Wan­lo­er auf Kos: „Schreie ha­ben uns ge­weckt“

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON GABI PE­TERS

Ju­li­an Gill­jam und sei­ne El­tern ha­ben das See­be­ben auf der Ur­laubs­in­sel mit­er­lebt. Ihr Ho­tel ist da­bei stark be­schä­digt wor­den.

Die­sen Ur­laub hat­te sich Fa­mi­lie Gill­jam aus Wan­lo an­ders vor­ge­stellt – oh­ne Nacht auf Lie­gen­stüh­len un­ter Tisch­de­cken, oh­ne stun­den­lan­ges War­ten mit der Un­ge­wiss­heit, wie es wei­ter­geht. Oh­ne Be­ben, oh­ne Tsu­na­mi. Ju­li­an Gill­jam (17) und sei­ne El­tern sind seit ver­gan­ge­nen Mitt­woch in Grie­chen­land auf Kos im „Con­ti­nen­tal Pa­lace“, ei­nem Vier-Ster­ne-Ho­tel am Rand von Kos-Stadt. Die Nacht zu ges­tern war für die Fa­mi­lie wie für vie­le an­de­re Men­schen in der Ägä­is-Re­gi­on ein Alp­traum.

„Plötz­lich rie­fen vie­le: ,Tsu­na­mi’. Da rann­ten wir weg“

Ju­li­an Gill­jam

Grie­chen­land-Ur­lau­ber

„Ge­gen 1.30 Uhr wur­den wir durch Schreie ge­weckt“, er­zählt Ju­li­an Gill­jam, Schü­ler des Gym­na­si­ums an der Gar­ten­stra­ße. Der 17Jäh­ri­ge schreck­te hoch und sah so­fort ei­nen gro­ßen Riss in der Zim­mer­wand. Im Ba­de­zim­mer wa­ren Ka­cheln von der Wand ge­fal­len, die Er­de beb­te. „Mei­ne El­tern und ich sind dann schnell von der zwei­ten Eta­ge ins Erd­ge­schoss und dann vor das Ho­tel ge­lau­fen“, be­rich­tet der Gym­na­si­ast. Dort stan­den schon vie­le Gäs­te. Auch sie wa­ren von dem See­be­ben auf­ge­schreckt wor­den. „Auf dem Weg nach un­ten ha­ben wir nur Cha­os ge­se­hen“, sagt der 17Jäh­ri­ge – und be­rich­tet von ge­bro­che­nen Was­ser­lei­tun­gen, Ris­sen in den Wän­den und her­um­lie­gen­dem Schutt.

Ei­ne hal­be St­un­de war­te­ten Fa­mi­lie Gill­jam und die üb­ri­gen Gäs­te vor dem Ge­bäu­de. „Vie­le wa­ren be­sorgt, weil sie nicht wuss­ten, was noch pas­siert“, sagt der 17-Jäh­ri­ge. Dann gab es die ers­te An­wei­sung vom Ho­tel­per­so­nal: Al­le soll­ten sich in den Gar­ten be­ge­ben und es sich auf den Lie­ge­stüh­len am Pool oder auf den Stüh­len be­quem ma­chen. Dort hät­ten dann al­le ge­war­tet – in Tisch­tü­cher ge­hüllt, bis plötz­lich ei­ni­ge her­um­lie­fen und „Tsu­na­mi“rie­fen. „Wir ha­ben uns al­le auf­ge­macht und sind noch wei­ter weg vom Meer ge­lau­fen“, er­zählt der Gym­na­si­ast. Ein biss­chen Pa­nik ha­be es schon ge­ge­ben, aber trotz­dem sei al­les ge- ord­net ab­ge­lau­fen, sagt der 17-Jäh­ri­ge. Vom Tsu­na­mi ha­be die Grup­pe dann nichts mit­ge­kom­men.

Erst am Mor­gen hät­ten die Ho­tel­gäs­te wie­der zu­rück­keh­ren kön­nen. Bei Ta­ges­licht sa­hen sie das gan­ze Aus­maß des Scha­dens. Durch das Be­ben wa­ren gan­ze Ge­bäu­de­tei­le weg­ge­bro­chen. Ris­se zo­gen sich quer durch das ge­sam­te ers­te Ge- schoss. „Wer woll­te, durf­te sei­ne Kof­fer ho­len, aber nur auf ei­ge­ne Ge­fahr“, sagt Ju­li­an Gill­jam. Denn das Ge­bäu­de galt als ein­sturz­ge­fähr­det. „Wir ha­ben wirk­lich Glück ge­habt, dass nie­mand bei dem Be­ben ver­letzt wur­de“, sagt der 17-Jäh­ri­ge, der über Face­book sei­nen Freun­den mit­teil­te, dass ihm nichts pas­siert sei.

St­un­den­lang saß Fa­mi­lie Gill­jam ges­tern auf ih­ren Kof­fern am Ho­tel. Dass sie ih­ren rest­li­chen Grie­chen­land-Ur­laub nicht im „Con­ti­nen­tal Pa­lace“ver­brin­gen konn­ten, war schnell klar. Aber zu­nächst wuss­te nie­mand, wo es und ob es über­haupt ein Aus­weich­quar­tier gibt. Ju­li­an Gill­jam nahm’s ge­las­sen. „Wir ma­chen das Bes­te draus“, sagt er.

FO­TOS: THEO TITZ

Durch das Be­ben bra­chen gan­ze Ge­bäu­de­tei­le aus dem Ho­tel na­he Kos-Stadt. Über­all la­gen Trüm­mer her­um.

Die stärks­ten Be­schä­di­gun­gen gab es im Be­reich des ers­ten Ober­ge­schos­ses. Fa­mi­lie Gill­jam hat­te Zim­mer in der zwei­ten Eta­ge.

Die­sen Riss sah Ju­li­an Gill­jam, als er ge­weckt wur­de.

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