So­zia­ler Ein­satz en­ga­gier­ter Schüt­zen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON RUTH WIEDNER-RUNO RP-FO­TO: DET­LEF ILGNER

„Freu­de schen­ken, Ori­en­tie­rung ge­ben und Hil­fe in der Not leis­ten“– so er­klärt Horst Tho­ren ak­ti­ve Bru­der­schaft.

KOR­SCHEN­BROICH Ein Leit­spruch der Bru­der­schaf­ten im Be­zirks­ver­band Mön­chen­glad­bach-Kor­schen­broich lau­tet „Bru­der sein ist mehr“. Was ge­nau da­mit ge­meint ist, wur­de ges­tern Vor­mit­tag an­läss­lich der Aus­stel­lungs­er­öff­nung „Kul­tur­er­be – Schüt­zen­we­sen in Kor­schen­broich“an­schau­lich ver­deut­licht. Be­zirks­bun­des­meis­ter Horst Tho­ren hat­te im Kor­schen­broi­cher Kul­tur­bahn­hof Schüt­zen­chefs – je­weils ei­nen Ver­tre­ter der neun Bru­der­schaf­ten und Ver­ei­ne aus dem Stadt­ge­biet – um sich ge­schart, um mit ih­ren das Ver­ständ­nis von Brauch­tum zu dis­ku­tie­ren.

„Freu­de schen­ken, Ori­en­tie­rung ge­ben und Hil­fe in der Not leis­ten, das klingt staats­tra­gend. Das soll es auch.“Mit die­ser Fest­stel­lung stimm­te Horst Tho­ren die mehr als 100 An­we­sen­den auf ei­ne kurz­wei­li­ge Dis­kus­si­ons­run­de ein. Und dass die Schüt­zen bei wei­tem mehr kön­nen, als nur Bier trin­ken, wur­de ganz schnell deut­lich. Tho­ren spann­te ei­nen gro­ßen Bo­gen – an­ge­fan­gen bei der Flücht­lings­hil­fe, dem Weih­nachts-Wunsch­baum, über die Kin­der-Di­rekt­hil­fe, den Gleh­ner Sor­gen­kin­dern bis hin zur Au­gen­hil­fe Afri­ka. „Wir Schüt­zen tra­gen so­zia­le Ver­ant­wor­tung“, sprach er von ei­nem „Be­kennt­nis zur Hei­mat“und er­in­ner­te da­bei an den De­zem­ber 2015. Seit­her ge­hö­ren die Schüt­zen­bru­der­schaf­ten zum Unesco-Welt­kul­tur­er­be. „Im Mit­tel­punkt steht das ge­sell­schaft­li­che En­ga­ge­ment“, pflich­te­te ihm Hans Bert Hei­manns, Prä­si­dent der St.-Se­bas­tia­nus-Bru­der­schaft Klei- nen­broich, bei. In Klei­nen­broich wird da­her die In­te­gra­ti­on von Flücht­lings­fa­mi­li­en in­ten­siv be­trie­ben. „Wir hel­fen im­mer da, wo wir ge­braucht wer­den.“Dies gilt auch für die Lied­ber­ger Se­bas­tia­ner. „Wir hel­fen nach un­se­ren Mög­lich­kei­ten und ent­schei­den je nach Dring­lich­keit“, er­klär­te Prä­si­dent Jo­sef Sch­nock und führ­te das Kin­der­hos­piz Re­gen­bo­gen­land eben­so an wie die Ki­ta oder die Grund­schu­le vor Ort. Die Her­rens­hof­fer, sie ha­ben sei­ner­zeit auch für den Ein­satz ei­ner Grund­was­ser-Pum­pe ge­sam­melt, för­dern eben­falls die Au­gen­hil­fe Afri­ka. „Wir wol­len auch über un­se­re Orts­gren­zen hin­weg Zei­chen set­zen“, be­ton­te Hu­ber­tus-Prä­si­dent Karl-Heinz Hox. Wäh­rend in Stein­forth-Rub­bel­rath die För­de­rung der Al­ten Schu­le als Orts­treff­punkt und das Gleh­ner Na­mi­bia-Pro­jekt oben an­ste­hen, er­zähl­te Se­bas­tia­ner-Prä­si­dent Pe­ter-Jo­sef Sche­pers von ei­nem trau­ri­gen, aber ganz wich­ti­gen Ein­satz. Als ei­ne Mut­ter bei der Sturz­ge­burt ih­res ach­ten Kin­des im Dorf ver­starb, sam­mel­te und küm­mer­te sich die Bru­der­schaft. Wäh­rend sich die Do­na­tus-Schüt­zen für das Pro­jekt „Das ist Pesch“, für „To­bi“und die Kin­der­ta­fel Neuss stark ma­chen, ma­nagt der Hei­mat­ver­ein Lüt­ten­g­lehn das Dorf­le­ben mit wö­chent­li­chen Se­nio­ren­tref­fen, Um­welt- und Mar­tins-Ak­tio­nen. Die Gleh­ner küm­mern sich um ih­re „Sor­gen­kin­der“, den Schüt­zen­park und das Eh­ren­mal, wäh­rend die Kor­schen­broi­cher Bru­der­schaf­ten sich den Groß­pro­jek­ten, der Kin­derDi­rekt­hil­fe für Bol­ga­tan­ga und der Au­gen­hil­fe Afri­ka, ver­schrie­ben ha­ben. Nach 45 Mi­nu­ten fass­te Hans Bert Hei­manns das Leit­mo­tiv der Schüt­zen treff­lich zu­sam­men: „Ei­ner für al­le, al­le für ei­nen.“

Die Idee zu der Aus­stel­lung hat­te Pe­jo Ste­fes. So war es ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass er die Be­grü­ßung der Eh­ren­gäs­te über­nahm. „Die ge­sam­te Vor­be­rei­tungs­pha­se war von Har­mo­nie ge­prägt. Sie zeigt, dass in Kor­schen­broich frucht­ba­rer Bo­den für So­li­dar­ge­mein­schaf­ten vor­zu­fin­den ist“, so Ste­fes. Dass sich das Er­geb­nis se­hen las­sen kann, un­ter­strich Vi­ze-Bür­ger­meis­ter Han­sWil­li Türks, der Grü­ße von Bür­ger­meis­ter Marc Ven­ten über­brach­te und eben­falls be­ton­te: „Die Bru­der­schaf­ten leis­ten viel mehr, als nur das Fei­ern ih­res Jah­res­fes­tes.“

Ver­tre­ter aus neun Bru­der­schaf­ten und Schüt­zen­ver­ei­nen dis­ku­tier­ten ges­tern im Kor­schen­broi­cher Kul­tur­bahn­hof mit Be­zirks­bun­des­meis­ter Horst Tho­ren (3.v.r.) über das Leit­mo­tiv „Bru­der sein ist mehr.“

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