EuGH kippt Flug­gast­da­ten-Ab­kom­men

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - WIRTSCHAFT -

Die Ver­ein­ba­rung zwi­schen Ka­na­da und der EU grei­fe zu stark ins Pri­va­te ein.

LU­XEM­BURG (dpa) Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof hat das von der EU und Ka­na­da ge­plan­te Ab­kom­men zum Aus­tausch von Flug­gast­da­ten ge­stoppt. Die Lu­xem­bur­ger Rich­ter ent­schie­den, dass meh­re­re der vor­ge­se­he­nen Be­stim­mun­gen nicht mit den von der EU an­er­kann­ten Grund­rech­ten ver­ein­bar sind.

Das ge­plan­te Ab­kom­men grei­fe in das Grund­recht auf Ach­tung des Pri­vat­le­bens ein und stel­le fer­ner ei­nen Ein­griff in das Grund­recht auf Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten dar, heißt es in ih­rem Gut­ach­ten. Zur Be­kämp­fung ter­ro­ris­ti­scher Straf­ta­ten und grenz­über­grei­fen­der schwe­rer Kriminalität sei­en zwar Ein­grif­fe mög­lich. Im vor­lie­gen­den Fall be­schränk­ten sich die­se aber nicht auf das ab­so­lut not­wen­di­ge Maß. Zu­dem sei­en Be­stim­mun­gen zum Um­gang mit Da­ten nicht prä­zi­se ge­nug.

Kon­kret nen­nen die Rich­ter die ge­plan­te Er­mäch­ti­gung Ka­na­das, eu­ro­päi­sche Flug­gast­da­ten auch oh­ne kon­kre­ten An­lass für fünf Jah­re zu spei­chern so­wie die vor­ge­se­he­ne Über­mitt­lung von In­for­ma­tio­nen, aus de­nen sich „die ras­si­sche oder eth­ni­sche Her­kunft, po­li­ti­sche Mei­nun­gen, re­li­giö­se oder phi­lo­so­phi­sche Über­zeu­gun­gen oder die Ge­werk­schafts­zu­ge­hö­rig­keit“ab­lei­ten las­sen. Zu den Flug­gast­da­ten kön­nen ne­ben Kon­takt-, Rei­se- und Zah­lungs­in­for­ma­tio­nen auch Da­ten zu Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten oder dem Ge­sund­heits­zu­stand zäh­len.

Für Da­ten­schüt­zer ist die Ent­schei­dung ein Grund zum Ju­beln. Sie sind seit lan­gem der Auf­fas­sung, dass die EU bei der Spei­che­rung, Nut­zung und Ver­ar­bei­tung sen­si­bler Da­ten zu weit geht. Die EU-Staa­ten und Ka­na­da wer­den das Ab­kom­men nun über­ar­bei­ten müs­sen. Denk­bar ist auch, dass be­reits be­ste­hen­de Ab­kom­men mit den USA und Aus­tra- li­en so­wie die neue EU-Richt­li­nie zur Flug­gast­da­ten­spei­che­rung noch ein­mal auf den Prüf­stand müs­sen.

Die Prü­fung, ob das EU-Ka­na­daAb­kom­men mit Uni­ons­recht ver­ein­bar ist, hat­te das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment in Auf­trag ge­ge­ben. Es war von den Mit­glied­staa­ten zu­vor ge­be­ten wor­den, ihm zu­zu­stim­men.

Mit Blick auf die nun not­wen­di­ge Über­ar­bei­tung des Ab­kom­mens for­dern die Rich­ter ei­ne prä­zi­se­re De­fi­ni­ti­on der zu über­mit­teln­den Da­ten. Zu­dem sol­len Rei­sen­de ein In­for­ma­ti­ons­recht ha­ben, wenn ih­re Da­ten ver­wen­det oder wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Für Prüf­ver­fah­ren sol­len dar­über hin­aus aus­schließ­lich Da­ten­ban­ken ver­wen­det wer­den dür­fen, die im Zu­sam­men­hang mit der Be­kämp­fung des Ter­ro­ris­mus und grenz­über­grei­fen­der schwe­rer Kriminalität be­trie­ben wer­den. Über die Ein­hal­tung der Re­geln wird nach dem EuGH-Ur­teil ei­ne un­ab­hän­gi­ge Kon­troll­stel­le wa­chen müs­sen. Die Bun­des­re­gie­rung ließ of­fen, ob das Ur­teil Aus­wir­kun­gen auf an­de­re der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­run­gen hat.

Zu den Flug­gast­da­ten kön­nen auch An­ga­ben zu Er­näh­rungs­vor­lie­ben

oder der Ge­sund­heit zäh­len.

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