Chef­ärz­tin mit Cel­lo und Wan­der­schu­hen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - GESUNDHEIT/LOKALES - VON RUTH WIEDNER-RUNO

Strahlen-Ex­per­tin Ur­su­la Nest­le ist von der Uni­ver­si­täts­kli­nik Frei­burg an die Kli­ni­ken Ma­ria Hilf ge­wech­selt. Sie prak­ti­ziert in Mön­chen­glad­bach und forscht in Frei­burg. In­zwi­schen ist sie in ih­rer neu­en Hei­mat an­ge­kom­men – dienst­lich wie pri­vat.

Ein Blu­men­strauß, ei­ne In­fo-Map­pe und ei­ne Fla­sche Sekt im Kühl­schrank – so wur­de die bis­he­ri­ge Frei­bur­ger Pro­fes­so­rin Ur­su­la Nest­le am 2. Ja­nu­ar in ih­rem neu­en Arzt­zim­mer be­grüßt. Die­se freund­li­che Ges­te ih­res Vor­gän­gers mach­te der 54-Jäh­ri­gen den Start in Mön­chen­glad­bach mensch­lich und an­ge­nehm. Zu­dem hat­te ihr Hans Hoff­manns – er war 22 Jah­re lang Chef­arzt am Ma­ria Hilf, be­vor er in den Ru­he­stand ver­ab­schie­det wur­de – ei­ne Kli­nik in „per­fek­tem Zu­stand“hin­ter­las­sen. Und so stellt Ur­su­la Nest­le nach sechs Mo­na­ten ganz ent­spannt fest: „Ich bin in Mön­chen­glad­bach an­ge­kom­men – pri­vat wie be­ruf­lich.“

Da­bei hat­te Nest­le, die in Fach­krei­sen als an­er­kann­te Ex­per­tin und re­nom­mier­te For­sche­rin in der Strah­len­the­ra­pie und Nu­kle­ar­me­di­zin gilt, zwei wei­te­re An­ge­bo­te nam­haf­ter Uni­ver­si­täts­kli­ni­ken auf dem Tisch. Sie hat sich aber be­wusst ge­gen die Aus­lands­an­ge­bo­te und für Mön­chen­glad­bach und da­mit für die Lei­tung der Kli­nik für Strah­len­the­ra­pie und Ra­di­oon­ko­lo­gie am Ma­ria Hilf ent­schie­den.

„Ich ha­be hier die Mög­lich­keit ge­bo­ten be­kom­men, wei­ter­hin in der For­schung tä­tig zu sein. Die For­schung mit der Chef­arzt-Tä­tig­keit zu ver­bin­den war für mich auch ein aus­schlag­ge­ben­der Fak­tor für die Ent­schei­dung, ans Ma­ria Hilf zu wech­seln“, sagt die Me­di­zi­ne­rin. Ih­re An­we­sen­heit in Frei­burg ist da­für nur sel­ten er­for­der­lich. Und so be­treut Ur­su­la Nest­le ih­re lau­fen­den For­schungs­pro­jek­te und die Stu­den­ten­grup­pen aus­schließ­lich via In­ter­net von Mön­chen­glad­bach aus.

Ur­su­la Nest­le ist ge­ne­rell ru­hi­ger ge­wor­den. Ih­re neue Auf­ga­be als Chef­ärz­tin hat für sie Prio­ri­tät. Und so war es für sie auch nur ei­ne lo­gi­sche Kon­se­quenz, ein zehn­tä­gi­ges Aus­bil­dungs­an­ge­bot für die­sen Herbst in Chi­na eben­so ab­zu­sa­gen, wie ei­ne Vor­trags­an­fra­ge beim Wel­tLun­gen- krebs-Kon­gress in Ja­pan. Die Zeit da­für, stän­dig von Kon­gress zu Kon­gress zu flie­gen, ist Ver­gan­gen­heit. „Das will ich nicht mehr“, sagt sie. Und bei dem Ge­dan­ken an die vie­len Ho­tel­zim­mer fügt sie spon­tan hin­zu: „Ich bin auch ein­mal froh zu wis­sen, in wel­chem Bett ich mor­gens auf­wa­che.“

