Bahn­hofs­foy­er: Um­bau star­tet bald

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON LI­SA KREUZMANN UND DE­NI­SA RICH­TERS

Die Ar­bei­ten soll­ten längst lau­fen, doch laut Bahn AG war es schwer, ei­ne Bau­fir­ma zu fin­den. Die Ver­schö­ne­rung ist drin­gend nö­tig. Denn bei ei­nem Ran­king lan­de­te der Haupt­bahn­hof Mön­chen­glad­bach auf dem vor­letz­ten Platz.

Der seit Jah­ren ge­plan­te Um­bau des Mönchengladbacher Haupt­bahn­hofs schien schon zur un­end­li­chen Ge­schich­te zu wer­den. Letz­tes Ka­pi­tel in dem ewi­gen Hin und Her: der Um­bau des Foy­ers am Eu­ro­pa­platz. Für rund 1,1 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len dort die Be­leuch­tung, die Tü­ren und die Tau­ben­ab­wehr er­neu­ert so­wie der Dach­stuhl ge­stri­chen wer­den. Die Maß­nah­me war be­reits 2014 ge­plant, wur­de von der Bahn AG auf 2016 ge­scho­ben. Dann hieß es, dass die­se Ar­bei­ten noch die­ses Jahr ab­ge­schlos­sen wer­den. So hat­te es der Kon­zern­be­voll­mäch­tig­te für NRW, Wer­ner J. Lüb­ber­ink, dem Mönchengladbacher Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Gün­ter Krings (CDU) zu­min­dest bei ei­nem Ter­min im Ja­nu­ar ver­si­chert. Pas­siert ist seit­dem aber nichts.

Das hat of­fen­bar nicht nur Krings, son­dern auch sei­ne Bun­des­tags­kol­le­gin Gü­lis­tan Yük­sel (SPD) so­wie die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Han­sWil­li Körf­ges (SPD) und Jo­chen Klen­ner (CDU) um­ge­trie­ben. Sie al­le er­hiel­ten ges­tern per Mail in ei­nem Schrei­ben, das un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt, die Ant­wort auf ih­re An­fra­gen: Dar­in er­klärt Lüb­ber­ink, dass es zu Ver­zö­ge­run­gen ge­kom- men sei, weil auf die ers­te Aus­schrei­bung kei­ne Bau­fir­ma ein An­ge­bot ab­ge­ge­ben ha­be. In­zwi­schen sei­en je­doch al­le Auf­trä­ge ver­ge­ben. Die Ar­bei­ten sol­len, so ver­si­chert Lüb­ber­ink, ab 1. Sep­tem­ber wei­ter­ge­hen. Nächs­tes Jahr sol­len auch die Fens­ter mo­der­ni­siert wer­den. Fünf Mil­lio­nen Eu­ro hat die Bahn AG bis­her be­reits in neu­en Brand­schutz, das Ent­fer­nen ei­ner Zwi- schen­de­cke, in Auf­zü­ge, Bahn­stei­ge, Be­leuch­tung, Per­so­nen­un­ter­füh­rung und ei­ne mo­der­ne­re Fahr­gast­in­for­ma­ti­ons­an­la­ge in­ves­tiert.

Den­noch be­steht of­fen­bar noch reich­lich Hand­lungs­be­darf. Denn bei ei­nem bun­des­wei­ten Ran­king lan­de­te der Haupt­bahn­hof Mön­chen­glad­bach jetzt auf dem vor­letz­ten Platz, nur der in Wup­per­tal wur­de noch schlech­ter be­wer­tet. Das Ver­gleich­spor­tal „Netz­sie­ger“hat an­hand von Goog­le-Re­zen­sio­nen die Be­liebt­heit der Haupt­bahn­hö­fe der 30 größ­ten deut­schen Städ­te er­mit­telt. Von 5,0 mög­li­chen Goo­gleS­ter­nen er­hält der Glad­ba­cher Bahn­hof un­ter­durch­schnitt­li­che 3,0. Der Schnitt lag bei 3,8.

Die Rei­sen­den am Glad­ba­cher Bahn­hof spie­geln ein ähn­li­ches Bild wi­der. „Ganz schlimm“, ruft ein Mann im Vor­bei­ge­hen und schüt­telt den Kopf. „Die Glei­se sind zu­ge­wach­sen und über­all liegt Müll“, sagt Eri­ka Hil­de­brandt aus Gre­ven­broich, die ei­gent­lich ger­ne mit der Bahn un­ter­wegs ist. Die häss­li­chen Stel­len am Bahn­hof är­gern sie. „Schau­en Sie sich doch mal um“, sagt auch In­grid Ku­ckuck aus Neuss. Am Bahn­steig sind zahl­rei­che Bo­den­plat­ten ge­sprun­gen, die Flä­chen voll mit Tau­ben­dreck, in den Fu­gen Zi­ga­ret­ten­kip­pen.

Und auch der Gang zu den Glei­sen hin­ter­lässt kei­nen bes­se­ren Ein­druck. Die ehe­mals wei­ßen Flie­sen sind ver­dreckt, ver­gilbt, stel­len­wei­sen von den Wän­den ge­ris­sen. „Der Gang sieht rich­tig trost­los aus“, sagt Jan-Da­ni­el Jen­nes aus Hoch­neu­kirch. „Fast wie ein ver­las­se­ner Ort.“

Im Foy­er hän­gen die Ka­bel lo­se von der Wand, Net­ze schüt­zen die Rei­sen­den vor Tau­ben­dreck. „Man hat das Ge­fühl, da küm­mert sich über­haupt nie­mand mehr drum“, sagt Neus­se­rin In­grid Ku­ckuck. Da­bei ge­he es auch an­ders, weiß das Ehe­paar Ip­sen. Statt ei­ner Mo­tor­rad­tour macht das Paar die­ses Jahr ei­ne Fo­to­tour quer durch die Re­pu­blik. Nach Glad­bach sind sie ge­kom­men, weil der Sohn Bo­rus­sia-Fan ist. Ihr ers­ter Ein­druck: „Dre­ckig, und es stinkt nach Urin.“Jetzt wol­len sie die Stadt er­kun­den.

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