Der Som­mer auf vier Pfo­ten

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON MAREI VITTINGHOFF

Die Fe­ri­en sind auch für Hun­de und Kat­zen ei­ne be­son­de­re Zeit. Ein Be­such in ei­ner Hun­de­pen­si­on und im Glad­ba­cher Tier­heim.

Paul, Ba­loo und Blüm­chen sind ver­reist. Zu­min­dest in­ner­halb von Mön­chen­glad­bach. In ih­rer Pen­si­on gibt es ein le­cke­res Buf­fet, so viel zu trin­ken, wie sie mö­gen und ein gro­ßes Au­ßen­ge­län­de. Wenn es heiß wird, kann man sich im Pool ab­küh­len, bei Re­gen sor­gen Ani­ma­teu­re im Auf­ent­halts­raum für Un­ter­hal­tung. Auch neue Freun­de kann man hier ken­nen­ler­nen. Wer sei­nen Ur­laub lie­ber ge­müt­li­cher mag, ku­schelt sich drin­nen mit ei­ner De­cke auf dem So­fa ein. Für die ak­ti­ven Ur­lau­ber steht ein Trai­nings­ge­län­de mit vie­len Ge­rä­ten be­reit. Das Ge­bäu­de ist länd­lich ge­le­gen, vom Stress der Stadt be­kommt man hier trotz kur­zer We­ge kaum et­was mit.

Klingt nach op­ti­ma­len Be­din­gun­gen für ei­ne Aus­zeit vom All­tag? Wer be­reits ei­ne Bu­chung für die Glad­ba­cher Pen­si­on for­mu­liert, soll­te bes­ser noch ein­mal nach­den­ken - aus­ge­nom­men na­tür­lich, es han­delt sich um ei­ne An­fra­ge für den ei­ge­nen Vier­bei­ner. Denn im „Pfo­ten­hof“in Hardt lebt man mit Schä­fer­hun­den, Da­ckeln und Chi­hua­huas.

Seit dem 1. Ja­nu­ar die­ses Jah­res gibt es die Pen­si­on, Ta­ges­stät­te und Hun­de­schu­le am Küh­len­hof 1. Jo­ce­ly­ne Dran­ge hat sie in ei­nem Teil ei­nes al­ten Bau­ern­hofs er­öff­net, seit kur­zem ar­bei­tet auch Tier­pfle­ge­rin Na­di­ne Fas­tabend bei ihr. Al­les in der Pen­si­on wirkt häus­lich und fa­mi­li­är. „Ich woll­te den Hun­den ein zwei­tes Zu­hau­se bie­ten und al­les so ein­rich­ten, dass ich auch mei­ne ei­ge­nen Hun­de dort hin­ge­ben wür­de“, sagt Dran­ge. „Ein Hund merkt eben, ob er in ei­nem kah­len Raum un­ter­ge­bracht ist oder in ei­ner bun­ten Woh­nung“.

Ob zwei oder 70 Ki­lo schwer, acht Wo­chen oder 15 Jah­re alt, ver­schmust oder ver­spielt: Dass die Hun­de sich bei ihr wohl­füh­len, ist Dran­ge wich­tig. Ne­ben den Ta­ges­gäs­ten, die von ih­ren Be­sit­zern wie Kin­der in ei­ner Ki­ta ab­ge­ge­ben wer­den, sind ge­ra­de jetzt in der Fe­ri­en­zeit auch vie­le Vier­bei­ner zur Über­nach­tung da. 35 Eu­ro kos­tet die Pen­si­on pro Nacht, Fut­ter und Hals­band wer­den vom Be­sit­zer mit­ge­bracht. Wer als Ur­lau­ber mit Fell und Pfo­ten kom­men möch­te, muss so­zi­al­ver­träg­lich und haft­pflicht­ver­si­chert so­wie frei von an­ste­cken­den Krank­hei­ten und Pa­ra­si­ten sein. Ei­ne Pro­be­zeit vor Rei­se­an­tritt zeigt, wie gut sich der Ur­laubs­gast in der Pen­si­on zu­recht­fin­det. „Meist ge­ben Be­sit­zer ih­ren Hund in die Pen­si­on, wenn sie ir­gend­wo hin­flie­gen und ih­rem Hund nicht den Flug oder den Kli­maum­schwung an­tun wol­len“, weiß Na­di­ne Fas­tabend. Den Hund ein­fach so aus­set­zen? Für ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Tier­lieb­ha­ber na­tür­lich kei­ne Op­ti­on.

