Korb­le­ger mit Kul­tur­aus­tausch

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON LI­SA KREUZMANN

Die Stadt hat im drit­ten Jahr ein Bas­ket­ball­tur­nier für Ju­gend­li­che or­ga­ni­siert. Wer spie­le­risch zu­sam­men­trifft, be­geg­net sich auch auf der Stra­ße mit mehr Re­spekt, sa­gen die Or­ga­ni­sa­to­ren. Ei­ne Fort­set­zung ist ge­plant.

Sa­diq Ajag­be ist der Größ­te auf dem Platz. Das mag bei ei­nem Tur­nier für Ju­gend­li­che kei­ne Be­son­der­heit sein. Aber der 17-Jäh­ri­ge misst fast zwei Me­ter, fällt auf der Mül­for­ter Be­zirks­sport­an­la­ge aber nicht nur des­halb auf. Sein Na­me kommt aus Ni­ge­ria – und aus Afri­ka stam­men auch sei­ne El­tern. Sa­diq Ajag­be selbst ist in Mön­chen­glad­bach ge­bo­ren.

Der Fach­be­reich Schu­le und Sport hat ge­mein­sam mit dem Stadt­sport­bund Mön­chen­glad­bach und der Ar­beits­stel­le für in­ter­kul­tu­rel­le Bil­dung und In­te­gra­ti­on ein Street­bas­ket­ball-Tur­nier ver­an­stal­tet. Der Groß­teil der teil­neh­men­den Ju­gend­li­chen zwi­schen zwölf und 18 Jah­ren hat ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund. Das ist kein Zu­fall: Das Match soll nicht nur ein nied­rig­schwel­li­ges Frei­zeit­an­ge­bot für die Da­heim­ge­blie­be­nen in den Fe­ri­en schaf­fen, son­dern auch die In­te­gra­ti­on und den Aus­tausch zwi­schen den Glad­ba­cher Kul­tu­ren för­dern.

Wie ge­nau, er­klärt Street­wor­ker Ha­yat Mia: „Wenn die Ju­gend­li­chen sich vom Sport ken­nen, be­geg­nen sie sich auch auf der Stra­ße mit mehr Re­spekt.“Das ge­he dann so: Hey, na, wie geht es dir? Was machst du so? Wir ken­nen uns doch vom Bas­ket­ball. „Und von mehr Har­mo­nie auf un­se­ren Stra­ßen pro­fi­tie­ren wir schließ­lich al­le“, sagt Mia. Ei­ne sol­che Ver­an­stal­tung sei wich­tig, weil es für die Ju­gend­li­chen nicht aus­rei­chend Mög­lich­kei­ten ge­be, sich zu tref­fen, ge­mein­sam ak­tiv zu sein und sich auch mensch­lich nä­her zu kom­men.

Et­wa 70 Ju­gend­li­che ha­ben an drei Ta­gen an drei ver­schie­de­nen Or­ten an den Tur­nie­ren teil­ge­nom­men. In der Brü­cken­stra­ße 64 in Mül­fort wa­ren es knapp 20. So­zi­al­päd­ago­ge Micha­el Holz­portz von der Ar­beits­stel­le für in­ter­kul­tu­rel­le Bil­dung und In­te­gra­ti­on lobt die Dis­zi­plin der Ju­gend­li­chen: „Die Kids sind wirk­lich vor­bild­lich. Das ist sehr an­ge­nehm, da gibt es null Stress. Fair­play steht hier wirk­lich an ers­ter Stel­le.“Ei­nen Schieds­rich­ter ha­be es da nicht ge­braucht.

Zur Ver­stär­kung stan­den Scho­ko­la­den­rie­gel, Obst und Ge­trän­ke be­reit. Aus ei­ner Mu­sik­an­la­ge dröhn­te Hip-Hop-Mu­sik – zu der lässt es sich schließ­lich noch läs­si­ger mit dem Ball vor­bei am Geg­ner drib­beln. Da­bei hät­te manch ei­ner lie­ber Fuß­ball ge­spielt. „Das kann ich bes­ser“, sagt ein Jun­ge. Sa­diq Ajag­be ist der ein­zi­ge Teil­neh­mer, der sich im Bas­ket­ball wirk­lich zu Hau­se fühlt.

Als Kind hat er bei den Oden­kir­che­ner Rai­ders ge­spielt. Ein Freund ha­be ihn über­re­det, zum Trai­ning zu ge­hen. „Ich dach­te da­mals, das könn­te Spaß ma­chen“, sagt der Mön­chen­glad­ba­cher. Hat es dann auch. Noch viel mehr, weil Sa­diq Ajag­be Er­folg hat­te. Schnell wech­sel­te er nach Düs­sel­dorf zum Team der ART Gi­ants. Und seit Kur­zem wirft er für die Le­ver­ku­se­ner Gi­ants Kör­be. Sein Traum? Pro­fi wer­den na­tür­lich, USA, NBA. Bis es so­weit ist, trai­niert er ganz oh­ne Star­al­lü­ren bei der städ­ti­schen Street­bas­ket­ball-Tour mit. Aber ein har­ter Geg­ner sei er schon, sa­gen die Kids.

Ei­ne, die der zwei Me­ter gro­ße Bas­ket­bal­ler nicht ein­schüch­tern kann, ist die die zehn­jäh­ri­ge Ami­na, das ein­zi­ge Mäd­chen an die­sem Tag. Halb ver­schämt, halb her­aus­for­dernd zieht sie an ih­rem T-Shirt und dreht den Ober­kör­per von ei­ner Sei­te zur an­de­ren. Ob sie denn ge­gen die gan­zen Jungs ei­ne Chan­ce ha­be? „Mhhh“, sagt sie, „ich weiß nicht.“Aber dar­um geht es ihr auch gar nicht. „Es macht mir Spaß.“

„Na­tür­lich wol­len wir Mäd­chen und Jun­gen an­spre­chen“, sagt So­zi­al­päd­ago­ge Micha­el Holz­portz. „Wir freu­en uns, wenn mehr Mäd­chen kom­men.“Das Un­gleich­ge­wicht kön­ne an der Sport­art lie­gen. „Wir woll­ten die­se Sport­art in den Fo­kus rü­cken und den Ver­ei­nen bes­ten­falls et­was Auf­wind ge­ben“, sagt Fa­bi­an Jan­sen vom Fach­be­reich Schu­le und Sport.

Für al­le Teil­neh­mer gab es am En­de des Ta­ges ein klei­nes Ge­schenk. Kopf­hö­rer, Ki­no­gut­schei­ne, mo­bi­le Han­dy­la­de­sta­tio­nen. In zwei Wo­chen soll es ei­ne Fuß­ball­tour ge­ben.

FO­TO: STADT MÖN­CHEN­GLAD­BACH, FA­BI­AN JAN­SEN

Ein­schüch­tern las­sen ha­ben sich die an­de­ren Teil­neh­mer bei Street­bas­ket­ball-Tur­nier von Pro­fi­spie­ler Sa­diq Ajag­be (17) nicht, der hier ge­ra­de ge­fähr­lich na­he an den Korb her­an­springt.

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