Das Büd­chen war ein Sehn­suchts­ort für Kin­der

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON HEINZ HA­B­RICH

RHE­YDT Es war der ers­te Schul­tag im Früh­jahr 1932, mor­gens hat­te für uns 54 Jun­gen und Mäd­chen der Klas­se 1a die Schul­zeit be­gon­nen, ein auf­re­gen­der Tag. Am Nach­mit­tag, nach Ar­beits­schluss, kam mein Pa­te­n­on­kel, und ich muss­te er­zäh­len, wie es denn so ge­we­sen war. Beim Ab­schied drück­te er mir zwei Mün­zen in die Hand, es wa­ren zwei Fünf­pfen­nig­stü­cke, al­so ein Gro­schen zur frei­en Ver­fü­gung.

Ich mach­te mich auf zum Büd­chen an der Stra­ßen­ecke, ein klei­nes Holz­haus, qua­dra­tisch und gelb ge­stri­chen, für uns Kin­der ein Sehn­suchts­ort. Was soll­te ich mir kau­fen; ei­ne Do­se Sal­mi­ak­pas­til­len, die man auf den Hand­rü­cken auf­kleb­te und dann ge­nüss­lich ab­le­cken konn­te? Oder doch lie­ber Bon­bons? Je­den­falls mehr als ei­ne Mün­ze, al­so fünf Pfen­nig, woll­te ich nicht auf ein­mal aus­le­gen. Ich leg­te das Geld­stück auf den Zahl­tel­ler und der freund­li­che Mann im Büd­chen, rund­lich, mit ei­ner Glat­ze und ei­nem mäch­ti­gen Schnurr­bart, sah mich er­war­tungs­voll an. Ich ent­schied mich für die Bon­bons, die gab es in vie­len Far­ben - grün, gelb, rot, weiß - und die wa­ren in Glas­ge­fä­ßen ver­lo­ckend hin­ter der Schei­be auf­ge­reiht.

Ich zeig­te auf fünf ver­schie­de­ne Glä­ser und ge­dul­dig und gar nicht über­rascht hol­te der Mann im Büd­chen die ge­wünsch­ten Bon­bons aus den Glä­sern, das Stück für je­weils ei­nen Pfen­nig, die ka­men in ein klei­nes Pa­pier­tüt­chen. Üb­ri­gens, der Pa­te­n­on­kel kam lei­der nur sel­ten zu Be­such.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.