Und es staut sich doch

Wer die Ver­kehrs­la­ge in Städ­ten wie Köln oder Düs­sel­dorf kennt, weiß zu schät­zen, dass in Mön­chen­glad­bach al­les im Fluss ist. Al­les? Ei­ne re­la­tiv klei­ne Rhe­ydter Bau­stel­le hat ei­ne ziem­lich gro­ße Wir­kung.

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - Lokales -

Wie­der dür­fen wir uns über ein hoch­som­mer­li­ches Wo­che­n­en­de freu­en. Es soll so warm, nein: heiß werden, dass man schleu­nigst ent­schleu­ni­gen soll­te. Das ist doch oh­ne­hin wert­voll in der en­gen Tak­tung der heu­ti­gen Zeit. Denn sei­en wir mal ehr­lich: Wenn man nicht gera­de von A nach B hetzt, bringt ei­nen die Pfle­ge der so­zia­len Netz­wer­ke in Stress. Kaum ein Ort, an dem das Smart­pho­ne nicht stän­dig griff­be­reit liegt.

In Mön­chen­glad­bach gibt es seit ei­ni­gen Wo­chen ei­ne be­son­de­re Form der Ent­schleu­ni­gung. Sie zwingt Sie zum Still­stand, und Sie kön­nen ihr nicht ent­rin­nen. Vier Din­ge vor­aus­ge­setzt:

1. Sie sind mit dem Au­to un­ter­wegs.

2. Sie fah­ren von Glad­bach Rich­tung Rhe­ydter Marktplatz.

3. Sie sind in Ge­dan­ken und ha­ben des­halb wie­der nicht den schlau­en Schleich­weg ge­nom­men.

4. Das fällt Ih­nen aber erst auf, wenn Sie be­reits die Kreu­zung Gar­ten­stra­ße/ Nord­stra­ße pas­siert ha­ben.

Dann ste­cken Sie näm­lich drin im wohl zu­ver­läs­sigs­ten Stau die­ser Stadt. Die dienst­li­chen Mails müs­sen war­ten, durch die So­zia­len Netz­wer­ke wi­schen ist auch kei­ne Lö­sung – denn das Smart­pho­ne in der Hand ist am Steu­er streng ver­bo­ten. Nach drei Mi­nu­ten weicht das Ge­nerv­t­sein ei­ner Si­tua­ti­ons­re­si­gna­ti­on. Man lässt den Blick schwei­fen – ins Au­to ne­ben­an, auf den Bür­ger­steig, über die Fas­sa­den der Häu­ser. Ru­he kehrt ein.

In Mön­chen­glad­bach ist Stau eher ei­ne Sel­ten­heit, was die meis­ten Mön­chen­glad­ba­cher na­tür­lich ve­he­ment be­strei­ten wür­den. Aber wer die Ver­kehrs­si­tua­ti­on zum Bei­spiel in Köln oder Düs­sel­dorf kennt oder aus be­ruf­li­chen Grün­den mor­gens dort­hin pen­delt, weiß, was ein ech­ter Stau ist.

In Mön­chen­glad­bach ist da­ge­gen al­les im Fluss. Oder war es. Fast. Bis die Sa­nie­rung der wich­tigs­ten Stra­ße im Her­zen von Rhe­ydt be­gann. Es ist ei­ne re­la­tiv klei­ne Bau­stel­le, sie be­wegt sich auf ei­ner Län­ge von rund 250 Me­tern je Fahrt­rich­tung. Das aber be­harr­lich und mit be­mer­kens­wert gro­ßer Wir­kung. Die­ser Stau ist ge­fühlt im­mer da. Mit­tags, nach­mit­tags, auch abends. Die Spu­ren wech­seln im­mer wie­der mal. Manch­mal kommt ei­ne neue Her­aus­for­de­rung hin­zu, dass man zum Bei­spiel aus der Tief­ga­ra­ge un­ter dem Marktplatz nicht mehr links ab­bie­gen darf.

Wir hö­ren von ähn­li­chen Eng­päs­sen, zum Bei­spiel von Au­to­fah­rern, die von Rhein­dah­len in die In­nen­stadt pen­deln müs­sen. Si­cher­lich gibt es noch mehr.

Aber wer wird denn gleich in die Luft ge­hen? Wir trai­nie­ren an die­ser Stel­le doch schon tra­di­tio­nell das Po­si­tiv-Den­ken. In Wahr­heit mei­nen es die Ver­kehrs­pla­ner näm­lich nur gut mit uns. Das ist Dri­ve-Li­fe-Ba­lan­ce. Mo­na­te­lang werden wir ent­schleu­nigt. Und viel­leicht rol­len wir nach die­sem Pro­gramm wirk­lich ent­spann­ter beim li­mi­tier­ten Tem­po 30 über lärm­min­dern­den Flüs­ter­asphalt. Das ist doch mal ei­ne Per­spek­ti­ve. Oder wir stei­gen dau­er­haft um auf un­ser Fahr­rad.

Jetzt aber ist erst ein­mal Som­mer im Herbst. Viel zu heiß, um sich zu stres­sen. Auch oh­ne Stau. Ein schö­nes, ent­schleu­nig­tes Wo­che­n­en­de!

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