Wie Wei­ter­bil­dung ge­för­dert wird

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - REISE&WELT - VON BRI­GIT­TE BONDER

Wei­ter­bil­dun­gen hel­fen da­bei, die be­ruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on auf dem neu­es­ten Stand zu hal­ten, den ei­ge­nen Ar­beits­platz zu si­chern und die Auf­stiegs­chan­cen zu ver­bes­sern.

Über Ta­ge, Wo­chen oder Jah­re fin­den Abend­un­ter­richt und Wo­che­n­end­se­mi­na­re statt, am En­de war­tet ei­ne lern­in­ten­si­ve Prü­fung: Be­ruf­li­che Wei­ter­bil­dung ist oft­mals mit gro­ßem Auf­wand und Kos­ten ver­bun­den. „Es gibt die un­ter­schied­lichs­ten For­ma­te“, weiß Mecht­hild Teu­pen, Ge­schäfts­füh­re­rin Wei­ter­bil­dung der IHK Düs­sel­dorf. „In Se­mi­na­ren er­wer­ben Teil­neh­mer grund­le­gen­des Ba­sis­wis­sen oder fri­schen vor­han­de­ne Kennt­nis­se auf. Zer­ti­fi­kats­lehr­gän­ge hin­ge­gen ver­mit­teln Wis­sen in ei­nem grö­ße­ren Um­fang, so­wohl tags­über als auch abends, in Voll­zeit oder be­rufs­be­g­lei- tend.“Die Lehr­gän­ge der Auf­stiegs­fort­bil­dung be­rei­ten Teil­neh­mer auf bun­des­ein­heit­li­che Prü­fun­gen vor. Auch Fern­un­ter­richt oder Blen­ded Le­arning – An­ge­bo­te, bei de­nen Prä­senz- und Selbst­lern­pha­sen kom­bi­niert wer­den, ver­mit­teln neue Kennt­nis­se und Fä­hig­kei­ten.

Gera­de bei län­ger­fris­ti­gen Wei­ter­bil­dun­gen muss der Ar­beit­ge­ber mit­spie­len und dem Mit­ar­bei­ter ei­ne zeit­wei­se Frei­stel­lung er­mög­li­chen. Nicht sel­ten un­ter­stüt­zen Un­ter­neh­men die Wei­ter­bil­dung fi­nan­zi­ell, si­chern sich aber häu­fig mit Ver­trä­gen und Rück­zah­lungs­klau­seln ab. Ver­lässt der Ar­beit­neh­mer wäh­rend oder kurz nach der Fort­bil­dung die Fir­ma, muss er die Kos­ten er­stat­ten.

