ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Die Kra­wal­le bei po­li­ti­schen Groß­er­eig­nis­sen sind nicht nur Zei­chen der Ver­ro­hung, son­dern auch ein Sym­ptom für ei­ne grund­le­gen­de Sinn­kri­se. Pro­ble­me wer­den glo­ba­ler, In­stan­zen, die dar­auf re­agie­ren könn­ten, feh­len.

um den Kli­ma­schutz, wie zäh Pro­zes­se sind, bei de­nen ein glo­ba­les Ziel mit den In­ter­es­sen der al­ten Na­tio­nal­staa­ten in Aus­gleich ge­bracht wer­den muss. Auch Eu­ro­pa ist ein Bei­spiel da­für, wie schwer sich Staa­ten mit Ko­ope­ra­ti­on tun, wenn sie da­für Sou­ve­rä­ni­tät ab­ge­ben müs­sen. Gleich­zei­tig zeigt Eu­ro­pa aber, dass aus po­li­ti­scher Pra­xis neue Struk­tu­ren ent­ste­hen – aus der nüch­ter­nen Not­wen­dig­keit, in grö­ße­rem Maß­stab zu han­deln.

Na­tür­lich lau­fen sol­che Ent­wick­lun­gen in po­li­ti­schen Sphä­ren, die dem Bür­ger weit ent­fernt er­schei­nen. So wie al­le glo­ba­len Ve­rän­de­run­gen. Al­ler­dings ist das Be­wusst­sein da­für ge­wach­sen, dass die Kon­se­quen­zen am En­de je­den be­tref­fen. Auch das ist ja ei­ne Leh­re aus den Flücht­lings­be­we­gun­gen der jüngs­ten Zeit. Die In­ter­es­sens­kon­flik­te hin­ter ei­nem Krieg wie dem in Sy­ri­en mö­gen un­durch­schau­bar er­schei­nen, die Op­fer des Krie­ges bit­ten in Er­kelenz oder Em­me­rich um Asyl.

Das löst viel En­ga­ge­ment im Mi­kro­be­zirk von Bür­ger­initia­ti­ven aus. Und na­tür­lich ist auch das po­li­tisch. Ist doch je­de Ak­ti­on Be­leg da­für, dass ge­sell­schaft­li­cher Wan­del in der Nach­bar­schaft be­ginnt. Doch bleibt bei vie­len das un­gu­te Ge­fühl, dass sich auch im glo­ba­len Maß­stab et­was än­dern müss­te. Und dass die Vi­sio­nen da­für ge­nau­so feh­len wie die Struk­tu­ren, in de­nen der Wan­del de­mo­kra­tisch le­gi­ti­miert ge­stal­tet wer­den könn­te.

Dann ist es eben ver­füh­re­risch, sich dem Fa­ta­lis­mus hin­zu­ge­ben, in­di­vi­du­el­le In­ter­es­sen zu ver­fol­gen, für sich und sei­ne Lie­ben zu sor­gen und sich an­sons­ten ab­zu­fin­den. Auch mit Zu­stän­den, die un­trag­bar sind: Er­trun­ke­ne im Mit­tel­meer, De­mo­kra­tie­ab­bau in Po­len, ört­li­che Phä­no­me­ne des Kli­ma­wan­dels. Man pumpt den Kel­ler leer und hofft, dass es ei­nen so bald nicht wie­der trifft.

Ge­walt­ex­zes­se als Zei­chen in­halt­li­cher Ent­lee­rung von Pro­test auf der ei­nen Sei­te, stil­le An­pas­sung kom­bi­niert mit in­di­vi­du­el­lem Vor­teils­den­ken auf der an­de­ren sind Phä­no­me­ne ei­ner dif­fu­sen Ge­gen­wart. Viel­leicht wird sie ein­mal als Vor­läu­fer ei­ner neu­en Epo­che be­schrie­ben.

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