Fast-Food-Ket­ten set­zen auf ve­ga­ne Bur­ger

Fleisch­freie Kost liegt im Trend – nicht nur heu­te am Welt­ve­ge­ta­rier­tag. McDo­nald’s tes­tet Nuggets und Bur­ger oh­ne tie­ri­sche Pro­duk­te. Ve­ga­ne Al­ter­na­ti­ven

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON JES­SI­CA KUSCHNIK

DÜS­SEL­DORF Frü­her gal­ten Ve­ge­ta­ri­er und Ve­ga­ner als Son­der­lin­ge, über die al­ler­hand Kli­schees kur­sier­ten. Mit den Wor­ten tren­dig, er­folg­reich und ge­sund hät­te man sie wohl kaum be­schrie­ben. Viel­mehr sah man in ih­nen blas­se Men­schen mit Man­gel­er­schei­nun­gen, die je­dem ih­re Moral­vor­stel­lun­gen auf­drü­cken wol­len. Der Rea­li­tät hat das nie ent­spro­chen. Heu­te sind Ve­ge­ta­ri­er und Ve­ga­ner kei­ne Son­der­lin­ge mehr – im Ge­gen­teil. Sie avan­cie­ren zu Ste­reo­ty­pen, de­nen im­mer mehr Men­schen nach­ei­fern. Denn ve­ga­ne Er­näh­rung liegt im Trend. Am heu­ti­gen Welt­ve­ge­ta­rier­tag lohnt sich da­her der Blick über den Tel­ler­rand.

„Die­se Er­näh­rungs­for­men sind tat­säch­lich in der Mit­te der Ge­sell­schaft an­ge­kom­men“, er­klärt die Ham­bur­ger So­zi­al­wis­sen­schaft­le­rin Pa­me­la Kersch­ke-Risch, die sich in ei­ner Stu­die mit dem The­ma ve­ga­ne Er­näh­rung aus­ein­an­der­setzt. Der ty­pi­sche Ve­ga­ner ist ihr zu­fol­ge meist jung, ge­bil­det und weib­lich. Doch das heißt nicht, dass der ty­pi­sche Ve­ga­ner die jun­ge Stu­den­tin ist, die am Brok­ko­li nagt. Ve­ga­ne Er­näh­rung fin­det man mitt­ler­wei­le an je­der Ecke.

Ein paar Bei­spie­le: Die Fast-Foo­dKet­te McDo­nald’s plant, in Ös­ter­reich ve­ga­ne Bur­ger und Nuggets zu ver­kau­fen. Die ers­te Test­pha­se ist ab­ge­schlos­sen, bald sol­len die neu­en Pro­duk­te über die La­den­the­ke ge­hen. Dass sich Fast Food und ve­ga­nes Es­sen nicht aus­schlie­ßen müs­sen, wis­sen Fes­ti­val-Gän­ger längst: Ob „Rock am Ring“in der Ei­fel oder das „Hur­ri­ca­ne“in Nord­deutsch­land, seit Jah­ren wächst das An­ge­bot ve­ge­ta­ri­scher Im­biss­stän­de. Dö­ner, Bur­ger und Hot Dogs sind hier fleisch­frei – und heiß be­gehrt. Ve­ga­ne Brunch-An­ge­bo­te sind längst auf dem Vor­marsch, Ca­fé-Ket­ten wie Star­bucks bie­ten ih­ren Lat­te Mac­chia­to mit So­ja­Milch an. Selbst Dis­coun­ter wie Al­di bie­ten Flei­scher­satz­pro­duk­te aus So­ja.

