An­walt für ei­ne gan­ze Stadt

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON HORST THO­REN

Er starb, wie er ge­lebt hat: über­ra­schend. Pe­ter Ba­ckes ist tot. Der pro­mo­vier­te Ju­rist, pro­mi­nen­te Rechts­an­walt und Un­ter­neh­mer, in Stadt und Land ge­schätz­ter Rat­ge­ber und Pro­blem­lö­ser, starb am Sams­tag. Er wur­de 65 Jah­re alt.

Der Kampf ge­gen ein schwe­res, tü­cki­sches Lei­den, den er über sechs Jah­re tap­fer und still ge­führt hat­te, ging für ihn am En­de doch ver­lo­ren. Erst vor vier­zehn Ta­gen war Pe­ter Ba­ckes, den vie­le Freun­de noch bei sei­nem Netz­werktreff En­de Ju­ni agil und ide­en­sprü­hend er­lebt hat­ten, als Not­fall ins Kran­ken­haus ge­kom­men. Für al­le kam sein Tod über­ra­schend.

Wie kaum ein an­de­rer in die­ser Stadt ver­stand es Pe­ter Ba­ckes, Kon­tak­te zu knüp­fen und Ver­bin­dun­gen her­zu­stel­len – oft bun­des­weit. Er sah sich als Mo­de­ra­tor, der mit Rat und Tat Ent­wick­lun­gen und Pro­jek­te be­glei­tet, be­för­dert und zum Er­folg führt. Sein ju­ris­ti­sches Wis­sen, sei­ne be­son­de­ren Kennt­nis­se als Fach­an­walt für Steu­er­recht, und sei­ne Fä­hig­kei­ten als Vor­den­ker brach­te er ziel­ori­en­tiert ein.

Die von ihm ge­grün­de­te Kanz­lei Dr. Ba­ckes und Part­ner, mit zehn Ju­ris­ten ei­ne der größ­ten in der Re­gi­on, po­si­tio­nier­te er in der Be­ra­tung von Un­ter­neh­men wie Pri­vat­per­so­nen. Er selbst hat­te sei­nen Schwerpunkt im Un­ter­neh­mens- und Steu­er­recht, war im Me­di­zin­recht be­wan­dert und des­halb ge­such­ter Be­ra­ter auch für Kran­ken­kas­sen und Ärz­te­ver­bän­de.

Und gleich­zei­tig nahm er sich Zeit auch für die „klei­nen Fäl­le“, war mit sei­ner Kanz­lei Rechts­bei­stand für Kar­ne­vals­ge­sell­schaf­ten und Brauch­tums­ver­ei­ne, un­ter­stütz­te Mu­sik­grup­pen und Künst­ler, be­riet „klei­ne Leu­te“, die ihn bei Be­geg­nun­gen in der Stadt an­ge­spro­chen und um Hil­fe ge­be­ten hat­ten. Sei­ne Rol­le als No­t­hel­fer über­trug er – durch­aus auch öf­fent­lich­keits­wirk­sam – auf sei­ne Kanz­lei, die in spek­ta­ku­lä­ren Fäl­len Op­fer und Hin­ter­blie­be­ne von Ka­ta­stro­phen (wie zu­letzt beim Ab­sturz der Ger­man- wings-Ma­schi­ne 2015 in den fran­zö­si­schen Py­re­nä­en) ver­trat.

Sei­nen Er­folg zeig­te Ba­ckes – mit ei­nem re­prä­sen­ta­ti­ven Bü­ro­kom­plex am Land­ge­richt, mit sei­nem Ein­stieg ins Au­to­ge­schäft bei BMW (Fa­ba Au­to­welt), mit sei­nem Netz­werktreff „Her­ren­abend“, zu des­sen 30. Wie­der­ho­lung vor drei Wo­chen mehr als 300 Mul­ti­pli­ka­to­ren aus Wirt­schaft und Po­li­tik, Ge­sell­schaft und Brauchtum ka­men.

Sei­ne Freu­de am Le­ben teil­te er – mit Fa­mi­lie und Freun­den. Er fei­er­te. Er lud mit sei­ner Frau El­ke, der Au­to­rin und Kunst­blog­ge­rin, gern Gäs­te ein. Er war ein un­ter­halt­sa­mer Ge­sprächs­part­ner. Er spiel­te für sich und zur Un­ter­hal­tung Kla­vier. Er lieb­te Bo­rus­sia.

Die Fa­mi­lie und en­ge Weg­ge­fähr­ten kann­ten aber auch den an­de­ren Pe­ter Ba­ckes, der sich eher zu­rück­zog, von Nach­denk­lich­keit be­stimmt war. Da war nichts mehr zu spü­ren vom aus­ge­las­se­nen Spaß­vo­gel der jün­ge­ren Jah­re. Mit dem frü­hen Tod sei­ner ers­ten Frau, der Me­di­zi­ne­rin An­ne Ba­ckes, war er stil­ler ge­wor­den, deut­lich stil­ler. Erst sei­ne Hei­rat mit El­ke Ba­ckes gab ihm neu­en Mut. Halt ga­ben ihm aber auch sei­ne Kin­der, die Ju­ris­ten Max (be­reits Part­ner in der Kanz­lei) und Fe­lix und Jo­han­na, die Me­di­zin stu­diert.

Pe­ter Ba­ckes war ein gu­ter, aber kein ein­fa­cher Mensch. Er ver­lang­te sich et­was ab und er­war­te­te das auch vom An­de­ren – im Be­ruf wie im Pri­vat­le­ben. Er war in der Sa­che hart und doch im Um­gang ver­söhn­lich. Er konn­te strei­ten – und tat das gern. Er konn­te la­chen – und tat das häu­fig. Er war wie die ge­schnitz­ten bun­ten Clowns, die er bes­ten Freun­den schenk­te: manch­mal höl­zern, mit Schmin­ke im Ge­sicht. Er war Rat­ge­ber, Wohl­tä­ter, Pro­blem­lö­ser. Er war wie Glad­bach – ein­fach herz­lich.

FO­TO: MAR­KUS RICK

Pe­ter Ba­ckes war er­folg­rei­cher Rechts­an­walt und Chef ei­ner Kanz­lei mit zehn Ju­ris­ten. Dr. Ba­ckes und Part­ner wur­den un­ter an­de­rem be­kannt durch spek­ta­ku­lä­re Fäl­le wie den Ger­m­anwings-Ab­sturz.

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