Mar­tin Schulz in der Of­fen­si­ve

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS - VON JAN DREBES VON FLO­RI­AN RINKE FAHN­DER SOL­LEN DA­TEN VON FACE­BOOK . . ., SEITE A 4 VON HORST THOREN DGB VER­LANGT AUSBILDUNGSFONDS . . ., SEITE B 1

Mar­tin Schulz will es of­fen­kun­dig noch ein­mal wis­sen. Zwar denkt der SPDKanz­ler­kan­di­dat nach ei­ge­nen Wor­ten an­ge­sichts der mi­se­ra­blen Um­fra­gen auch hin und wie­der mal „Sch....“. Auf­ge­ben kommt für ihn aber nicht in­fra­ge. Und tat­säch­lich hat er mit sei­nem jüngs­ten Auf­schlag den rich­ti­gen Rie­cher be­wie­sen.

Der et­was aus­ufern­de Fünf-Punk­te-Plan setzt die Uni­on un­ter Druck, Stel­lung zur Zu­kunft der Au­to­mo­bil­in­dus­trie zu be­zie­hen. Da­bei dürf­te zwar Schulz‘ Wunsch­vor­stel­lung kaum ge­lin­gen, die Fol­gen des Die­selskan­dals und den da­mit ver­bun­de­nen Glaub­wür­dig­keits­ver­lust der Politik al­lein auf die Uni­on ab­zu­wäl­zen. Aber er sorgt mit dem Pa­pier da­für, dass die Bun­des­kanz­le­rin ih­re Kom­fort­zo­ne ver­las­sen muss. Über kurz oder lang wird sie Stel­lung be­zie­hen müs­sen, spä­tes­tens wenn es in ei­nem Fern­seh­du­ell zum di­rek­ten Schlag­ab­tausch kommt. Und dass die Deut­schen bei dem The­ma sehr emo­tio­nal re­agie­ren, zei­gen die jüngs­ten Um­fra­gen sehr ge­nau. Schulz geht je­doch auch ein Ri­si­ko ein. Er darf es in der De­bat­te nicht über­trei­ben, um sei­nen Par­tei­freund und nie­der­säch­si­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ste­phan Weil nicht noch stär­ker in die Bre­douil­le zu brin­gen. BE­RICHT DIESELSKANDAL SETZT MER­KEL UN­TER DRUCK, TITELSEITE

Aus al­ten Kri­mis kennt man noch die Po­li­zei­be­am­ten, die im Kas­ten­wa­gen vor dem Haus des Ver­däch­ti­gen par­ken und des­sen Te­le­fon ab­hö­ren. Heu­te kä­men die Er­mitt­ler da­mit nicht mehr weit. Längst wird auch per Whatsapp & Co. kom­mu­ni­ziert. Klar, dass Er­mitt­ler da mit­le­sen wol­len. Und na­tür­lich gibt es be­gründ­ba­re Fäl­le, in de­nen sie nach ei­nem rich­ter­li­chen Be­schluss auch sol­che Ka­nä­le über­wa­chen kön­nen müs­sen – et­wa bei Ter­ror­ge­fahr oder Kin­der­por­no­gra­fie. In­so­fern ist es gut, dass der Ge­setz­ge­ber in­zwi­schen re­agiert.

Ein Grund­satz darf da­bei nicht ver­ges­sen wer­den: Nicht al­les, was tech­nisch mög­lich ist, soll­te auch mög­lich sein. Ger­ne mä­kelt man im Wes­ten über Kon­zer­ne wie App­le, wenn sie aus Ge­schäfts­in­ter­es­se mal wie­der vor dem chi­ne­si­schen Über­wa­chungs­staat ein­kni­cken und sich des­sen Re­geln beu­gen. Ger­ne ver­gisst man, dass auch west­li­che Be­hör­den im­mer mehr die Dau­men­schrau­ben an­le­gen. Von Ver­hält­nis­sen wie in Chi­na sind wir zwar weit ent­fernt, aber ei­ne gu­te Ent­wick­lung ist das nicht. Die Über­wa­chungs­wut muss Gren­zen ha­ben. BE­RICHT

ID­ruck vom Staat

Azu­bis auf Rei­sen

n ei­ner Welt, in der na­he­zu je­der sei­nen Ur­laub in fer­nen Lan­den ver­bringt, über­rascht die Nach­richt, dass Azu­bis nicht von zu Hau­se weg­wol­len. Wä­ren näm­lich die Schul­ab­gän­ger im Be­ruf so fle­xi­bel wie in den Fe­ri­en, könn­ten fast al­le ei­nen Aus­bil­dungs­platz be­kom­men. Es gibt ge­nü­gend An­ge­bo­te – al­ler­dings häu­fig nicht im hei­mat­li­chen Um­feld und oft ge­nug auch nicht im Traum­be­ruf. Weil Bay­ern boomt, wer­den dort Azu­bis ge­sucht, wäh­rend in NRW Aus­bil­dungs­plät­ze feh­len. Al­so: Auf nach Bay­ern? So ein­fach ist das nicht. Ju­gend­li­che vom Rhein, die sich nah der Al­pen aus­bil­den las­sen wol­len, könn­ten dort Kost und Lo­gis kaum be­zah­len. Wer al­so Fle­xi­bi­li­tät von jun­gen Leu­ten ein­for­dert, muss auch über ei­ne Aus­bil­dungs­för­de­rung ähn­lich Bafög nach­den­ken. Nicht oh­ne Grund for­dert das Hand­werk ei­ne Art Stu­den­ten­ti­cket für Azu­bis. Denn selbst in NRW gibt es ab­ge­le­ge­ne Re­gio­nen, in de­nen Aus­zu­bil­den­de ge­sucht wer­den. Wer vom Nach­wuchs Fle­xi­bi­li­tät for­dert, soll­te We­ge fin­den, die Be­rufs­bil­der at­trak­ti­ver zu gestal­ten. Wer als Un­ter­neh­mer Aus­bil­dung för­dert, tut et­was für die Aus­zu­bil­den­den – aber auch für sei­nen wirt­schaft­li­chen Er­folg. BE­RICHT

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