Wald wis­sen­schaft­lich auf dem Prüf­stand

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - MEDIEN - VON MA­RI­ON LISKEN-PRUSS

Rö­mer­wacht, mit­tel­al­ter­li­che Burg­an­la­ge oder ei­ne Kult­stät­te der Kel­ten: Die Kreis­gra­ben­an­la­ge im Lied­ber­ger Haag birgt vie­le Rät­sel.

LIEDBERG Sie hat si­cher­lich viel zu er­zäh­len, und sie weist noch mehr Ge­heim­nis­se auf: Die so­ge­nann­te Rö­mer­wacht im Lied­ber­ger Haag. Drei bis vier Me­ter ist der Gr­a­ben tief, der sich kreis­för­mig durch den Wald zieht. Ho­he Bu­chen säu­men ihn, und Brom­bee­ren ha­ben ihn teil­wei­se über­wu­chert. Als Bo­den­denk­mal ein­ge­tra­gen ist die­se Kreis­gra­ben­an­la­ge schon lan­ge. An­fang 2018 soll sie jetzt wis­sen­schaft­lich un­ter­sucht wer­den, und bis En­de 2017 soll die Fi­nan­zie­rung ste­hen. Das teil­te Dieter Hoff­mans, Lei­ter des Am­tes für Stadt­ent­wick­lung, auf Nach­fra­ge.

Der Grund: Im März hat­ten der pro­mo­vier­te Geo­lo­ge Ge­org Wald­mann so­wie der Di­plom-In­for­ma­ti­ker Frie­del Her­ten neue For­schungs­er­geb­nis­se prä­sen­tiert. Sie ver­mu­ten in der An­la­ge ei­ne kel­ti­sche Kult­stät­te und zie­hen Par­al­le­len zu den ‚Hen­ge Mo­nu­ments’ in Groß­bri­tan­ni­en. Der run­de Gr­a­ben und sein Zu­gang im Nord­os­ten sei­en ver­gleich­bar. Der Zu­gang mar­kie­re eben­so wie bei den eng­li­schen ‚Hen­ges’ die Stel­le, wo die Son­ne am Tag der Som­mer­son­nen­wen­de auf­geht. Dass es sich um ei­ne Rö­mer­wacht, ei­ne mit­tel­al­ter­li­che Burg­an­la­ge oder ei­ne ba­ro­cke Gar­ten­an­la­ge han­deln kön­ne, schlos­sen sie aus. „Die­ses Bau­werk wur­de mög­li­cher­wei­se schon in der Jungstein­zeit an­ge­legt und bis in die Kel­ten­zeit ge­nutzt“, sind sich die bei­den si­cher. En­de März hat­ten sie sich mit ei­ner Ein­ga­be an die Un­te­re Denk­mal­be­hör­de ge­wandt, de­ren Chef Dieter Hoff­mans ist. Er hat­te die Ein­ga­be di­rekt an das Amt für Bo­den­denk­mal­pfle­ge (LVR) in Over­ath wei­ter­ge­lei­tet. Nach ei­nem Orts­ter­min mit Ver­tre­tern der Stadt Kor­schen­broich, dem LVR, der Na­tur­schutz­be­hör­de und dem Rhein-Kreis Neuss als Ei­gen­tü­mer des Wal­des stand fest, dass die Kreis­gra­ben­an­la­ge ge­nau­er un­ter­sucht wer­den soll. Da sie mit­ten in ei­nem Na­tur­schutz­ge­biet liegt, ha­be sich der LVR für Maß­nah­men ent­schie­den, die die Be­pflan­zung scho­ne, so Dieter Hoff­mans. Ge­plant sind ei­ne Ramm­kern­son­die­rung so­wie ei­ne geo­elek­tri­sche Un­ter­su­chung. Da­bei wer­den Son­den in den Bo­den ein­ge­las­sen, die mit- tels elek­tri­scher Span­nung die Bo­den­struk­tu­ren er­mit­teln und ei­ne Kar­tie­rung er­mög­li­chen kön­nen. „Es geht in ers­ter Li­nie dar­um, her­aus­zu­fin­den, wann die Grä­ben an­ge­legt wur­den und wie sie auf­ge­baut sind“, fass­te Erich Cla­ßen (LVR) die nächs­ten Schrit­te auf Nach­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on zu­sam­men. Gleich­zei­tig sol­len auch Bo­den­pro­ben ent­nom­men und auf ihr Al­ter hin un­ter­sucht wer­den. Cla­ßen hofft auf Höl­zer zu sto­ßen, da die an­hand na­tur­wis­sen­schaft­li­cher Me­tho­den da­tiert wer­den kön­nen. Ob es sich um ei­ne kel­ti­sche An­la­ge han­delt, moch­te er zum jet­zi­gen For­schungs­stand al­ler­dings nicht be­stä­ti­gen. Bis zum Jah­res­en­de soll ge­klärt wer­den, wer die Kos­ten für die Un­ter­su­chun­gen trägt, und ob Dritt­mit­tel aus dem Denk­mal­för­der­pro­gramm ge­ne­riert wer­den kön­nen. Ge­org Wald­mann zeig­te sich je­den­falls zu­frie­den: „Wir sind ho­cher­freut, dass sich in so kur­zer Zeit so viel ge­tan hat.“

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