Ihr neu­es Zu­hau­se hat die na­tur­ver­bun­de­ne Pfäl­ze­rin mit der Vor­lie­be für Ta­ges­wan­de­run­gen in den Nord­park ge­legt. „Er liegt ver­kehrs­tech­nisch güns­tig, und schön ist es dort auch.“Ob sie als Nach­ba­rin ei­nes Ex-Bun­des­li­ga-Bo­rus­sen auch au­to­ma­tisch ei­ne Fuß­ball-Af­fi­ni­tät hat, lässt sie of­fen: „Ich ha­be lan­ge in ei­ner Stadt mit ei­nem Bun­des­li­gis­ten ge­lebt“, spricht die 54-Jäh­ri­ge ih­re Zeit in Frei­burg an. Zu ei­nem Bun­des­li­ga­spiel ins be­nach­bar­te Sta­di­on hat sie es noch nicht ge­schafft. „Das ho­le ich in der neu­en Sai­son nach“, ver­spricht sie im Ge­spräch beim Be­such in der RP-Re- dak­ti­on. Zu­nächst kon­zen­triert sich die mit meh­re­ren Prei­sen aus­ge­zeich­ne­te Pro­fes­so­rin auf ih­ren be­ruf­li­chen Ein­satz. Ihr Spe­zi­al­ge­biet ist die bild­ge­führ­te Hoch­prä­zi­si­ons­be­strah­lung, ihr Ste­cken­pferd der Kampf ge­gen Lun­gen­krebs. Ihr An­lie­gen, die Hei­lung von Krebs mit op­ti­ma­ler Scho­nung des ge­sun­den Ge­we­bes mög­lich zu ma­chen: „Häu­fig kann die Strah­len­the­ra­pie auch hel­fen, bei fort­schrei­ten­der Er­kran­kung die op­ti­ma­le Le­bens­qua­li­tät zu er­zie­len.“

Mit die­sem Ein­satz­feld schaff­te sie es zum Mo­nats­an­fang auf­grund ih­rer gro­ßen Fach­kom­pe­tenz be­reits zum drit­ten Mal in die Fo­cusÄrz­te­lis­te. „Ob­wohl es sich bei die­ser Bes­ten-Lis­te um kei­ne rein wis­sen­schaft­li­che Aus­zeich­nung han­delt, ist es doch ei­ne schö­ne An­er­ken­nung für die ei­ge­ne Ar­beit“, stellt die Pro­fes­so­rin be­schei­den fest. Mit Ull­rich Grae­ven, Her­bert Sper­ling und Andre­as Mey­er wer­den zu ih­rer Freu­de zeit­gleich drei wei­te­re Be­rufs­kol­le­gen vom Ma­ria Hilf in der Fo­cus-Bes­ten­lis­te ge­führt. „Das zeigt, dass hier rich­tig gu­te Me­di­zin ge­macht wird. Ich freue mich, in ei­nem Haus mit so ho­hem Stan­dard an­ge­kom­men zu sein.“Um hier auch dau­er­haft vor­ne mit­mi­schen zu kön­nen, stellt Ur­su­la Nest­le lang­fris­tig ei­ne tech­ni­sche Auf­rüs­tung der Strah­len­kli­nik am Stand­ort Vier­sener Stra­ße in Aus­sicht.

Wenn sie mal kei­ne Kran­ken­ak­ten wälzt, kei­ne Rönt­gen­bil­der aus­wer­tet und kei­ne Dia­gno­sen be­spricht, kann sie bei Mu­sik ab­schal­ten und eben­so mit Mu­sik aus­span­nen: Ihr Cel­lo hat den Um­zug von Frei­burg nach Mön­chen­glad­bach gut über­stan­den. Al­ler­dings gibt sie of­fen zu: „Das Cel­lo steht hier, ist aber noch ver­packt.“Doch auch das wird sich än­dern, schließ­lich ist sie der Mu­sik mehr als zu­ge­tan: „Das liegt bei uns in der Fa­mi­lie. Mei­ne Schwes­ter An­ne­lie spielt Brat­sche im Düs­sel­dor­fer Opern-Orches­ter.“

FO­TOS: DET­LEF ILGNER, MA­RIA HILF

Die Strahlen-Ex­per­tin forscht in Frei­burg und prak­ti­ziert in Mön­chen­glad­bach: Ur­su­la Nest­le.

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