Wer die Fi­nan­zie­rung der Wei­ter­bil­dung selbst über­nimmt, kann auf un­ter­schied­li­che För­der­an­ge­bo­te zu­rück- (bü) Kün­di­gung In so­ge­nann­ten Klein­be­trie­ben ist das Kün­di­gungs­schutz­recht au­ßer Kraft ge­setzt. Der Ar­beit­ge­ber kann sei­nen Mit­ar­bei­tern kün­di­gen, oh­ne ei­ne Be­grün­dung da­für lie­fern zu müs­sen. Nicht er­laubt ist es ih­nen aber, Ent­las­sun­gen we­gen ei­ner „un­zu­läs­si­gen Maß­re­ge­lung“aus­zu­spre­chen, et­wa weil sie zu­vor ar­beits­recht­li­che Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft ha­ben. Um ei­nen sol­chen Fall ging es vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Rhein­land-Pfalz. Ein Ku­rier­fah­rer hat­te wäh­rend sei­ner Pro­be­zeit als al­lein­er­zie­hen­der Va­ter sei­nen elf­jäh­ri­gen Sohn wäh­rend ei­nes län­ge­ren Kran­ken­haus­auf­ent­hal­tes zu be­treu­en. Dar­auf wur­de ihm ge­kün­digt. Da er dies als „an­lass­be­zo­gen“und da­mit un­zu­läs­sig an­sah, klag­te er da­ge­gen, ver­lor aber den Pro­zess. Der Ar­beit­ge­ber konn­te nach­wei­sen, dass er, un­ab­hän­gig von der Fehl­zeit we­gen der Be­treu­ung des Soh­nes, ge­kün­digt hat, weil er „auf die Ar­beits­leis­tung des Ku­ri­ers nicht mehr an­ge­wie­sen“war. (LAG Rhein­lan­dP­falz, 8 Sa 152/16) Ar­beits­zim­mer Ein steu­er­lich be­rück­sich­ti­gungs­fä­hi­ges Ar­beits­zim­mer für Ar­beit­neh­mer oder Selbst­stän­di­ge un­ter­schei­det sich von ei­ner nicht be­rück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ar­beits­ecke durch ei­ne fes­te bau- grei­fen, die mit ver­schie­de­nen Wei­ter­bil­dungs­for­ma­ten kor­re­spon­die­ren. Die meist­ge­nutz­te För­de­rung ist das so­ge­nann­te Auf­stiegs-BAfög, das im letz­ten Jahr das Meis­terBA­föG ab­lös­te. „Ziel­grup­pe sind al­le, die sich mit ei­nem Lehr­gang oder an ei­ner Fach­schu­le auf ei­ne an­spruchs­vol­le be­ruf­li­che Fort­bil­dungs­prü­fung in Voll- oder Teil­zeit vor­be­rei­ten“, er­klärt Mecht­hild Teu­pen. In der Re­gel setzt die Auf­stiegs­wei­ter­bil­dung ei­ne ab­ge­schlos­se­ne Aus­bil­dung und Be­rufs­er­fah­rung vor­aus. Der an­ge­streb­te Ab­schluss muss zu­dem über dem Ni­veau ei­ner Fach­ar­bei­ter-, Ge­sel­len- li­che Ab­gren­zung ge­gen­über den privat ge­nutz­ten Tei­len der Woh­nung. Der in dem ver­han­del­ten Fall ge­gen­über dem Fi­nanz­amt gel­tend ge­mach­te Raum grenz­te al­ler­dings mit ei­ner Sei­te an den Trep­pen­auf­gang im Haus – und hat­te dem­nach kei­ne „fes­te bau­li­che Ab­gren­zung“ge­gen­über den privat ge­nutz­ten Tei­len des Hau­ses. Dar­um wur­de er nicht als „häus­li­ches Ar­beits­zim­mer“an­er­kannt. (BFH, X R 18/12) Krank­heit Droht ein Ar­beit­neh­mer sei­nem Vor­ge­setz­ten im Rah­men ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung an, „sich ar­beits­un­fä­hig krank zu mel­den“, so hat die­ser den Grund­stein für sei­ne Kün­di­gung ge­legt. Da­zu das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin: „Die Pflicht­wid­rig­keit der An­kün­di­gung ei­ner Krank­schrei­bung bei ob­jek­tiv nicht be­ste­hen­der Er­kran­kung im Zeit­punkt der An­kün­di­gung liegt in ers­ter Li­nie da­rin, dass der Ar­beit­neh­mer mit ei­ner sol­chen Er­klä­rung zum Aus­druck bringt, er sei not­falls be­reit, sei­ne Rech­te aus dem Ent­gelt­fort­zah­lungs­recht zu miss­brau­chen, um sich ei­nen un­be­rech­tig­ten Vor­teil zu ver­schaf­fen“. In die­sem Fall kom­me es dann auch nicht mehr dar­auf an, ob der Ar­beit­neh­mer spä­ter tat­säch­lich er­krankt ist. (LAG Ber­lin-Bran­den­burg, 6 Sa 1758/16) und Ge­hil­fen­prü­fung oder ei­nes Be­rufs­fach­schul­ab­schlus­ses lie­gen. Ty­pi­sche Auf­stiegs­fort­bil­dun­gen sind Meis­te­ro­der Fach­wirt­kur­se, Er­zie­her­und Tech­ni­ker­schu­len so­wie mehr als 700 wei­te­re gleich­wer­ti­ge Fort­bil­dun­gen.

Die För­de­rung ist an zeit­li­che und qua­li­ta­ti­ve An­for­de­run­gen ge­bun­den. So muss die Maß­nah­me un­ter an­de­rem min­des­tens 400 Un­ter­richts­stun­den um­fas­sen und von zer­ti­fi­zier­ten An­bie­tern durch­ge­führt wer­den. Auf den Sei­ten des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung sind al­le An­for­de­run­gen zu fin­den, hier kann auch ein On­li­ne-An- trag auf För­de­rung wer­den.

Un­ter­stützt wer­den ein­kom­mens- und ver­mö­gens­un­ab­hän­gig die Lehr­gangs- und Prü­fungs­ge­büh­ren so­wie Ma­te­ri­al­kos­ten ei­nes Meis­ter­prü­fungs­pro­jekts bei Voll­zeit- und Teil­zeit­fort­bil­dun­gen. An­trag­stel­ler kön­nen ei­nen Bei­trag in Hö­he der tat­säch­lich an­fal­len­den Ge­büh­ren bis ma­xi­mal 15.000 Eu­ro er­hal­ten. 40 Pro­zent der Sum­me sind ein Zu­schuss, für den Rest der Sum­me gibt es ein An­ge­bot der KfW über ein zins­güns­ti­ges Bank­dar­le­hen. Bei be­stan­de­ner Prü­fung wer­den 40 Pro­zent des noch nicht fäl­lig ge­wor­de­nen

ge­stellt Dar­le­hens er­las­sen. Zu­sätz­lich kann bei Voll­zeit­maß­nah­men ein­kom­mens­ab­hän­gig ein Bei­trag zum Le­bens­un­ter­halt be­an­tragt wer­den.

