Im­mo­bi­li­en­kauf per Auk­ti­on

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - HOCHSCHULE - VON MO­NI­KA HILLEMACHER

Zum ers­ten, zum zwei­ten – und schon hat die Woh­nung ei­nen neu­en Ei­gen­tü­mer ge­fun­den. Im­mo­bi­li­en­auk­tio­nen sind ei­ne Mög­lich­keit, ab­seits der üb­li­chen Pfa­de ein gu­tes Ob­jekt zu er­gat­tern. Was es da­bei zu be­ach­ten gibt.

Schnäpp­chen kön­nen Käu­fer auf ei­ner frei­wil­li­gen Im­mo­bi­li­en­auk­ti­on sel­ten ma­chen. Denn an­ders als bei Zwangsversteigerungen ste­hen die An­bie­ter fi­nan­zi­ell nicht un­ter Druck. Im Ge­gen­teil: Sie wol­len den höchst­mög­li­chen Markt­preis her­aus­ho­len. Das Gan­ze ist „für Ver­käu­fer ei­ner Im­mo­bi­lie in gu­ter La­ge und Zu­stand in­ter­es­sant“, sagt Hart­mut Schwarz von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bre­men.

Un­ter den Ham­mer kom­men Vil­len und Ein­fa­mi­li­en­häu­ser, aber auch Ei­gen­tums­woh­nun­gen und Grund­stü­cke. Die Ver­mark­tung der Ob­jek­te über­neh­men Auk­tio­na­to­ren. Sie kom­men meist aus dem Mak­ler­job, brau­chen aber ei­ne amt­li­che Ge­neh­mi­gung (§ 34b Ge­wer­be­ord­nung).

Ähn­lich wie beim klas­si­schen Ver­kauf über ei­nen Ver­mitt­ler sieht sich der Ver­stei­ge­rer das Ob­jekt an, von dem der Ei­gen­tü­mer sich tren­nen will. Er fer­tigt ein Wert­gut­ach­ten an und schlägt auf des­sen Ba­sis ein Min­dest­ge­bot vor. Mit die­sem Preis be­ginnt die Auk­ti­on. In­ter­es­sen­ten kön­nen in Ra­ten von 200, 1000, 2500 Eu­ro oder mehr bie­ten. Das Spiel dau­ert (bü) Tier­hal­tung Ei­ne im Miet­ver­trag ent­hal­te­ne Klau­sel, nach der „die Tier­hal­tung“nicht ge­stat­tet ist, stellt ei­ne un­wirk­sa­me All­ge­mei­ne Ge­schäfts­be­din­gung des Ver­mie­ters dar. Die Fra­ge, ob das Hal­ten von Tie­ren zu­läs­sig ist oder nicht, sei durch ei­ne Ab­wä­gung der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen in Ein­zel­fall zu klä­ren, ent­schied das Land­ge­richt Nürn­berg-Fürth. Da­bei sei­en nicht nur Art, An­zahl und Grö­ße der Tie­re zu be­rück­sich­ti­gen, son­dern auch sons­ti­ge Ver­hält­nis­se vor Ort – wie et­wa die In­ter­es­sen von Nach­barn so lan­ge, bis kei­ner mehr mit­macht und der Ham­mer fällt. Beim drit­ten Mal gilt der Zu­schlag als er­teilt.

Die ge­nau­en Sprün­ge der Ra­ten legt der Ver­stei­ge­rer fest. „Sol­che Hin­wei­se ent­neh­men Bie­ter den vor­ab ver­öf­fent­lich­ten Un­ter­la­gen“, sagt der in Frei­burg tä­ti­ge Im­mo­bi­li­en­auk­tio­na­tor Hu­go Spren­ker. und Mit­be­woh­nern. (OLG Nürn­berg, 7 S 8871/16) Dusch­ver­bot Das Land­ge­richt Köln hat es ei­nem Mie­ter un­ter­sagt, in sei­ner Ba­de­wan­ne im Ste­hen zu duschen, wenn durch das Spritz­was­ser ober­halb des Flie­sen­spie­gels Schim­mel ent­steht. „Die­se Art der Be­nut­zung der Ba­de­wan­ne ist recht­lich als ver­trags­wid­rig ein­zu­ord­nen“, so das Ge­richt. Da­bei spie­le es kei­ne Rol­le, dass das Duschen im Ste­hen an sich zum „ver­trags­ge­mä­ßen Miet­ge­brauch“ge­hört. (LG Köln, 1 S 32/15) Die An­ga­ben fin­den sie im In­ter­net, bei den In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern und dem Ord­nungs­amt.

