Schloss Rhe­ydt ist in der Hand der Rit­ter

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON CHRIS­TI­AN LIN­GEN

Mit ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Tur­nier be­gann ges­tern Abend das Mit­tel­al­ter­spek­ta­kel. Noch bis mor­gen kön­nen die Be­su­cher in die Zeit der Rit­ter ein­tau­chen, span­nen­de Kämp­fe be­ob­ach­ten und ei­nen his­to­ri­schen Markt er­le­ben.

RHE­YDT Sie rei­ten durch bren­nen­des Stroh, das vie­le Me­ter hoch brennt, schla­gen mit schar­fen Schwer­tern auf­ein­an­der ein und sto­ßen ein­an­der mit Lan­zen vom Pferd. Das Rit­ter­fest auf Schloss Rhe­ydt be­gann ges­tern Abend mit ei­nem Tur­nier, das so span­nend ge­stal­tet ist wie sel­ten zu­vor. Die Ge­schich­te da­hin­ter ist denk­bar sim­pel. Mar­tin Lu­ther schlägt sei­ne The­sen an und stellt sich ge­gen den Ablass­han­del der Kir­che. Ei­nem Kar­di­nal ge­fällt das so gar nicht und so kommt es zum Streit. Ein He­rold, Bran von der Ra­bens­burg, be­kommt die­sen Streit mit und ruft zum Tur­nier. Dort sol­len je­weils drei Rit­ter bei­der Par­tei­en an­tre­ten und aus­fech­ten, wel­che re­li­giö­se Seite denn nun die rich­ti­ge ist.

Auf Sei­ten Mar­tin Lu­thers tre­ten al­te Be­kann­te des Rhe­ydter Rit­ter­fes­tes an. So rei­ten El­mar von Rhe­ydt, der Her­zog von Schwa­ben und der Truch­sess von Wald­burg für den Re­for­ma­tor in die Are­na. Der bö­se Kar­di­nal lässt den Kur­fürs­ten Joa­chim von Bran­den­burg, den Erz­bi­schof von Köln und Her­zog Erich von Braun­schweig für sich an­tre­ten. In sechs Run­den mes­sen sie sich. Zu­erst neh­men sie in vol­lem Ga­lopp ei­nen Bier­krug auf, dann ein Kreuz, das im san­di­gen Bo­den steckt. In der drit­ten Run­de wird es feu­rig. Mit bren­nen­den Lan­zen brin­gen die Rit­ter Luft­bal­lons zum Plat­zen, in de­nen sich Dra­chen­atem be­fin­det. In der vier­ten und spek­ta­ku­lärs­ten Run­de rei­ten die Rit­ter durch Stroh, das meh­re­re Me­ter hoch brennt. Ei­ne pu­re Her­aus­for­de­rung auch für die Pfer­de. Nach Kämp­fen am Bo­den und dem für Rit­ter­tur­nie­re ty­pi­schen Lan­zen­gang steht Mar­tin Lu­ther als Sie­ger fest. „Doch dies war nur der Auf­takt zu den Glau­bens­krie­gen der fol­gen­den Jah­re“, er­klärt Bran von der Ra­bens­burg und ver­bin­det da­mit Fik­ti­on und His­to­rie. Er wünscht sich, dass Kon­flik­te auch heu­te nur in Tur­nie­ren aus­ge­tra­gen wür­den.

Das Rit­ter­tur­nier wird heu­te und mor­gen noch mehr­fach wie­der­holt. Wer ges­tern Abend nicht da­bei war, hat nichts ver­passt. Auch nicht den Mit­tel­al­ter­markt mit rund 70 Aus­stel­lern. Er er­streckt sich über die ge­sam­te Wall­an­la­ge. Dort gibt es ne­ben Schmuck, mit­tel­al­ter­li­cher Klei­dung und Rüst­zeug auch Spei­sen mit mit­tel­al­ter­li­chen Na­men. Auf der gro­ßen Wie­se ne­ben Schloss Rhe­ydt ha­ben di­ver­se Rit­ter­grup­pen ihr gro­ßes Heer­la­ger auf­ge­schla­gen. Dort reiht sich Zelt an Zelt. Na­tür­lich darf das La­ger be­sucht wer­den. Zwi­schen­durch gibt es im Kon­zert­hof im­mer wie­der Dar­bie­tun­gen mit mit­tel­al­ter­li­cher Mu­sik, Gauk­lern, Hof­nar­ren und Greif­vö­geln. So war es auch ges­tern Abend. Da durf­te der Nar­ren­kai das Rit­ter­fest er­öff­nen und tat das ganz schön derb. „Mö­ge der Wind, der euch den Rü­cken stärkt, nicht eu­er ei­ge­ner sein“, rief er den Be­su­chern und den Rit­tern zu.

Heu­te hat das Rit­ter­fest von 11 bis 23 Uhr und mor­gen von 11 Uhr bis 17.30 Uhr ge­öff­net. Der Ein­tritt kos­tet zwölf Eu­ro für Er­wach­se­ne und vier Eu­ro für Kin­der bis zwölf Jah­re. Ei­ne Kar­te be­rech­tigt nur zum ein­ma­li­gen Ein­tritt. In­be­grif­fen ist zu­dem der Be­such des Mu­se­ums Schloss Rhe­ydt. Hun­de dür­fen al­ler­dings nicht mit­ge­bracht wer­den.

FO­TOS (2): HANS-PE­TER REICHARTZ

Kur­fürst Joa­chim von Bran­den­burg, der Erz­bi­schof von Köln, Her­zog Erich von Braun­schweig, El­mar von Rhe­ydt, der Her­zog von Schwa­ben und der Truch­sess von Wald­burg (v.l.) kämp­fen im Rit­ter­tur­nier ge­gen­ein­an­der.

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