Als die Na­zis Fa­mi­lie Si­mons ver­haf­te­ten

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON HEINZ HA­B­RICH

RHE­YDT Zeit deckt Er­in­ne­run­gen mit Gold­staub zu: Die­sem Sprich­wort mag man kaum wi­der­spre­chen und doch gibt es Er­in­ne­run­gen, da reicht al­ler Gold­staub nicht aus, Ge­sche­he­nes ver­ges­sen zu las­sen.

Es war ein Zu­fall, dass ich mit mei­nem Va­ter an ei­nem No­vem­ber­mor­gen 1938 über die un­te­re Haupt­stra­ße in Rich­tung Markt ging. Auf der lin­ken Stra­ßen­sei­te, vor dem Haus Num­mer 236, stan­den zwei dunk­le Au­tos, die Tü­ren an der Fah­rer­sei­te stan­den of­fen. Aus dem Haus ka­men ver­schie­de­ne Män­ner mit lan­gen Män­teln, sie schubs­ten je­man­den vor sich her und ich er­kann­te Dok­tor Si­mons, un­se­ren frü­he­ren Haus­arzt, der aber nicht mehr prak­ti­zie­ren durf­te. Er stol­per­te und da­mit rutsch­te ihm sei­ne Ho­se her­un­ter, die ihm of­fen- kun­dig viel zu weit ge­wor­den war und so stand er da für we­ni­ge Au­gen­bli­cke in der Un­ter­ho­se. Un­ter schal­len­dem Ge­läch­ter der Män­ner scho­ben sie ihn in den Wa­gen und braus­ten da­von. Al­les ge­schah in Mi­nu­ten­schnel­le. Ich sah mei­nen Va­ter rat­los an, er zog mich wei­ter und sag­te nur, wir wer­den zu Hau­se dar­über spre­chen. Heu­te er­in­nern zwei Stol­per­stei­ne im Bür­ger­steig vor dem Haus an den jü­di­schen Arzt und sei­ne Gat­tin, es war ihr letz­ter Wohn­ort vor ih­rer De­por­ta­ti­on.

RE­PRO: DETLEF ILGNER

Mit sei­nen Klas­sen­ka­me­ra­den wur­de Heinz Ha­b­rich im Zwei­ten Welt­krieg als Flak­hel­fer zum Flug­ab­wehr­schutz ein­ge­zo­gen.

FO­TOS (2): DIE­TER WE­BER

Vor dem Haus, in dem die jü­di­sche Fa­mi­lie wohn­te, er­in­nern heu­te zwei Stol­per­stei­ne an Wal­ter und Il­se Si­mons.

Hier an der Haupt­stra­ße be­ob­ach­te­te Ha­b­rich 1938 den Ein­satz der Na­zis.

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