ANA­LY­SE Deutsch­land,

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

die füh­ren­de Na­ti­on Eu­ro­pas, ist zu schwach, um glo­bal ei­ne Rol­le zu spie­len. Zu­dem miss­trau­en vie­le der neu­en Zen­tral­macht. Nur mit ei­nem star­ken Frank­reich ge­langt Ber­lin aus die­sem Di­lem­ma.

ge­lang es Mer­kel und ih­rem Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le, die Wäh­rung trotz al­ler Skep­sis in Deutsch­land zu ret­ten. Doch um wel­chen Preis: Im Sü­den Eu­ro­pas gilt die Bun­des­re­gie­rung als kal­te Voll­stre­cke­rin ei­ner in­hu­ma­nen Spar­po­li­tik, die Mil­lio­nen Men­schen in Ar­beits­lo­sig­keit und Ar­mut führt.

Fa­tal wirkt sich auch die ge­gen­wär­ti­ge Schwä­che Frank­reichs aus. In den fünf Jah­ren des so­zia­lis­ti­schen Prä­si­den­ten François Hol­lan­de hat das Land ei­nen po­li­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Tief­punkt er­reicht. Und Groß­bri­tan­ni­en, das Deutsch­land wirt­schafts­po­li­tisch nä­her steht, ist durch den Aus­stieg aus der EU po­li­tisch fremd ge­wor­den. Ver­läss­li­cher Part­ner der Deut­schen schie­nen bis vor Kur­zem nur noch die USA zu sein. Das an­fangs schwie­ri­ge Ver­hält­nis zwi­schen Ba­rack Oba­ma und Mer­kel wan­del­te sich fast in ei­ne Traum­kon­stel­la­ti­on. Seit sich der At­lan­tik-Gr­a­ben durch Trumps rup­pi­ge Iso­la­ti­ons­po­li­tik enorm wei­tet, ist die po­li­ti­sche Eli­te hier zu Lan­de auf ein­mal al­lein zu Hau­se.

Der frü­he­re deut­sche Au­ßen­mi­nis­ter Josch­ka Fi­scher glaubt, dass das En­de des Wes­tens schon ge­kom­men ist: „Eu­ro­pa kann die Füh­rungs­rol­le nicht über­neh­men; da­zu ist es viel zu schwach und zu zer­ris­sen. Und so wird die west­li­che Welt, wie wir sie kann­ten, vor un­se­ren Au­gen ver­sin­ken“, schrieb er in der „Süd­deut­schen Zei­tung“.

So weit muss es aber nicht kom­men. Denn Deutsch­land kann dar­auf ver­wei­sen, dass nach der Ka­ta­stro­phe des NSStaats die Wer­te des Wes­tens wie Frei­heit, Rechts­staat, De­mo­kra­tie und Markt­wirt­schaft das Land wie­der stark ge­macht ha­ben. Frank­reich, das sich un­ter Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron neu er­fin­det, könn­te mit die­sen aus dem ei­ge­nen Land stam­men­den Wer­ten wie­der An­schluss ge­win­nen. Und selbst die USA zei­gen Wi­der­stands­kraft ge­gen die fa­ta­len Plä­ne Trumps. Gut mög­lich, dass sei­ne Al­lein­gän­ge schei­tern. So könn­te am En­de die Kon­stel­la­ti­on ein­tre­ten, die Deutsch­land schon ein­mal ge­hol­fen hat, nur un­ter an­de­ren Vor­zei­chen.

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