Awo droht im Ta­rif­streit mit Schlie­ßung von Ein­rich­tun­gen

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON MA­XI­MI­LI­AN PLÜCK

DÜS­SEL­DORF Der Ar­beit­ge­ber­ver­band der Awo Deutsch­land hat die zwei­tä­gi­gen Warn­streiks in NRW kri­ti­siert. „Dass Ver­di zu ei­nem so frü­hen Ver­hand­lungs-Zeit­punkt zu Warn­streiks auf­ruft, ist äu­ßerst un­ge­wöhn­lich, völ­lig nutz­los und un­ver­ständ­lich“, sag­te Ge­schäfts­füh­rer Ge­ro Kettler un­se­rer Zei­tung.

Nach Ge­werk­schafts­an­ga­ben leg­ten ges­tern mehr als 2200 Awo-Mit­ar­bei­ter die Ar­beit nie­der. Ki­tas blie­ben ge­schlos­sen, in Se­nio­ren- und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen wur­de im Not- be­trieb ge­ar­bei­tet. „Das ist ei­ne kla­re Ant­wort der Be­schäf­tig­ten auf die Pro­vo­ka­ti­on der Ar­beit­ge­ber in der letz­ten Ver­hand­lungs­run­de“, sag­te Ver­di-Ver­hand­lungs­füh­rer Wolf­gang Cre­mer. Für heu­te ist ei­ne Kund­ge­bung in Bochum ge­plant.

Kettler wies die Vor­wür­fe zu­rück, die Awo ver­su­che, mit ei­ner ver­spä­te­ten Lohn­an­pas­sung für Er­zie­he­rin­nen ein Zwei-Klas­sen-Sys­tem zu schaf­fen: „Es är­gert mich, dass Ver­di den Mit­ar­bei­tern ver­schweigt, dass am En­de der Lauf­zeit al­le Be­schäf­tig­ten 3,5 Pro­zent mehr be­kom­men.“Es sei zwar rich­tig, dass die Awo den Er­zie­he­rin­nen die Er­hö­hung erst nach ei­ni­gen Leer­mo­na­ten zah­len wol­le. „Wir un­ter­lie­gen in die­sem Be­reich aber den Fi­nan­zie­rungs-Zwän­gen durch den Ge­setz­ge­ber.“Ver­di selbst ha­be die Un­ter­fi­nan­zie­rung der Ki­ta-Ar­beit in NRW ein­ge­räumt. „Al­ler­dings fehlt die Be­reit­schaft, von­sei­ten der Ar­beit­neh­mer, ei­nen fi­nan­zi­el­len Bei­trag bei­zu­steu­ern“, sag­te Kettler. „Wir sind nicht der öf­fent­li­che Di­enst. Die Stadt Dort­mund kann für ih­re Ki­tas ein­fach 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro mehr be­wil­li­gen. Die­se Mög­lich­keit fehlt den AwoEin­rich­tun­gen.“

Kettler warn­te, ein zu ho­her Ab­schluss wür­de zu­las­ten der Qua­li­tät in den Ein­rich­tun­gen ge­hen: „Ei­ni­gen Ein­rich­tun­gen wür­de die In­sol­venz dro­hen. Die dor­ti­gen Ver­ant­wort­li­chen wür­den dann zu­nächst ver­su­chen, aus der Ta­rif­bin­dung aus­zu­tre­ten. Ein nächs­ter Schritt wä­re ei­ne noch stär­ke­re Ar­beits­ver­dich­tung. Am En­de blie­be wohl nichts an­de­res üb­rig, als de­fi­zi­tä­re Ein­rich­tun­gen zu schlie­ßen, die wir uns aus so­zi­al­po­li­ti­schen Er­wä­gun­gen bis­lang noch ge­leis­tet ha­ben.“Ver­di-Ver­hand­lungs­füh­rer Cre­mer sag­te, Ar­beits­ver­dich­tung fin­de oh- ne­hin schon statt. „In ei­ni­gen Se­nio­ren­ein­rich­tun­gen konn­ten wir gar nicht zum Streik auf­ru­fen, weil dort eh nur noch mit ei­ner Not­dienst­be­set­zung ge­ar­bei­tet wird.“

Ar­beit­ge­ber­ver­tre­ter Kettler zeig­te sich mit Blick auf den nächs­ten Ge­sprächs­ter­min am 28. Ok­to­ber ver­hand­lungs­be­reit: „Wenn Ver­di in ir­gend­ei­ner Form er­ken­nen lässt, dass sie die Fi­nan­zie­rungs­pro­ble­ma­tik auch se­hen, glau­be ich, dass es uns mög­lich sein wird, auch bei den Er­zie­he­rin­nen in der nächs­ten Ver­hand­lungs­run­de ein ver­bes­ser­tes An­ge­bot zu ma­chen.“

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