Po­li­zei und Po­li­tik: „Wir dul­den kei­ne Bür­ger­wehr“

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - MEDIEN - VON GA­BI PE­TERS UND CLE­MENS BOISSERÉE

Germanys Muslims wol­len ih­re „Brü­der und Schwes­tern vor Is­lam­hass schüt­zen“. Po­li­ti­ker se­hen eher ei­nen Ein­schüch­te­rungs­ver­such.

Auch wenn es bei der Po­li­zei kei­ne Hin­wei­se dar­auf gibt, dass von der neu­en Grup­pe „Germanys Muslims“ei­ne Ge­fahr aus­geht, sorgt das Auf­tre­ten der Mit­glie­der für Kri­tik. „Ei­ne sol­che Bür­ger­wehr ist ein An­zei­chen für ei­ne Par­al­lel­jus­tiz, die wir strikt ab­leh­nen und be­kämp­fen müs­sen“, sagt CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Jo­chen Klen­ner. Es sei of­fen­sicht­lich, dass es hier we­ni­ger um den Schutz von Mus­li­men ge­he, son­dern um Ein­schüch­te­rung und Dro­hun­gen. Mit der „Scha­ria-Po­li­zei“ha­be man das schon ein­mal er­lebt. Die Mön­chen­glad­ba­cher Po­li­zei ha­be dem Grün­der von Ger­ma- nys Muslims be­reits vor drei Wo­chen in ei­nem Ge­spräch er­klärt, dass man ei­ne Bür­ger­wehr in der Stadt nicht dul­den wer­de, sagt Po­li­zei­spre­che­rin Isa­bel­la Han­nen. Wie ein Ver­tre­ter der neu­en mus­li­mi­schen Grup­pe un­se­rer Re­dak­ti­on ges­tern am Te­le­fon be­rich­te­te, sei man von sich aus bei den Mön­chen­glad­ba­cher Staats­schüt­zern vor­stel­lig ge­wor­den. Die Grup­pe ste­he nicht un­ter Be­ob­ach­tung des Ver­fas­sungs­schut­zes. Po­li­zei­spre­che­rin Isa­bel­la Han­nen da­zu: „Wir ha­ben ein­zel­ne Mit­glie­der im Blick.“Für Bern­hard St­ein, in­te­gra­ti­ons­po­li­ti­scher Spre­cher der CDU-Rats­frak­ti­on, ist der Wi­der­spruch zwi­schen dem ver­meint­li­chen Be­kennt­nis der neu­en Grup­pe zu ei- nem fried­li­chen Zu­sam­men­le­ben und der Ori­en­tie­rung an den Ro­cker-Dress­codes auf­fäl­lig. „Da­her ist es rich­tig, dass Ver­fas­sungs­schutz und Po­li­zei die neue Grup­pe in den Fo­kus rü­cken“, sagt er.

CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter und par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär des In­nen­mi­nis­te­ri­ums, Gün­ter Krings: „Wenn sich in Mön­chen­glad­bach ei­ne so­ge­nann­te mus­li­mi­sche Bür­ger­wehr grün­det, in der auch min­des­tens ein ex­tre­mis­ti­scher Ge­fähr­der ak­tiv sein soll, ist das ein Alarm­si­gnal.“

„Bür­ger­wehr oder Scha­ria-Po­li­zei – so et­was ge­hört nicht zu uns“, sagt auch SPD-Frak­ti­ons­chef Fe­lix Hein­richs. Und: „Selbst­er­nann­te Schüt­zer to­le­rie­ren wir nicht.“

Für Stuttgart und Müns­ter exis­tie­ren eben­falls Face­book-Sei­ten, die Ad­mi­nis­tra­to­ren sind der Po­li­zei be­kannt. Ge­grün­det wur­den die Pro­fi­le laut Po­li­zei aber al­le­samt in Mön­chen­glad­bach und an­schlie­ßend an Per­so­nen in den bei­den Städ­ten wei­ter­ge­ge­ben.

Die Or­ga­ni­sa­ti­on will „un­se­re Brü­der und Schwes­tern vor dem im­mer grö­ßer wach­sen­dem Is­lam­hass schüt­zen“, so steht es auf al­len Face­book-Sei­ten der „Germanys Muslims“. „Bis­lang ist die Grup­pe öf­fent­lich nicht in Er­schei­nung ge­tre­ten“, er­klärt ei­ne Spre­che­rin der Müns­te­ra­ner Po­li­zei. Bei ei­ner Über­prü­fung stellt sich je­doch her­aus, dass der Sei­ten-Ad­mi­nis­tra­tor der Po­li­zei durch­aus be­kannt ist – „al­ler­dings gibt es kei­ne Über­schnei­dun­gen zur ra­di­ka­len Is­la­mis­ten­sze­ne“, sagt die Spre­che­rin.

In Stuttgart prüf­te man die Grup­pie­rung und die da­zu­ge­hö­ri­ge Face­book-Sei­te ges­tern eben­falls. Man­fred Sch­mitt vom Stutt­gar­ter Staats­schutz teil­te an­schlie­ßend mit: „Der Ad­mi­nis­tra­tor ist uns in der Ver­gan­gen­heit im Um­feld sala­fis­ti­scher Mo­sche­en auf­ge­fal­len, al­ler­dings ist er bis­lang nicht straf­fäl­lig ge­wor­den.“Im Nach­gang zur Be­richt­er­stat­tung un­se­rer Re­dak­ti­on über die „Germanys Muslims“wol­le man sich nun mit den Kol­le­gen der Mön­chen­glad­ba­cher Po­li­zei in Ver­bin­dung set­zen. „Wer wer­den ein Au­gen­merk auf die Ak­ti­vi­tä­ten der Grup­pe hal­ten“, sagt Sch­mitt.

FO­TOS: ILGNER, GRUHN

Noch fah­ren Bus­se der NEW mit Wer­bung (Fo­to oben) durch die In­nen­stadt. Bald sol­len aber al­le so aus­se­hen wie auf dem Fo­to un­ten.

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