ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Vier Ter­ror­an­grif­fe in nur drei Mo­na­ten hat­ten Groß­bri­tan­ni­en zu­ge­setzt, dann lös­te der Brand im Gren­fell To­wer in Lon­don Ent­set­zen aus. Nun legt der Br­ex­it of­fen: Die bri­ti­sche Ge­sell­schaft ist ge­spal­te­ner denn je.

ten in­ter­nen Wi­der­sa­cher für May ge­wor­den. Ham­mond wird ne­ben Op­po­si­ti­ons­füh­rer Je­re­my Cor­byn hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand so­gar schon als ihr Nach­fol­ger ge­han­delt. Be­reits bei der bri­ti­schen Volks­ab­stim­mung vor ei­nem Jahr hat­te sich Ham­mond ge­gen den Br­ex­it aus­ge­spro­chen, ob­wohl er die EU in Tei­len kri­tisch sieht. Der 61-Jäh­ri­ge sagt, was sich sonst kei­ner traut: dass der EU-Aus­tritt schmerz­haft wird. Und er hat öf­fent­lich ge­sagt, dass die Mehr­heit des Par­la­ments nicht den har­ten Br­ex­it wol­le, den May an­strebt, son­dern den sanf­ten EU-Ab­schied be­für­wor­te.

„Es ist schwie­rig“, hat­te die Queen an­läss­lich ih­rer of­fi­zi­el­len Ge­burts­tags­fei­er­lich­keit ver­lau­ten las­sen, „sich der sehr düs­te­ren na­tio­na­len Stim­mung zu ent­zie­hen.“Vor­der­grün­dig mag Eliz­a­beth II. die Ter­ror­at­ta­cken der ver­gan­ge­nen Mo­na­te ge­meint ha­ben, und na­tür­lich hat­te sie auch auf das In­fer­no vom Gren­fell To­wer an­ge­spielt. Die Queen, die laut der un­ge­schrie­be­nen Ver­fas­sung po­li­tisch strikt neu­tral blei­ben muss, wird aber auch ei­ner­seits die de­so­la­te po­li­ti­sche La­ge und an­de­rer­seits die bei­spiel­lo­se po­li­ti­sche Her­aus­for­de­rung Br­ex­it im Blick ge­habt ha­ben.

Groß­bri­tan­ni­en, be­fand der bri­ti­schen Zei­tung „Guar­di­an“, ge­he in die Br­ex­it-Ge­sprä­che, „oh­ne Re­gie­rung und oh­ne Plan, wie man die größ­te geo­po­li­ti­sche Kurs­än­de­rung in die Tat um­setzt“. Das ist nur ein klein we­nig über­spitzt. Na­tür­lich hat das Kö­nig­reich zur Zeit ei­ne Re­gie­rung. Aber sie ist ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung, steht auf tö­ner­nen Fü­ßen, muss sich die Un­ter­stüt­zung durch die nord­iri­sche DUP mit ei­ner Fi­nanz­sprit­ze von ei­ner Mil­li­ar­de Pfund er­kau­fen, wird durch in­ner­par­tei­li­che Que­re­len bei den Kon­ser­va­ti­ven ge­nau­so be­droht wie durch ei­ne wie­der­er­stark­te Op­po­si­ti­on und hat bes­te Aus­sich­ten, dem­nächst er­neut Neu­wah­len über­ste­hen zu müs­sen. Und was den Br­ex­it-Plan an­geht: Auch der ist vor­han­den, aber an­ge­sichts der in­nen­po­li­ti­schen Un­wäg­bar­kei­ten nicht mehr als ei­ne Ab­sichts­er­klä­rung.

Groß­bri­tan­ni­en geht schwe­ren Zei­ten ent­ge­gen und ist sich über den zu­künf­ti­gen Kurs un­si­che­rer denn je.

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