ge­macht in Hö­he des ma­xi­ma­len Pau­schal­be­tra­ges von 1250 Eu­ro). Im Ver­gleich zu ih­rer be­ruf­li­chen Tä­tig­keit „au­ßer Haus“(hier über 600 St­un­den Jah­res­flug­zeit) sei ihr – un­ter­stell­ter – dienst­li­cher Zeit­auf­wand im ei­ge­nen Haus als kaum ins Ge­wicht fal­len­de Be­tä­ti­gung. Im kon­kre­ten Fall hat­te die Ste­war­dess un­ter an­de­rem ge­sagt, sie be­nö­ti­ge das Ar­beits­zim­mer für die Flug­vor- und nach­be­rei­tung, Fort­bil­dung wie Ers­te-Hil­fe-Auf­fri­schung und Emer­gen­cy-Übun­gen – oh­ne Er­folg. (FG Düs­sel­dorf, 8 K 1262/15) Be­lei­di­gung Be­lei­digt ein Mit­ar­bei­ter sei­nen Vor­ge­setz­ten grob, so kann er auch dann die frist­lo­se Kün­di­gung nicht ab­wen­den, wenn er be­reits 23 Jah­re in dem Be­trieb be­schäf­tigt ist. Und das auch dann, wenn die Be­lei­di­gung „in­di­rekt“war – aber nicht aus dem Af­fekt her­aus. Im kon­kre­ten Fall kam der Ar­beit­neh­mer nach ei­nem Streit am nächs­ten Ar­beits­tag zu­rück in den Be­trieb und ging ins Bü­ro des recht­zei­tig krank­ge­mel­det zu ha­ben.

So­fern es kei­ne fir­men­in­ter­nen Son­der­re­ge­lun­gen gibt, muss der Ar­beit­neh­mer nicht gleich am ers­ten Tag zum Arzt. Er darf bei­spiels­wei­se ei­ne Grip­pe oder an­de­re, leich­te­re Er­kran­kun­gen bis zu drei Ka­len­der­ta­ge aus­ku­rie­ren. Dau­ert die Ar­beits­un­fä­hig­keit je­doch län­ger, hat der Ar­beit­neh­mer ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gung vor­zu­le­gen. Hier be­stä­tigt ein Arzt die Ar­beits­un­fä­hig­keit und gibt die vor­aus­sicht­li­che Dau­er an. Wer in der Vor­ge­setz­ten, um die Äu­ße­rung „Dann kün­digt mich doch“los­zu­wer­den. Auf die Re­ak­ti­on des Chefs „Da­mit wir dann als so­zia­le Ar­sch­lö­cher da­ste­hen“ant­wor­te­te der Mit­ar­bei­ter, dass „die Fir­ma das so­wie­so schon sei“. Die­se Äu­ße­rung ist nicht mehr als Mei­nungs­äu­ße­rung zu ver­ste­hen, son­dern als gro­be Be­lei­di­gung des Chefs, ur­teil­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein. (LAG Schles­wig-Hol­stein, 3 Sa 244/16) Ar­beits­ver­trag Ist in ei­nem Ar­beits­ver­trag fest­ge­legt, dass das Ar­beits­ver­hält­nis nach Ablauf der Pro­be­zeit mit je­weils zwei Wo­chen zur Mo­nats­mit­te so­wie zum Mo­nats­en­de ge­kün­digt wer­den kann, so han­delt es sich da­bei um ei­ne un­wirk­sa­me Klau­sel. Denn die Min­dest­kün­di­gungs­frist be­trägt vier Wo­chen. Die Un­wirk­sam­keit der Klau­sel hat aber nicht zu­gleich zur Fol­ge, dass die ge­setz­mä­ßi­ge Min­dest­kün­di­gungs­frist auch au­ßer Kraft ge­setzt wä­re. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schied: Die fal­sche, weil zu kur­ze Kün­di­gungs­frist hat die Klau­sel nicht ins­ge­samt un­wirk­sam ge­macht; denn der Ar­beit­ge­ber ha­be mit der ge­setz­lich kor­rek­ten Kün­di­gungs­frist das Ar­beits­ver­hält­nis be­en­det. (LAG Rhein­lan­dP­falz, 8 Sa 289/16) ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­se ver­si­chert ist, er­hält zu­meist zwei Aus­fer­ti­gun­gen zur Vor­la­ge beim Ar­beit­ge­ber so­wie bei der Kran­ken­kas­se. Die­se soll­ten un­ver­züg­lich ab­ge­ge­ben oder per Post ver­sandt wer­den. Ei­ni­ge Ärz­te hin­ge­gen schi­cken die zwei­te Aus­füh­rung di­rekt an die Kran­ken­kas­se.

