Kein Ren­ten­ra­batt für Fa­mi­li­en

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - VORDERSEITE -

Muss der Staat El­tern fi­nan­zi­ell bes­ser­stel­len? Nein, sagt das Bun­des­so­zi­al­ge­richt.

KAS­SEL (RP) Die bis­he­ri­gen Bei­trä­ge von El­tern in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung sind rech­tens. Das hat das Bun­des­so­zi­al­ge­richt in Kas­sel ent­schie­den. Nach An­sicht der Rich­ter ist es le­gi­tim, wenn der Ge­setz­ge­ber die Kin­der­er­zie­hung nicht in Form nied­ri­ge­rer Bei­trä­ge be­rück­sich­tigt, son­dern durch Leis­tun­gen aus­gleicht. Da­zu ge­hör­ten bei­spiels­wei­se kos­ten­lo­se Schu­len und die An­rech­nung von Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten. Die Klä­ger wol­len nun vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zie­hen (Az.: B 12 KR 13/15 R und B 12 KR 14/15 R).

Im vor­lie­gen­den Fall woll­ten die kla­gen­den El­tern die Er­zie­hungs­zei­ten für ih­re drei Kin­der mehr be­rück­sich­tigt wis­sen, in­dem sie nur noch die Hälf­te der So­zi­al­bei­trä­ge zah­len. Hilfs­wei­se wol­len sie ei­nen Be­trag in Hö­he von 833 Eu­ro pro Mo­nat und Kind von den zu ent­rich­ten­den So­zi­al­bei­trä­gen ab­zie­hen. Der Va­ter, der als Ge­mein­de­re­fe­rent beim Erz­bis­tum Frei­burg be­schäf­tigt ist, und sei­ne in ei­nem ka­tho­li­schen Kran­ken­haus tä­ti­ge Ehe­frau ga­ben an, dass sie als Fa­mi­lie in

Ein An­walt der kla­gen­den El­tern dem der­zei­ti­gen So­zi­al­ver­si­che­rungs­sys­tem ge­gen­über Kin­der­lo­sen stark be­nach­tei­ligt wür­den. Die El­tern be­rie­fen sich auf ein Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts von 2001. Durch die da­ma­li­ge Ent­schei­dung wa­ren die Bei­trä­ge in der Pfle­ge­ver­si­che­rung für Kin­der­lo­se ge­stie­gen. Das Ge­richt hat­te den Ge- setz­ge­ber be­auf­tragt, auch an­de­re So­zi­al­ver­si­che­run­gen zu prü­fen.

„Fa­mi­li­en wer­den schwerst be­nach­tei­ligt“, sag­te ein An­walt der El­tern. Die Un­ge­rech­tig­keit müs­se auf der Bei­trags­sei­te – al­so durch nied­ri­ge­re Ab­ga­ben – aus­ge­gli­chen wer­den. Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt sah das an­ders: Der Be­schluss zur Pfle­ge­ver­si­che­rung sei nicht eins zu eins auf die Ren­ten­ver­si­che­rung über­trag­bar. Der Ge­setz­ge­ber be­rück­sich­ti­ge zu­dem Er­zie­hungs­leis­tun­gen „in Form ver­schie­de­ner fa­mi­li­en­för­dern­der Ele­men­te“, sag­te der Vor­sit­zen­de Rich­ter.

Das Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat­te be­reits 2015 in zwei an­de­ren Ver­fah­ren fest­ge­stellt, dass die Bei­trags­be­mes­sung der So­zi­al­ver­si­che­run­gen nicht ver­fas­sungs­wid­rig ist.

„Fa­mi­li­en wer­den

schwerst be­nach­tei­ligt“

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