Meis­tens gibt es vor der Ver­stei­ge­rung meh­re­re Be­sich­ti­gungs­ter­mi­ne. Die­se Chan­cen soll­ten po­ten­zi­el­le Bie­ter gründ­lich nut­zen. Denn mit dem Zu­schlag gilt end­gül­tig „ge­kauft wie es steht und liegt, ge­se­hen oder nicht ge­se­hen“. Des­halb ist die Be­sich­ti­gung nach An­sicht von Hart­mut Schwarz ein ab­so­lu­tes Muss.

Auch ih­re ei­ge­nen fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten soll­ten Bie­ter ken­nen. „Über den ma­xi­ma­len Kauf­preis si­cher sein und dann noch wäh­rend der Auk­ti­on ei­nen küh­len Kopf be­hal­ten“ge­hö­ren für Schwarz zu den Vor­aus­set­zun­gen, um ei­ne Im­mo­bi­lie er­folg­reich zu er­stei­gern. Hilf­reich ist es, vor dem Auk­ti­ons­ter­min die Fi­nan­zie­rung mit der Bank zu klä­ren. Spä­tes­tens dann wis­sen Bie­ter, was sie sich leis­ten kön­nen, so die Er­fah­run­gen von Spren­ker.

Käu­fer wer­den – wie beim her­kömm­li­chen Er­werb ei­ner Im­mo­bi­lie – Ei­gen­tü­mer, in­dem sie den Kauf­ver­trag und die Auf­las­sungs­vor­mer­kung im Grund­buch un­ter­schrei­ben. „Wird der Zu­schlag er­teilt, wird meist auch so­fort die no­ta­ri­el­le Beur­kun­dung voll­zo­gen“, sagt Schwarz. Man­che Auk­tio­na­to­ren las­sen Er­wer­bern Zeit bis zur Beur­kun­dung. Bei Im­mo­bi­li­en­kauf­ver­trä­gen sind 14 Ta­ge ge­setz­lich vor­ge­se­hen.

Meist be­zah­len Käu­fer und Ver­käu­fer Auk­tio­na­to­ren. „Der Ver­käu­fer zahlt in der Re­gel für die Di­enst­leis­tung“, sagt In­kaMa­rie Storm vom Ei­gen­tü­mer­ver­band Haus & Grund Deutsch­land. Al­so et­wa für die Or­ga­ni­sa­ti­on und das Wert­gut­ach­ten. Das Ho­no­rar wird in­di­vi­du­ell aus­ge­han­delt. Der Kos­ten­an­teil liegt meist im ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich und hängt oft vom er­ziel­ten Höchst­ge­bot ab. Der Käu­fer zahlt ei­ne Pro­vi­si­on in Form ei­ner Be­ar­bei­tungs­ge­bühr.

Im­mo­bi­li­en­auk­tio­nen sind auch im In­ter­net eta­bliert. Oft sind die Platt­for­men auf Re­gio­nen spe­zia­li­siert. Sie bie­ten Ob­jek­te an, die wie in ei­nem her­kömm­li­chen Ex­po­sé de­tail­liert be­schrie­ben sind. Auch Ge­bots­schrit­te und Zeit­ab­lauf sind auf den Sei­ten an­ge­ge­ben.

Vor ei­ner Auk­ti­on soll­ten sich Käu­fer wie Ver­käu­fer ge­nau mit den Ab­läu­fen ver­traut ma­chen. Am bes­ten, in­dem sie Ver­stei­ge­run­gen be­su­chen. Ei­ne gu­te Vor­be­rei­tung sei un­er­läss­lich. „Es ist ei­ne Le­bens­ent­schei­dung. Für Käu­fer und Ver­käu­fer“, sagt Spren­ker.

Mit dem Zu­schlag gilt end­gül­tig „ge­kauft wie es steht und

liegt“

WOH­NEN & RECHT

FO­TO: C. KLOSE

Vor ei­ner Ver­stei­ge­rung gibt es meist meh­re­re Be­sich­ti­gungs­ter­mi­ne, um sich ei­nen Ein­druck von der Im­mo­bi­lie zu ver­schaf­fen.

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