Sven Lau bricht vor Ge­richt in Trä­nen aus

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON FRAN­ZIS­KA HEIN

Die An­kla­ge bleibt bei ih­rer For­de­rung von sechs­ein­halb Jah­ren Frei­heits­stra­fe, die Ver­tei­di­gung will wei­ter ei­nen Frei­spruch.

Drei­mal hat der Glad­ba­cher Sala­fis­ten­pre­di­ger Sven Lau im Ge­richts­saal bis­lang das Wort er­grif­fen. Er be­frag­te ehe­ma­li­ge Weg­ge­fähr­ten, die im Pro­zess ge­gen ihn als Zeu­gen ge­hört wur­den: den Aus­stei­ger Do­mi­nik S. und die bei­den Män­ner, die mit sei­ner Hil­fe nach Sy­ri­en ge­kom­men sein sol­len, Is­mail I. und Zou­bir L..

Am vor­letz­ten Ver­hand­lungs­tag spricht er in ei­ge­ner Sa­che. Es ist 12.01 Uhr. Zu­vor ha­ben der Ver­tre­ter des Bun­des­an­walts, Mal­te Merz, und Laus Ver­tei­di­ger, Mut­lu Günal, plä­diert. Die Schluss­vor­trä­ge fal­len kurz aus, seit dem Wie­der­ein­tritt in die Be­weis­auf­nah­me En­de Mai hat sich nicht viel ge­tan. Und so blei­ben An­kla­ge und Ver­tei­di­gung bei ih­ren je­wei­li­gen For­de­run­gen. Der Bun­des­an­walt be­an­tragt sechs­ein­halb Jah­re für die Un­ter­stüt­zung der Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on „Jam­wa“in Sy­ri­en, Günal ei­nen Frei­spruch.

Vor dem Plä­doy­er des Ver­tei­di­gers hat Lau sei­nen An­walt noch mal an die Ple­xi­glas­schei­be ge­winkt und ihm ins Ohr ge­flüs­tert: „Ich will ein Schluss­wort.“Und das be­kommt er als An­ge­klag­ter auch.

Sel­ten hat ein An­ge­klag­ter zwei­mal die Chan­ce auf ein Schluss­wort im sel­ben Pro­zess. Am 17. Mai, als zum ers­ten Mal plä­diert wur­de, hat­te er sich in nur ei­nem Satz sei­nem Ver­tei­di­ger an­ge­schlos­sen. Doch nun muss er ein­fach los­wer­den, was ihn um­treibt. Am En­de ha­ben Rich­ter, Staats­an­wäl­te, Jus­tiz­be­am­te und Er­mitt­ler ihn doch klein­ge­kriegt. Der Druck ist groß ge­wor­den in der Un­ter­su­chungs­haft, die Iso­la­ti­on las­tet auf ihm und nächs­te Wo­che droht ihm die Ver­ur­tei­lung.

Der Druck bricht sich schließ­lich in Trä­nen Bahn, als Lau von den Um­stän­den sei­ner Fest­nah­men im Ja­nu­ar 2014 und im De­zem­ber 2015 be­rich­tet, von Gän­ge­lei­en des Lei­ten­den Er­mitt­lers des Glad­ba­cher Staats­schut­zes und von star­ken Si­cher­heits­vor­keh­run­gen ge­gen ihn hin­ter Git­ter. In der JVA sei er von den Mit­häft­lin­gen als „dre­cki­ge ISRat­te“be­schimpft und be­spuckt wor­den Sei­ne Frau und sei­ne Kin­der ha­be er seit 19 Mo­na­ten nur durch ei­ne Trenn­schei­be se­hen dür­fen. Er ha­be ih­nen ge­sagt, wenn der lei­ten­de Er­mitt­ler aus Glad­bach da ist, der auch Be­su­che im Ge­fäng­nis bei Lau be­auf­sich­tigt, soll­ten sie lie­ber nicht kom­men. „Ich sit­ze mit Mör­dern in der JVA, die ha­ben nicht so schwe­re Si­cher­heits­vor­keh­run­gen wie ich.“

Seit elf Jah­ren be­glei­te ihn die­ser Er­mitt­ler. Er ha­be mehr­fach ver­sucht, ihn schlecht dar­zu­stel­len. Et­wa bei der Ge­schich­te mit dem Brand in den Räu­men der Mo­schee da­mals 2011, oder bei ei­ner Ran­ge­lei mit dem Vor­sit­zen­den der Bür­ger­be­we­gung ge­gen Laus Mo­schee­ver­ein. „Das ist ei­ne har­te psy­chi­sche Be­las­tung, was die­ser Mann fa­bri­ziert“, sagt Sven Lau. Er ha­be sich im­mer ge­wun­dert, dass es Be- fan­gen­heit nur bei Rich­tern ge­be, bei der Po­li­zei ge­be es Nar­ren­frei­heit. Dass er ver­ur­teilt wird, da­von geht auch sein Ver­tei­di­ger aus. Denn sonst hät­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter Frank Schrei­ber die Be­weis­auf­nah­me nicht noch ein­mal er­öff­net. Mut­lu Günal zwei­felt in sei­nem Plä­doy­er gleich am Rechts­staat. „Ich will dem Rechts­staat hel­fen, aber er will sich nicht hel­fen las­sen, son­dern ver­ur­tei­len – und nächs­te Wo­che wird der Lau auch ver­ur­teilt.“

Wie der Se­nat die geis­ti­ge Brand­stif­tung wer­tet, wird die Öf­fent­lich­keit am kom­men­den Mitt­woch er­fah­ren. Dann fällt das Ur­teil. Soll­te Lau ver­ur­teilt wer­den, will sein Ver­tei­di­ger in Re­vi­si­on ge­hen.

FO­TO: DPA

Sven Lau im Saal 2 des Hoch­si­cher­heits­trakts des Düs­sel­dor­fer Ober­lan­des­ge­richts. Ges­tern brach er vor Ge­richt in Trä­nen aus.

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