„Grund­sätz­lich muss ein Ar­beit­neh­mer nach dem Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz ei­ne ärzt­li­che Be­schei­ni­gung erst ab dem vier­ten Tag der Krank­heit vor­le­gen“, zeigt Sil­ke Zi­ai-Rutt­kamp den ge­setz­li­chen Rah- men auf. „Der Ar­beit­ge­ber kann je­doch ver­lan­gen, dass der Ar­beit­neh­mer schon frü­her ei­ne Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung vor­legt, dies kann bei­spiels­wei­se im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bart wor­den sein.“Ei­ni­ge Chefs er­war­ten be­reits ab dem ers­ten Fehl­tag ein At­test.

Dau­ert die Er­kran­kung län­ger als auf dem „gel­ben Schein“an­ge­ge­ben, ist ein er­neu­ter Gang zum Arzt not­wen­dig. Denn der Ar­beit­neh­mer ist laut Ge­setz ver­pflich­tet, ei­ne neue ärzt­li­che Be­schei­ni­gung vor­zu­le­gen. Er­krank­te Ar­beit­neh­mer ha­ben laut §3 Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­setz ei­nen An­spruch auf Ent­gelt­fort­zah­lung bis zu sechs Wo­chen.

Im Bett lie­gen müs­sen krank­ge­schrie­be­ne Mit­ar­bei­ter nicht. „Der Ar­beit­neh­mer darf al­les tun, was für sei­ne Ge­ne­sung för­der­lich ist“, be­tont Sil­ke Zi­ai-Rutt­kamp. „Ein Ar­beit­neh­mer darf al­so auch durch­aus Sport trei­ben oder in der Son­ne lie­gen, wenn die Art sei­ner Er­kran­kung dies er­laubt und den Ge­ne­sungs­ver­lauf nicht ver­zö­gert.“

An­ge­stell­te dür­fen nicht nur bei ei­ge­ner Er­kran­kung zu Hau­se blei­ben, son­dern auch, wenn ihr Kind krank ist. „Die not­wen­di­ge Pfle­ge und Be­treu­ung er­krank­ter Kin­der ist ein per­sön­li­cher Hin­de­rungs­grund, nicht zur Ar­beit zu er­schei­nen“, er­klärt Sil­ke Zi­aiRutt­kamp. „Nach § 616 BGB muss der Ar­beit­ge­ber die Ver­gü­tung fort­zah­len, wenn der Ar­beit­neh­mer für ei­ne ver­hält­nis­mä­ßig nicht er­heb­li­che Zeit aus per­sön­li­chen Grün­den aus­fällt.“

Per Ar­beits­ver­trag kann je­doch von die­ser ge­setz­li­chen Vor­schrift ab­ge­wi­chen wer­den, das fi­nan­zi­el­le Ri­si­ko des Ar­beits­aus­falls wird dann vom Ar­beit­ge­ber auf den Ar­beit­neh­mer ab­ge­wälzt. Ei­ne Klau­sel könn­te lau­ten: „Die Vor­schrift des § 615 BGB wird ab­be­dun­gen“.

Recht & Ar­beit

Wer in der ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­se ver­si­chert ist, er­hält zu­meist zwei Aus­fer­ti­gun­gen der Ar­beits­un­fä­hig­keits­be­schei­nung – zur Vor­la­ge beim Ar­beit­ge­ber so­wie bei der Kran­ken­kas­se.

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