Vom Flug­platz zum Wirt­schafts­stand­ort

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON CHRIS­TI­AN LINGEN

Der Nord­park hat ei­ne be­weg­te Ge­schich­te. Frü­her star­te­ten dort Flug­zeu­ge der Luft­waf­fe. Heu­te sie­deln sich Un­ter­neh­men an.

Es ist ei­nes der am stärks­ten nach­ge­frag­ten Ge­wer­be­ge­bie­te der Stadt. Der Nord­park boomt. Im­mer mehr Un­ter­neh­men möch­ten sich dort an­sie­deln. Bo­rus­sia-Park und Spar­kas­sen­park sind ech­te Mar­ken, und die his­to­ri­schen Ge­bäu­de am Kon­rad-Zu­se-Ring sind ein Schmuck­stück. Das Ge­biet im Süd-Wes­ten von Holt war schon im­mer ein stark fre­quen­tier­tes Are­al und hat ei­ne in­ter­es­san­te Ge­schich­te. Was heu­te längst nicht mehr je­der weiß: Frü­her war der Nord­park ein gro­ßer Flug­ha­fen und Stand­ort ei­nes Heims für Schwer­erzieh­ba­re.

In den 90er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts such­te die Rhein­pro­vinz nach ei­nem pas­sen­den Stand­ort für ein der­ar­ti­ges Heim und wur­de fün­dig auf ei­ner Wie­se zwi­schen Holt und Rhein­dah­len. Der Weg vor dem Heim war da­mals noch ei­ne holp­ri­ge Schot­ter­pis­te. Heu­te rei­sen dort bei je­dem Heim­spiel der Bo­rus­sia tau­sen­de Fans an. Die Ge­schich­te des Nord­parks hat­te be­gon­nen. Ei­ne ent­schei­den­de Wei­che stell­te man in den 20er Jah­ren. 1929 er­öff­ne­te der Ver­kehrs­lan­de­platz Glad­bach-Rhe­ydt in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft des Heims. An­fangs ho­ben dort nur pri­va­te Ma­schi­nen ab. Für kur­ze Zeit, näm­lich von 1930 bis 1932, gab es auch ei­ne Zu­brin­ger­li­nie nach Düsseldorf. Die Ver­qui­ckung der bei­den Flug­ha­fen­stand­or­te gab es al­so schon da­mals. Nur war sie da er­folg­rei­cher als heu­te.

In den drei­ßi­ger Jah­ren wur­de schließ­lich das Mi­li­tär auf den Flug­ha­fen auf­merk­sam. Zu­erst schul­te ei­ne Flug­zeug­füh­rer­schu­le dort die Pi­lo­ten der Luft­waf­fe. Als der Zwei­te Welt­krieg be­gann, star­te­ten auf dem Flug­ha­fen im heu­ti­gen Nord­park Auf­klä­rungs­ein­hei­ten und Trans­port­flug­zeu­ge. Au­ßer­dem dien­te der Flug­platz als Stand­ort, um die Ma­schi­nen von Jagd­ge­schwa­dern zu re­pa­rie­ren, zu be­tan­ken und neu zu for­mie­ren, um sie wie­der taug­lich für die Front zu ma­chen. Der Flug­platz war da­mit ein stra­te­gisch wich­ti­ger Stand­ort für die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten. Zu­mal die Gren­zen zu den west­li­chen Kriegs­geg­nern nicht weit ent­fernt la­gen. Den­noch wur­de der Flug­ha­fen nie von den Al­li­ier­ten bom­bar­diert. Der Rest der Stadt hin­ge­gen, vor al­lem die Zi­vil­be­völ­ke­rung, muss­te un­ter schwers­ten Bom­ben­an­grif­fen lei­den. Die Bri­ten hat­ten das Are­al be­reits ins Au­ge ge­fasst, um es nach Kriegs­en­de zu ei­ge­nen mi­li­tä­ri­schen Zwe­cken zu nut­zen. Sie be­an­spruch­ten das rund 160 Hekt­ar gro­ße Ge­län­de für sich und rich­te­ten dort die Ayrshire Bar­racks ein. Im Süd­park, al­so auf der an­de­ren Sei­te der Glad­ba­cher Stra­ße, sta­tio­nier­ten die US-Streit- kräf­te ih­re Ein­hei­ten. Ei­ne Luft­auf­nah­me vom 11. Mai 1945 zeigt ei­nen grau­en Strich auf dem Flug­platz. Die Al­li­ier­ten hat­ten auf dem Flug­ha­fen aus Stahl­mat­ten ei­ne Lan­de­bahn ge­baut.

