ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Volks­wa­gen ist ein in­ter­na­tio­na­les Aus­hän­ge­schild der deut­schen Wirtschaft – dar­an konn­ten bis­lang selbst di­ver­se Skan­da­le nichts än­dern. Wie in ei­ner Sei­fen­oper ging es stän­dig wei­ter. Doch wie lan­ge geht das noch gut?

men­kos­ten. „Ge­bau­er, wo blei­ben die Wei­ber?“, soll ei­ne häu­fi­ge Fra­ge an Per­so­nal­ma­na­ger Klaus-Joa­chim Ge­bau­er ge­we­sen sein, der das gan­ze Spek­ta­kel or­ga­ni­sier­te. Meh­re­re Haft- und Be­wäh­rungs­stra­fen wa­ren die Fol­ge. VW über­stand auch die­se Kri­se – und war da­nach er­folg­rei­cher als je zu­vor.

Wä­re die Ge­schich­te die­ses Kon­zerns tat­säch­lich ei­ne Serie, dann müss­te man den Dreh­buch­schrei­bern für ih­re Ide­en gro­ßen Re­spekt zol­len, weil sie Fi­gu­ren er­fun­den hät­ten, wie den frü­he­ren VW-Ma­na­ger Jo­sé Ig­na­cio López, der als „Wür­ger von Wolfs­burg“be­kannt wur­de, weil er so knall­hart mit Zu­lie­fe­rern ver­han­del­te. Und weil sie sich Skan­da­le aus­ge­dacht hät­ten wie je­nen, bei dem VW-Ma­na­ger ver­such­ten, Ge­schäfts­part­ner wie die Te­le­kom mit „sanf­tem Druck“da­zu zu brin­gen, den kon­zern­ei­ge­nen Fuß­ball­club VfL Wolfs­burg wei­ter zu spon­sern, in­dem sie gleich­zei­tig droh­ten, an­dern­falls Auf­trä­ge nicht wei­ter an sie zu ver­ge­ben.

Und auch auf die Über­nah­me­schlacht zwi­schen Por­sche und Volks­wa­gen ab dem Jahr 2008 muss man erst­mal kom­men: Es war ein Kampf Da­vid ge­gen Go­li­ath, bei dem der klei­ne­re Sport­wa­gen­her­stel­ler am En­de nicht zum gro­ßen Tri­um­pha­tor, son­dern durch ei­nen De­al der Fa­mi­li­en Por­sche und Piëch zu ei­nem Teil des Mehr­mar­ken­kon­zerns wird, zu dem längst auch Au­di, Sko­da, Seat oder MAN ge­hö­ren.

Und wer dach­te, mehr Auf­re­gung geht nicht, wird im­mer wie­der ei­nes Bes­se­ren be­lehrt. Da es­ka­lier­te zu­nächst, qua­si als Ou­ver­tü­re, der Macht­kampf zwi­schen dem da­ma­li­gen VWAuf­sichts­rats­chef Fer­di­nand Piëch und sei­nem Zög­ling Mar­tin Win­ter­korn, der den Chef-Auf­se­her letzt­lich sein Amt kos­te­te. Und dann er­wisch­te es den gera­de noch tri­um­phie­ren­den VW-Chef, weil we­ni­ge Mo­na­te spä­ter, im Sep­tem­ber 2015, der Ab­gas­skan­dal be­kannt wur­de. Seit­dem über­schla­gen sich die Er­eig­nis­se Wo­che für Wo­che – Ma­na­ger wer­den in­ter­na­tio­nal ge­sucht, Mil­li­ar­den-Kla­gen ein­ge­reicht, Kar­tel­le auf­ge­deckt. Was als nächs­tes kommt? Wer weiß das schon. Aber eins ist si­cher: Fort­set­zung folgt.

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