An­lauf­stel­le für Ur­lau­ber, die ih­ren Lieb­ling in den Fe­ri­en gut ver­sorgt wis­sen wol­len und kei­ne an­de­re Mög­lich­keit ha­ben, als ihn in an­de­re Hän­de zu ge­ben, neh­men laut Jas­min Pul­ver, Lei­te­rin des Tier­heims am Hül­ser­kamp 74, im­mer mehr zu. So er­laubt auch das Tier­heim für ei­ne täg­li­che Ge­bühr von 15 Eu­ro die Auf­nah­me wäh­rend der Fe­ri­en. „Das ty­pi­sche aus­ge­setz­te Tier an der Au­to­bahn gibt es im­mer noch, aber kei­nes­falls mehr zu­hauf. Frü­her ha­ben wir je­den Tag Tie­re ge­fun­den, oder Hun­de wur­den vor un­se­rem Tor ab­ge­setzt. Das ist aber schon vie­le Jah­re her“, sagt Pul­ver. Den Grund für die­se Ent­wick­lung sieht sie in ei­nem ver­än­der­ten Be­wusst­sein der Men­schen: „Das The­ma ist oft durch die Me­di­en ge­gan­gen, und der Tier­schutz hat sich stark da­für ein­ge­setzt, dass die Zahl der ver­schenk­ten Tie­re stark ab­ge­nom­men hat“, er­zählt die Lei­te­rin des Tier­heims. Da vie­le Tie­re ge­chippt sein, sei das Aus­set­zen von Hun­den heu­te oh­ne­hin schwie­ri­ger für den Be­sit­zer ge­wor­den. Ei­ne an­de­re ne­ga­ti­ve Ent­wick­lung aber blei­be: „Oft fin­den wir ver­wahr­los­te Tie­re, die von ih­ren Hal­tern in der Woh­nung zu­rück­ge­las­sen wur­den“, sagt Pul­ver. „Meist stellt sich dann her­aus, dass zwar Be­kann­te oder An­ge­hö­ri­ge mit der Be­treu­ung der Tie­re be­auf­tragt wa­ren, die­se ih­rer frei­wil­lig über­nom­me­nen Ver­pflich­tung aber nicht im ge­bo­te­nen Ma­ße nach­ge­kom­men sind“, weiß Stadt­spre­cher Dirk Rüt­ten. Wer er­wischt wird, den er­war­tet ei­ne An­zei­ge nach Pa­ra­graf 3, Ab­satz 3, des Tier­schutz­ge­set­zes: „Die­se Straf­tat ist mit ei­ner Geld­stra­fe von bis zu 25.000 Eu­ro ge­ahn­det.“

Trotz Rück­gangs der Tier­aus­set­zun­gen herrscht im Som­mer im Tier­heim Hoch­be­trieb: Im Mai und Ju­ni be­kom­men die Kat­zen ih­re Jung­tie­re, auch ver­wais­te Hun­de­wel­pen kom­men hin­zu. Bei der­zeit um die 30 Hun­de und 60 Kat­zen (da­zu noch Klein­tie­re) ist je­der der acht fes­ten Mit­ar­bei­ter im Tier­heim beim Säu­bern der Stäl­le und Pf­le- gen der tie­ri­schen Be­woh­ner ge­fragt. Dass bei die­ser Ar­beit nicht im­mer die Zeit bleibt, in­di­vi­du­ell auf je­des Tier ein­zu­ge­hen, ist klar. Dar­um ist das Tier­heim – ne­ben Geld- und Sach­spen­den – auf flei­ßi­ge Hel­fer an­ge­wie­sen: Eh­ren­amt­li­che Kat­zen­streich­ler und Gas­si­ge­her sind ge­fragt. Al­le, die in ih­rer Frei­zeit den Hun­den et­was Gu­tes tun wol­len und min­des­tens 18 Jah­re alt sind, sind dar­um herz­lich ein­ge­la­den, zu den Gas­si-Geh-Zei­ten zwi­schen 10 und 12 Uhr vor­bei­kom­men. Vor­aus­set­zung für das Eh­ren­amt ist ein Sach­kun­de­nach­weis, der in Form ei­nes „Mul­ti­ple-Choice­Tests“er­wor­ben wer­den kann. Ein In­for­ma­ti­ons­se­mi­nar für al­le neu­en Hun­de­lieb­ha­ber klärt dann über den rich­ti­gen Um­gang mit den Tie­ren auf. Wer lie­ber mit Kat­zen ku­schelt, kann nach­mit­tags von 15 bis 17 Uhr als Streich­ler ak­tiv wer­den. Die Be­din­gun­gen? Le­dig­lich ei­ne Te­ta­nus-Imp­fung, Kin­der soll­ten zu­dem in Be­glei­tung von ei­nem Er­wach­se­nen er­schei­nen. „Wir sind für je­de strei­cheln­de Hand dank­bar“, sagt Pul­ver.

So sol­len sie für al­le Tie­re in Glad­bach schön wer­den: die Som­mer­fe­ri­en auf vier Pfo­ten.

FO­TOS (2): RAUPOLD

Die­se Do­go-Ar­gen­ti­no-Hus­ky-Misch­lin­ge war­ten im Tier­heim noch auf ih­re Ver­mitt­lung. Wer In­ter­es­se hat, kann sich un­ter 02161 602214 mel­den.

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