Ein­hör­ner im Flei­sch­re­gal

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR -

Bis vor Kur­zem dach­te ich bei Ein­hör­nern an den Film „Das letz­te Ein­horn“und ver­band da­mit schö­ne Kind­heits­er­in­ne­run­gen. Das al­ler­letz­te Ein­horn kann es da­mals aber doch nicht ge­we­sen sein, denn plötz­lich tau­chen die kit­schi­gen Fa­bel­we­sen über­all wie­der auf. Über­all. Auf Sham­pooFla­schen, Klo­pa­pier, Trink­päck­chen, Scho­ko­la­de und vie­lem mehr. Ich fin­de kaum ein Näh­schnitt­mus­ter mehr oh­ne Be­bil­de­rung mit knal­lig bun­tem Ein­horn-Stoff. Beim Bä­cker stand kürz­lich ein mus­kel­be­pack­ter Mann vor mir und be­stell­te ei­nen Ein­horn-Do­nut.

Den Hö­he­punkt aber er­leb­te ich dann an un­ver­hoff­ter Stel­le: am Flei­sch­re­gal im Su­per­markt. Da sprang mir doch tat­säch­lich ei­ne Pa­ckung Ein­horn-Brat­wurst ins Au­ge. Ro­sa­far­be­ne Brat­wurst. Hat nun der gan­ze Fleisch­kon­sum schon so­weit ge­führt, dass so­gar Ein­hör­ner zu Wurst ver­ar­bei­tet wer­den? Ich soll­te viel­leicht doch lie­ber Ve­ge­ta­rie­rin wer­den. Kopf­schüt­telnd be­trach­te­te ich die knall­bun­te Ver­pa­ckung mit dem edels­ten al­le Fa­bel­we­sen, das iro­ni­scher­wei­se als Sym­bol für das Gu­te steht. Von we­gen! Schnell wur­de ich aber be­schwich­tigt. Für die­se Wurst muss­ten kei­ne put­zi­gen Ein­hör­ner ster­ben, son­dern le­dig­lich ein paar Ro­te-Bee­te-Knol­len ih­ren Saft las­sen. ama

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