An­ja Ki­rig, Trend­for­sche­rin am Zu­kunfts­in­sti­tut in Frank­furt am Main, meint, dass ve­ga­ne Er­näh­rung kein Trend ist, der mor­gen wie­der vor­bei sein wird: „Es gibt vie­le Grün­de, sich ve­gan zu er­näh­ren. Die ei­nen ma­chen es aus ethi­schen Grün­den, an­de­re aus ge­sund­heit­li­chen oder po­li­ti­schen. Durch die­se Viel­schich­tig­keit hat ve­ga­ne Er­näh­rung das Po­ten­zi­al, ein dau­er­haf­ter Trend zu wer­den, al­so mehr als nur Mo­de oder ein Hy­pe.“Viel­mehr glaubt sie, dass in 15 Jah­ren noch mehr ve­ga­ne und ve­ge­ta­ri­sche Pro­duk­te auf den Spei­se­kar­ten ste­hen könn­ten – und da­für we­ni­ger Fleisch und Fisch.

In Frau­en- und Fit­ness­ma­ga­zi­nen sind ve­ga­ne und ve­ge­ta­ri­sche Re­zep­te mitt­ler­wei­le Stan­dard. Ih­nen haf­tet nicht mehr das Eti­kett „Ver-

„Ve­ga­ne Er­näh­rung ist kein Trend, der mor­gen wie­der vor­bei sein wird“

An­ja Ki­rig Trend­for­sche­rin Löst man ei­nen Eß­l­öf­fel AgarPul­ver in ei­nem Eß­l­öf­fel Was­ser, kann dies ein Ei­weiß er­zet­zen.

Sah­ne lässt sich zum Bei­spiel mit So­ja

Sah­ne um­ge­hen, die oh­ne tie­ri­sche Ei­wei­ße

aus­kommt. zicht“, son­dern das Eti­kett „Ge­sund“an. Ent­gif­tung durch ve­ga­nes Es­sen, schnell schlank, jün­ger aus­se­hen durch den Ver­zicht auf tie­ri­sche Fet­te. Doch da ist Vor­sicht ge­bo­ten, sagt Frau­ke Gi­rus-No­woc­zyn vom Bund für ve­ga­ne Le­bens­wei­se: „Ve­gan heißt nicht au­to­ma­tisch ge­sund. Wer et­wa nur Pom­mes mit So­ja-Mayon­nai­se isst, der lebt trotz­dem un­ge­sund.“Wie es rich­tig geht, steht in zahl­rei­chen Veg­gie- und Ve­gan-Koch­bü­chern, die die Bü­cher­re­ga­le fül­len. Pro­mi­nen­tes­tes Bei­spiel ist At­ti­la Hild­mann, der be­reits sechs ve­ga­ne Koch­bü­cher auf den Markt ge­bracht hat. Er schaff­te es mit „Ve­gan for Fun“auf die Best­sel­ler­lis­ten der Rat­ge­ber. Nicht zu­letzt durch pro­mi­nen­te Ve­ga­ner und Ve­ge­ta­ri­er steigt die Ak­zep­tanz der Fleisch­es­ser. Sie gel­ten als Vor­bil- der. Laut Ve­ge­ta­rier­bund gibt es deutsch­land­weit 42 Mil­lio­nen Teil­zeit­ve­ge­ta­ri­er. Sie es­sen an drei oder mehr Ta­gen pro Wo­che kein Fleisch. „Heu­te ist al­les viel un­dog­ma­ti­scher als frü­her. Wer sich et­wa aus Fit­ness-Grün­den ve­gan er­nährt, beißt trotz­dem mal in ein Kä­se­bröt­chen. Man er­nährt sich nicht mehr auf Teu­fel komm raus ve­gan oder ve­ge­ta­risch“, er­klärt An­ja Ki­rig.

Und was sa­gen die „ech­ten“zu den Frei­zeit-Ve­ga­nern? Die se­hen es ge­las­sen. „Je­der, der we­ni­ger Fleisch isst, sorgt doch da­für, dass we­ni­ger Tie­re in Mas­sen ge­hal­ten wer­den“, sagt Tho­mas Zig­han, der in Duis­burg ei­nen ve­ga­nen Weih­nachts­markt ver­an­stal­tet. „Es darf ja je­der es­sen, was er will, und wenn je­mand auf tie­ri­sche Pro­duk­te ver­zich­tet, um­so bes­ser.“

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