Ei­ne Fol­ge der mi­li­tä­ri­schen Nut­zung nach dem Zwei­ten Welt­krieg hat sich bis heu­te im Stadt­bild er­hal­ten. Wer über die Aa­che­ner Stra­ße fährt, wird se­hen, dass der Hol­ter Kir­che St. Micha­el die Spit­ze ih­res Turms fehlt. Den ha­ben die Ame­ri­ka­ner im März 1945 ab­rei­ßen las­sen, da­mit ih­re Ma­schi­nen bes­ser star­ten und lan­den konn­ten. Die Ge­bäu­de der Für­sor­ge- und Er­zie­hungs­an­stalt nutz­ten die bri­ti­schen Streit­kräf­te für die Ver­wal­tung. Und blie­ben dort bis zum 28. Ju­ni 1996. Au­ßer­dem rich­te­ten die Al­li­ier­ten ein Schie­nen­netz ein. Über drei Bahn­hö­fe wur­de ei­ne Ver­bin­dung zum Bahn­hof in Rhein­dah­len her­ge­stellt.

Ge­nau er­forscht ist die Ge­schich­te des Nord­parks noch nicht. Vie­le Din­ge lie­gen im Ver­bor­ge­nen. So zum Bei­spiel, war­um es auf dem Hol­ter Eh­ren­fried­hof die Grä­ber von Haupt­mann Wolf Dietrich Wilcke und Ma­jor Klaus Queat-Fas­lem gibt. Bei­de stam­men nicht aus Mön­chen­glad­bach und sind auch nicht hier ge­stor­ben. Be­kannt ist da­für, wie es mit dem Nord­park wei­ter­ging. Als die Bri­ten den Stand­ort ver­lie­ßen und in den Süd­park zo­gen, wo sie noch heu­te die Ayrshire Bar­racks be­trei­ben, stand die Stadt vor ei­ner rie­si­gen Auf­ga­be. Sie kauf­te den Nord­park 1998 aus Bun­des­ei­gen­tum und kal­ku­lier­te mit ei­ner Sum­me von rund 539 Mil­lio­nen Eu­ro. In den his­to­ri­schen Ge­bäu­den der ehe­ma­li­gen Er­zie­hungs­an­stalt sind heu­te Un­ter­neh­men be­hei­ma­tet. In die ehe­ma­li­ge Ka­pel­le der Hei­li­gen Bar­ba­ra zog das Re­stau­rant Pa­lace St. Ge­or­ge ein.

Am pro­mi­nen­tes­ten war die Ent­ste­hung des Bo­rus­sia-Parks. Am 15. März 2002 be­gan­nen die Bau­ar­bei­ten für das neue Sta­di­on der Bo­rus­sia, das am 30. Ju­li 2004 er­öff­net wur­de. Das be­nach­bar­te Ho­ckey­sta­di­on, heu­te bes­ser be­kannt als Spar­kas­sen­park, wur­de 2005 fer­tig­ge­stellt. Plä­ne, die Tr­ab­renn­bahn in den Nord­park zu ver­le­gen, wur­den nicht ver­wirk­licht. Ne­ben Le­bens­mit­tel­ge­schäf­ten und dem Fi­nanz­amt sind im Nord­park in­zwi­schen vie­le wei­te­re gro­ße Un­ter­neh­men be­hei­ma­tet. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem die Santan­der Bank, ein Fac­to­ry Out­let Sto­re von Van Laack und bald auch der On­li­ne-Bad­händ­ler Reu­ter. Das Pas­par­tou, ein Bü­ro­kom­plex, der aus zwei Tür­men be­ste­hen und das Ein­gangs­tor zum Nord­park bil­den wird, soll im Früh­jahr 2018 fer­tig wer­den. Die Ge­schich­te des Nord­parks ist noch lan­ge nicht zu En­de.

ARCHIVFOTOS (4): STADTARCHIV MÖN­CHEN­GLAD­BACH

Wo heu­te die Fans von Bo­rus­sia zu den Heim­spie­len pil­gern, Mu­sik­be­geis­ter­te bei Kon­zer­ten von Welt­stars fei­ern und Un­ter­neh­men neue Stand­or­te er­öff­nen, war frü­her ein­mal der Flug­platz Glad­bach-Rhe­ydt. An­ge­fan­gen hat al­les mit den Starts von pri­va­ten Flug­zeu­gen. Spä­ter nutz­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten den Flug­platz mi­li­tä­risch, ehe Bri­ten und Ame­ri­ka­ner ih­re Ma­schi­nen dort sta­tio­nier­ten und die Ayrshire Bar­racks er­öff­ne­ten.

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