Film und Poe­try – mit Bak­la­va

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR/LOKALES - VON AN­GE­LA WILMS-ADRIANS

Der Glad­ba­cher Film­pro­du­zent Cag­das Yük­sel in­iti­ier­te die Rei­he „Oh­ne Gas­t­ar­bei­ter kein Bak­la­va“. Die­se star­te­te mit Bild­im­pres­sio­nen, In­ter­views und be­rüh­ren­den Tex­ten. The­ma war auch der von ihm ge­plan­te Film „Gleis 11“.

Bak­la­va ist süß, be­gehrt und nun auch Na­mens­ge­ber ei­ner neu­en Ver­an­stal­tungs­rei­he in den Räu­men von CO 21 an der Hin­den­burg­stra­ße 92. Hier ist der Sitz von Cag­das Yük­sels Pro­duk­ti­ons­fir­ma Cock­tail­films. Hier lau­fen die Vor­be­rei­tun­gen für den von ihm ge­plan­ten neu­en Film „Gleis 11“. Hier­hin lud Yük­sel mit sei­ner Pro­duk­ti­ons­fir­ma Cock­tail­films in Ko­ope­ra­ti­on mit „Kunst & Kül­tür“so­wie dem AStA der Hoch­schu­le Nie­der­rhein ein zu Film, Food & Poe­try. Es war der Im­puls zu ei­ner neu­en Rei­he, de­ren Ent­wick­lung noch of­fen ist.

Im Ti­tel „Oh­ne Gas­t­ar­bei­ter kein Bak­la­va“as­so­zi­iert die tür­ki­sche Süß­spei­se auch ein Stück Hei­mat, Er­in­ne­rung und Zu­ge­winn. Dies al­les präg­te den Abend und wird Teil

Cag­das Yük­sel des ge­plan­ten Films sein. Der soll im Früh­jahr 2018 vor­ge­stellt wer­den. Für die Fi­nan­zie­rung wer­den 12.500 Eu­ro be­nö­tigt. Um un­ab­hän­gig zu sein, ver­zich­tet der Pro­du­zent auf die Be­tei­li­gung von Fern­seh­sen­dern. Statt­des­sen soll ein Crowd­fun­ding hel­fen. Ge­spen­det wer­den kann über die Sei­te www.gleis-elf.de . Am Abend er­be­te­ne Spen­den sind eben­falls für das Pro­jekt be­stimmt. Wäh­rend­des­sen stand Bak­la­va ver­lo­ckend ne­ben an­de­ren Köst­lich­kei­ten be­reit.

Cag­das Yük­sel, be­kannt­ge­wor­den mit dem Film „Asy­land“, will mit dem neu­en Pro­jekt bis­her nicht er­zähl­te Ge­schich­ten der ers­ten Ge­ne­ra­ti­on tür­ki­scher Gas­t­ar­bei­ter, die in den 1960er Jah­ren nach Deutsch­land ka­men, auf­grei­fen. „Es ist die letz­te Chan­ce, dies al­les aus der Per­spek­ti­ve der Be­trof­fe­nen zu er­fah­ren“, sagt Yük­sel, Stu­dent der So­zi­al­wis­sen­schaf­ten und Jung­un­ter­neh­mer. Der 23-Jäh­ri­ge be­kennt: „Als Zu­wan­de­rer der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on mer­ke ich, dass ich ei­gent­lich gar nicht so viel über die ers­te Ge­ne­ra­ti­on weiß. Das war ei­ne Ge­ne­ra­ti­on, die viel ge­ar­bei­tet hat und dar­um vi­el­leicht nicht den Raum für das Er­zäh­len ge­fun­den hat.“

Un­ter­stützt wird der Nef­fe der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gü­lis­tan Yük­sel von de­ren Sohn Feh­min. Der 31-jäh­ri­ge Dok­to­rand im Fach Ver­hal­tens­wis­sen­schaft wirkt als Co- Au­tor und Co-Pro­du­zent mit. Über die bis­he­ri­gen Re­cher­chen sagt er: „Wir woll­ten et­was über un­se­ren Opa er­fah­ren und lern­ten ei­ne gan­ze Ge­ne­ra­ti­on ken­nen.“Feh­min Yük­sel trägt den Vor­na­men des Groß­va­ters, der bei ei­nem Ver­kehrs­un­fall ums Le­ben kam, als er ei­nem Ver­letz­ten hel­fen woll­te. Der Re­spekt der En­kel vor des­sen Ge­ne­ra­ti­on ist ge­wal­tig: „Wir kön­nen nur stau­nen, mit wel­chem Mut und mit wel­cher Of­fen­heit, vi­el­leicht auch Nai­vi­tät, sie in ein für sie kom­plett un­be­kann­tes Land ge­gan­gen sind, oh­ne die Spra­che zu ken­nen“, stellt der Co-Pro­du­zent fest.

Zwi­schen Film, Food und Poe­try gab Os­man Ya­zi­ci ein In­ter­view. Er war 1963 als ei­ner der ers­ten Gas­t­ar­bei­ter nach Deutsch­land und nun ger­ne ins CO 21 ge­kom­men – mit ei­nem Ak­ten­kof­fer vol­ler Schät­ze an

„Es ist die letz­te Chan­ce, die Ge­schich­te aus der Per­spek­ti­ve der Be­trof

fe­nen zu er­fah­ren“ „Wir woll­ten et­was über un­se­ren Opa er­fah­ren und lern­ten ei­ne gan­ze

Ge­ne­ra­ti­on ken­nen“

Feh­min Yük­sel Do­ku­men­ten und Zei­tungs­ar­ti­keln. Der frü­he­re Be­trei­ber des Rhe­ydter Re­stau­rants „Ana­do­lu“hat auch Pro­mi­nenz wie Nor­bert Blüm mit tür­ki­schen Spe­zia­li­tä­ten ver­wöhnt. Ein Ein­trag im Gäs­te­buch be­leg­te dies. „Er sei nicht ent­täuscht wor­den“, er­zähl­te Ya­zi­ci, der von lang­jäh­ri­gen Freund­schaf­ten be­rich­te­te. Im auf­ge­zeich­ne­ten In­ter­view sprach der tür­kisch­stäm­mi­ge Ka­ba­ret­tist Fa­tih Ce­vik­kol­lu lie­be­voll von den sprach­li­chen Hür­den, die sei­ner Mut­ter im an­fangs frem­den Land be­geg­ne­ten.

Be­trof­fen mach­te die von Cad­gas Yük­sel ver­le­se­ne Er­in­ne­rung ei­nes frü­hen Gas­t­ar­bei­ters, der über Ein­sam­keit klag­te.

FOTO: COCK­TAIL­FILMS

Tür­ki­sche Gas­t­ar­bei­ter in den 1960er Jah­ren: Der zwei­te von links ist der Groß­va­ter des Film­pro­du­zen­ten.

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