Wer­be­ka­ra­wa­ne vor Kar­ne­vals­zug

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - UNTERHALTUNG - VON CHRIS­TI­AN LIN­GEN UND DE­NI­SA RICH­TERS

MKV-Chef Bernd Go­the will re­gio­na­len Un­ter­neh­men er­mög­li­chen, vor dem Veil­chen­diens­tags­zug für sich zu wer­ben. Vor­bild ist der Tross bei der Tour de Fran­ce. Ers­te Re­ak­tio­nen sind po­si­tiv.

In Düs­sel­dorf ist es der Zug am Ro­sen­mon­tag, in Mön­chen­glad­bach der an Veilchendienstag – bei­de sind Hö­he­punk­te des Kar­ne­vals mit kun­ter­bunt ge­stal­te­ten Wa­gen und Fuß­grup­pen, die den Bür­gern am Zug­weg Ge­schen­ke zu­wer­fen. Doch das när­ri­sche Spek­ta­kel wird im­mer teu­rer. Das vor al­lem we­gen hö­he­rer Si­cher­heits­auf­la­gen: Erst wur­den die Re­geln nach dem Un­glück bei der Lo­ve­pa­ra­de in Duisburg ver­schärft. Zu­letzt muss­te we­gen mög­li­cher Ter­ror­an­schlä­ge im­men­ser Auf­wand be­trie­ben wer­den. Beim Veil­chen­diens­tags­zug (VDZ) in die­sem Jahr wur­den an al­len Zu­fahr­ten zur In­nen­stadt Lkw und Con­tai­ner po­si­tio­niert, da­mit po­ten­zi­el­le At­ten­tä­ter nicht mit Fahr­zeu­gen in die Men­ge ra­sen konn­ten wie we­ni­ge Wo­chen zu­vor auf dem Weih­nachts­markt in Berlin.

Bei der Tour de Fran­ce, die im Ju­li durch Düs­sel­dorf und Mön­chen­glad­bach fuhr, ent­stand in bei­den Städ­ten bei den Kar­ne­vals­ver­ant­wort­li­chen die Idee, wie die Fi­nan­zie­rung des je­wei­li­gen Zugs auf so­li­de Bei­ne ge­stellt wer­den könn­te: Denn wäh­rend der Tross der Fah­rer des welt­be­rühm­ten Rad­ren­nens in­ner­halb we­ni­ger Se­kun­den am Pu­bli­kum vor­bei­zog, war dem kur­zen Spek­ta­kel ei­ne rund halb­stün­di­ge Wer­be­ka­ra­wa­ne vor­ge­schal­tet. Auf Au­tos und Wa­gen mit auf­wen­dig ge­stal­te­ten Mo­ti­ven prä­sen­tier­ten sich Un­ter­neh­men, auch Wurf­ma­te­ri­al fürs Pu­bli­kum gab es. Al­so, fast wie im Kar­ne­val – au­ßer, dass die­se Ka­ra­wa­ne mit Tem­po 50 an den stau­nen­den Zu­schau­ern vor­bei­zog.

Bei den Nar­ren geht es viel ge­mäch­li­cher zu. Die Grund­idee aber will Bernd Go­the, Chef des Mön­chen­glad­ba­cher Kar­ne­vals­ver­bands (MKV) über­neh­men. Zu­nächst plan­te er, die Tour-Wer­be­ka­ra­wa­ne für ei­nen zwei­ten Auf­tritt zu be­kom­men. Die Fir­men wink­ten al­ler­dings ab. „Jetzt wol­len wir re­gio­na­len Un­ter­neh­men die­se Mög­lich­keit bie­ten“, sagt Go­the. Er denkt kon­kret an rund zehn Fahr­zeu­ge, mo­to­ri­siert oder nicht, die dem VDZ vor­aus­fah­ren sol­len. „Die müs­sen nicht so groß und auf­wen­dig ge­stal­tet sein wie die Wa­gen im Zug, soll­ten aber schon ins Kon­zept pas­sen.“Denk­bar sei­en Au­tos, die auf dem Dach ein ge­stal­te­tes Sym­bol der je­wei­li­gen Fir­ma ha­ben. Ziel sei es, den VDZ ge­gen­zu­fi­nan­zie­ren und da­mit dau­er­haft zu si­chern.

Wäh­rend der glei­che Vor­stoß in Düs­sel­dorf kon­tro­vers dis­ku­tiert wird, sind die ers­ten Re­ak­tio­nen in Mön­chen­glad­bach po­si­tiv: „Ich fin­de es grund­sätz­lich gut, wenn der MKV sich Ge­dan­ken macht, wie der Zug fi­nan­ziert wer­den kann und nicht nach der öf­fent­li­chen Hand ver­langt“, sagt Ober­bür­ger­meis­ter Hans Wil­helm Rei­ners. Die Kri­tik in der Nach­bar­stadt, dass Fir­men Ein­fluss auf den Kar­ne­val neh­men könn­ten, kann Rei­ners nicht nach­voll­zie­hen. Ge­ra­de weil der Wer­be­block vor­ge­schal­tet sei, ge­be es kei­ne Ver­mi­schung – an­ders als bei Wa­gen, die von Un­ter­neh­men in den Zug ge­schickt wür­den.

Ähn­lich ar­gu­men­tiert Die­ter Bei­nes, Prä­si­dent der Gro­ßen Rhe­ydter Prin­zen­gar­de: „Ich fin­de die Idee in Ord­nung, weil der Kar­ne­val den Weg geht, sich selbst zu hel­fen. Wenn das gut ge­macht wird, kann das durch­aus ei­ne Be­rei­che­rung sein.“Grü­nes Licht gibt es auch von Nor­bert Bu­de, dem Vor­sit­zen­den der Prin­zen­gar­de der Stadt Mön­chen­glad­bach. „Als Ein­nah­me­quel­le für den MKV ist das ei­ne gu­te Idee, und die re­gio­na­len Un­ter­neh­men ha­ben so die Mög­lich­keit, sich zu prä­sen­tie­ren“, sagt er. „Ich hal­te das für le­gi­tim.“Al­ler­dings müss­ten ge­wis­se Gestal­tungs­richt­li­ni­en auf­ge­stellt wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.