Mit der so­ge­nann­ten Bil­dungs­prä­mie för­dert der Bund in­di­vi­du­el­le be­rufs­be­zo­ge­ne Wei­ter­bil­dun­gen. „Be­rufs­be­zo­gen be­deu­tet, dass die aus­ge­wähl­te Wei­ter­bil­dung für den be­ruf­li­chen Kon­text wich­tig sein muss, für die ak­tu­el­le oder ei­ne ge­plan­te neue Tä­tig­keit“, er­läu­tert Mecht­hild Teu­pen. „In­di­vi­du­ell heißt, dass es um die per­sön­li­chen Bil­dungs­in­ter­es­sen geht, un­ab­hän­gig vom Ar­beit­ge­ber.“Mit dem Prä­mi­en­gut­schein zah­len Er- werbs­tä­ti­ge nur 50 Pro­zent der Wei­ter­bil­dungs­ge­büh­ren, den Rest über­nimmt der Staat. Mit dem Spar­gut­schein kann ein An­spar­gut­ha­ben nach dem Ver­mö­gens­bil­dungs­ge­setz ge­nutzt wer­den, um ins­be­son­de­re ei­ne teu­re­re und län­ger­fris­ti­ge Wei­ter­bil­dung zu fi­nan­zie­ren.

Bei klei­ne­ren Lehr­gän­gen oder Se­mi­na­ren sind län­der­spe­zi­fi­sche För­de­run­gen wie der „Bil­dungs-Scheck NRW“ge­fragt. „Im Fo­kus sind ins­be­son­de­re ge­ring­qua­li­fi­zier­te und wei­ter­bil­dungs­fer­ne Be­schäf­tig­te“, weiß Mecht­hild Teu­pen. „Das För­der­an­ge­bot rich­tet sich an Be­trie­be, Be­schäf­tig­te und Be­rufs­rück­keh­rer.“Mit dem Bil­dungs-Scheck über­nimmt der Staat die Hälf­te der Wei­ter­bil­dungs­ge­büh­ren bei Kos­ten von höchs­tens 1000 Eu­ro, die Hö­he des Schecks be­trägt ma­xi­mal 500 Eu­ro.

Ta­len­tier­te Fach­kräf­te un­ter 25 un­ter­stützt das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung und For­schung mit ei­nem Wei­ter­bil­dungs­sti­pen­di­um. Es er­mög­licht leis­tungs­be­rei­ten Ab­sol­ven­ten bis zu drei Jah­re lang die Fi­nan­zie­rung fach­li­cher und fach­über­grei­fen­der Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men, die be­rufs­be­glei­tend durch­ge­führt wer­den. Für das Pro­gramm kön­nen sich Ab­sol­ven­ten mit ei­ner Ab­schluss­no­te von 1,9 oder bes­ser be­wer­ben. Auch die be­son­ders er­folg­rei­che Teil­nah­me an ei­nem über­re­gio­na­len Leis­tungs­wett­be­werb oder be­grün­de­te Vor­schlä­ge des Ar­beit­ge­bers er­mög­li­chen die Qua­li­fi­zie­rung. Die För­de­rung um­fasst Zu­schüs­se für die Kos­ten der Wei­ter­bil­dung in Hö­he von ma­xi­mal 7200 Eu­ro, ver­teilt auf drei Jah­re. Bun­des­weit or­ga­ni­siert die „Stif­tung Be­gab­ten­för­de­rung be­ruf­li­che Bil­dung“die Wei­ter­bil­dungs­sti­pen­di­en. An­sprech­part­ner für die Be­wer­bung sind die je­wei­li­gen Kam­mern der Re­gi­on.

Bei län­ger­fris­ti­gen Wei­ter­bil­dun­gen

muss der Ar­beit­ge­ber mit­spie­len

Recht & Ar­beit

FO­TO: THINKSTOCK/BRIANAJACKSON

Be­ruf­li­che Wei­ter­bil­dung ist oft­mals mit gro­ßem Auf­wand und Kos­ten ver­bun­den. Doch es gibt We­ge, wie sich die Be­schäf­tig­ten fi­nan­zi­el­le Hil­fe ho­len kön­nen.

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