Auch Schrei­ner müs­sen heu­te di­gi­tal den­ken

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - REISE&ERHOLUNG - VON AN­GE­LA WILMS-ADRIANS

An­dré Hal­fes ist die drit­te Ge­ne­ra­ti­on im el­ter­li­chen Be­trieb. Er spe­zia­li­siert sich auf De­sign und will Meis­ter wer­den.

KOR­SCHEN­BROICH Die Di­gi­ta­li­sie­rung hat das Hand­werk längst er­reicht. Com­pu­ter­ge­steu­er­te Pro­gram­me sind auch in der Schrei­ne­rei Hal­fes ein Muss. „Die Zei­ten des Hand­wer­kers mit dem Blei­stift hin­ter dem Ohr sind vor­bei“, sagt Schrei­ner­meis­ter Thomas Hal­fes, der den Be­trieb 1996 in zwei­ter Ge­ne­ra­ti­on vom Va­ter über­nahm. Der 50-Jäh­ri­ge weiß um die sich be­stän­dig wan­deln­den An­for­de­run­gen. Oh­ne Fer­tig­kei­ten im Um­gang mit High­tech geht beim Hand­werk nichts mehr.

Die In­nung kämpft mit Ima­geund Nach­wuchs­pro­ble­men. „Es hat Jah­re ge­ge­ben, da hat­ten wir nicht ei­ne Be­wer­bung. Die Ju­gend von heu­te wird oft zum Stu­di­um ge­drängt. Für vie­le ist das nicht der rich­ti­ge Weg. Doch oft ge­nug wä­ren sie gu­te Hand­wer­ker. Da­her wen­det sich die In­nung in­zwi­schen ge­zielt an Stu­di­en­ab­bre­cher, die dann oft mer­ken, dass sie zum Bei­spiel ger­ne mit Holz ar­bei­ten“, so Hal­fes. Er ist spe­zia­li­siert auf Ein­bruch­schutz, Fens­ter-, Tü­ren- und klas­si­schen Mö­bel­bau. Drei Ge­sel­len und zwei Mit­ar­bei­te­rin­nen, die sich ei­ne Stel­le im Bü­ro tei­len, ar­bei­ten im Be­trieb. Al­len Nach­wuchs­pro­ble­men zum Trotz hat der Schrei­ner­meis­ter mit Sohn An­dré ei­nen aus­ge­zeich­ne­ten Ge­sel­len in der Fa­mi­lie. Der woll­te ur­sprüng­lich tech­ni­scher Zeich­ner wer­den, ent­deck­te dann aber wäh­rend ei­nes Schul­prak­ti­kums sei­ne wah­re Pas­si­on. Der Ju­ni­or wur­de am En­de sei­ner dua­len Aus­bil­dung bei der Los­spre­chungs­fei­er der Tisch­le­r­in­nung Mön­chen­glad­bach als Zweit­bes­ter sei­nes Jahr­gangs ge­ehrt. Zu­dem er­hielt der 19-Jäh­ri­ge den Son­der­preis „Gu­te Form“für das bes­te Ge­sel­len­stück. Es ist ein hän­gen­des Flur­mö­bel in schnit­ti­ger Li­ni­en­füh­rung.

Ge­ar­bei­tet hat An­dré es an sei­nem Aus­bil­dungs­platz in der Fir­ma Al­fons Mantz. Das Flur­mö­bel birgt im In­ne­ren ei­nen Or­ga­ni­zer, eben­falls de­signt von An­dré. Da er in der Rea- li­sie­rung des ei­ge­nen De­signs sei­ne Zu­kunft sieht, hat er sich für das bald be­gin­nen­de Stu­di­um im Holz­de­sign in Ver­bin­dung mit dem Meis­ter­brief ent­schie­den. Für die nach ei­ge­nen Ent­wür­fen ge­ar­bei­te­ten Or­ga­ni­zer mit Vor­rich­tung zum Auf­la­den des Han­dys hat An­dré be­reits ein klei­nes Ge­wer­be an­ge­mel­det, um die Selbst­stän­dig­keit zu pro­ben. Beim Stu­di­um wer­den ihm hier­bei die Fä­cher Be­triebs­füh­rung und Mar­ke­ting un­ter­stüt­zen. Der Va­ter sieht mit Stolz, wie der Sohn die Ent­wür­fe per In­ter­net ver­kauft.

Für den Se­ni­or steht dies für ein ver­än­der­tes Selbst­ver­ständ­nis. Er bi­lan­ziert: „Wir sind noch an Pri­vat­kun­den ori­en­tiert. Bis­her ist es üb­lich, dass der Kun­de mit Wün­schen zum Hand­wer­ker kommt. An­dré aber war­tet nicht, son­dern geht mit sei­nen Ide­en auf den Kun­den zu.“

FOTO: DET­LEF ILGNER

An­dré Hal­fes (links) ar­bei­tet mit sei­nem Va­ter Thomas Hal­fes im el­ter­li­chen Be­trieb. Bald be­ginnt er ein Stu­di­um im Holz­de­sign.

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