Die Kn­öll­chen-Pos­se vom Ler­chen­weg

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - WIRTSCHAFT - VON GABI PE­TERS

In Wick­ra­th­berg gab es nach An­zei­gen we­gen „Falsch­par­ker“im­mer wie­der Straf­zet­tel – zu Un­recht.

Jah­re­lang ha­ben die An­woh­ner des Ler­chen­wegs in Wick­ra­th­berg ih­re Au­tos am Stra­ßen­rand ge­parkt. Jah­re­lang war das in Ord­nung. Bis ei­nes Ta­ges hin­ter et­li­chen Schei­ben­wi­schern ei­ne städ­ti­sche Be­nach­rich­ti­gung steck­te. Und das, ob­wohl es in der Stra­ße kei­ne Hal­te­ver­bo­te gibt und kei­ne Ga­ra­gen­fahrt zu­ge­parkt war. Die be­trof­fe­nen An­woh­ner wa­ren zu­nächst rat­los. Erst ein An­ruf beim Ord­nungs­amt brach­te die Lö­sung: Die Au­tos mit „Kn­öll­chen“park­ten ge­gen­über von Ga­ra­gen­ein­fahr­ten. Und das kann laut Pa­ra­graf 12 der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung ver­bo­ten sein, wenn die Stra­ße zu schmal ist und die Aus­fahrt stark be­hin­dert wird.

Ein An­woh­ner hat­te sich bei der Stadt be­schwert. Die schick­te Ord­nungs­hü­ter raus. Und prompt wur­den die „Kn­öll­chen-Smart­pho­nes“ge­zückt – und das nicht nur an dem Wa­gen, der ge­gen­über der Ga­ra­gen­ein­fahrt vom Be­schwer­de­füh­rer park­te. Aus Grün­den der Gleich­be­hand­lung kleb­te an al­len Au­tos, die ge­gen­über ei­ner Zu­fahrt stan­den, ei­ne Knol­le.

Die­se Kol­lek­tiv­be­stra­fung er­fuh­ren die An­woh­ner des Ler­chen­wegs nicht nur ein­mal, son­dern so oft, dass ei­ne Zeit lang ein Stell­platz an der Stra­ße stän­dig leer blieb. Näm­lich der ge­gen­über der Ein­fahrt vom Be­schwer­de­füh­rer. „Aber es kom­men ja auch Hand­wer­ker in die Stra­ße, die ah­nungs­los sind“, be­rich­tet Sa­bi­ne Stolz, de­ren El­tern am Ler­chen­weg woh­nen. Dann plötz­lich war es auch wie­der ge­sche­hen: Zum wie­der­hol­ten Mal gab es ei­ne Pri­vat­an­zei­ge. Und wie­der wur­den städ­ti­sche Mit­tei­lun­gen hin­ter die Wind­schutz­schei­ben al­ler ge­park­ten Au­tos ge­klemmt, die ge­gen­über von Ga­ra­gen­ein­fahr­ten stan­den. Wie­der bat die Stadt zur Kas­se.

Doch ei­nes war die­ses Mal neu: Auf ein­mal muss­te kei­ner mehr ein Ver­warn­geld be­zah­len. „Das Ord

nungs­amt hat die Ge­ge­ben­hei­ten vor Ort ge­prüft, kei­ne un­zu­mut­ba­re Be­hin­de­rung fest­stel­len kön­nen und des­halb das nach der Pri­vat­an­zei­ge ein­ge­lei­te­tes Ord­nungs­wid­rig­keitsVer­fah­ren ein­ge­stellt“, heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me der Stadt. Sa­bi­ne Stolz hat­te zu den­je­ni­gen ge­hört, die an je­nem Tag ge­gen­über ei­ner Ga­ra­gen­ein­fahrt ge­parkt und da­nach ei­nen Zet­tel hin­ter dem Schei­ben­wi­scher ge­fun­den hat­te. Sie leg­te Ein­spruch und ei­nen Tag spä­ter Fach­auf­sichts­be­schwer­de ein. Zu­min­dest der Ein­spruch war er­folg­reich.

Wie sie freu­en sich auch an­de­re Be­trof­fe­ne, dass sie nicht zah­len müs­sen. Doch ei­gent­lich hät­te es auch die vor­aus­ge­gan­ge­nen Kn­öll­chen nie ge­ben dür­fen. „Die Stra­ße ist un­ge­fähr sechs Me­ter breit, an ei­ni­gen Stel­len viel­leicht ein we­nig schma­ler, an an­de­ren brei­ter “, sagt Sa­bi­ne Stolz. Da kom­me man aus ei­ner Ga­ra­gen­ein­fahrt selbst mit ei­nem gro­ßen Au­to her­aus – auch wenn ge­gen­über ge­parkt wer­de. Zu­mal nach der Rechts­spre­chung ein­bis zwei­ma­li­ges Ran­gie­ren durch­aus zu­mut­bar ist. Die An­woh­ner des Ler­chen­wegs hof­fen, dass sie jetzt Ru­he ha­ben und es nicht wie­der Kn­öll­chen ha­gelt.

ARCHIVFOTO: HANS-PE­TER REICHARTZ

Die An­woh­ner der Stra­ße Ler­chen­berg fan­den sol­che Kn­öll­chen plötz­lich an ih­ren Fahr­zeu­gen.

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