Freun­de dis­ku­tie­ren im Netz über ih­re di­gi­ta­len Bü­cher

Gro­ße und klei­ne An­bie­ter ma­chen mit Bü­cher-Flat­rates und ei­nem so­zia­len Le­se-Netz­werk auf sich auf­merk­sam.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON LOTHAR SCHRÖ­DER VON DA­NI­EL FIE­NE

Be­schei­den­heit klingt an­ders. ExWer­ber, In­ter­net-Er­klä­rer und Au­tor Sa­scha Lobo ver­spricht in In­ter­views: „Wir set­zen den neu­en Stan­dard für das Le­sen im In­ter­net.“Ges­tern star­te­te auf der Buch­mes­se die öf­fent­li­che Ver­si­on sei­nes Un­ter­neh­mens So­Books.de – ei­nes so­zia­len Netz­werks für Bü­cher. Lobo ist bis­her der Um­gang mit elek­tro­ni­schen Bü­chern zu kom­pli­ziert.

Bei So­Books.de spielt sich das Le­sen kom­plett im Brow­ser ab. Wer mehr als die kos­ten­lo­se Le­se­pro­be kon­su­mie­ren möch­te, klickt auf „Kau­fen“. Zitate kön­nen mar­kiert und im Freun­des­kreis dis­ku­tiert wer­den. Ei­ne ein­fa­che Ober­flä­che und die so­zia­le Kom­po­nen­te sol­len So­Books.de zum Er­folg ma­chen. Nach ei­ge­nen An­ga­ben konn­te der neue An­bie­ter zu­nächst Ver­trä­ge mit Random Hou­se und Ull­stein ab­schlie­ßen – wei­te­re Ver­la­ge, wie Bas­tei Lüb­be oder Han­ser, folg­ten. Zum Start soll ei­ne sechs­stel­li­ge An­zahl an Bü­chern an­ge­bo­ten wer­den.

Auch On­li­ne-Händ­ler Ama­zon glaubt an den Wan­del des di­gi­ta­len Le­sens, setzt aber auf ein an­de­res Kon­zept, das so­gar das ei­ge­ne Ge­schäfts­mo­dell des Ein­zel­ver­kaufs un­ter­gräbt. Zum Start der Buch­mes­se hat Ama­zon sei­ne Flat­rate für elek­tro­ni­sche Bü­cher nach Deutsch­land ge­bracht. Ge­gen ei­ne mo­nat­li­che Ge­bühr gibt es ei­nen un­be­grenz­ten Zu­gang zu 650000 Bü­chern. Al­ler­dings sind nur 40000 Bü­cher in Deutsch ver­fasst. Die Flat­rate un­ter dem Na­men „Kind­le Un­li­mi­ted” kos­tet 9,99 Eu­ro.

Schon län­ger bie­tet Skoo­be.de ei­ne Flat­rate für E-Books in Deutsch­land an. Hier ste­hen den Flat­rate-Kun­den zum glei­chen Preis be­reits 65 000 di­gi­ta­le Bü­cher zur Ver­fü­gung. Vor der Buch­mes­se hat Skoo­be sei­ne Kun­den be­fragt, wie ei­ne Flat­rate ihr Le­sen be­reits ver­än­dert hat. Vie­le Kun­den ge­ben an, mehr Zeit mit Bü­chern zu ver­brin­gen. Die Be­deu­tung des Best­sel­lerBu­ches nimmt ab, aber auch die Ein­stel­lung zum phy­si­schen Be­sitz ver­än­dert sich: Nur Lieb­lings­bü­cher und Koch­bü­cher be­kom­men ei­nen Eh­ren­platz zu­hau­se im Buch­re­gal.

Das Düs­sel­dor­fer Star­t­up Read­fy möch­te wei­ter ge­hen: Die E-Book- Flat­rate wird kos­ten­los an­ge­bo­ten. Da­für be­kom­men Le­ser Wer­be­ban­ner ge­zeigt. Die App gibt es für das iPho­ne, iPad so­wie für An­dro­id-Ge­rä­te und bie­tet zum Start 20000 Wer­ke an.

Hard­core-Bü­cher­fans wer­den in den neu­en viel­fäl­ti­gen Flat­rate-Ka­ta­lo­gen fün­dig; der ge­wöhn­li­che Le­ser aber –mit Blick auf Neu­er­schei­nun­gen und Hit­lis­ten – wird den be­vor­zug­ten Ti­tel wahr­schein­lich nicht fin­den. Selbst bei Ama­zon sind es bis­her nur we­ni­ge deut­sche Ver­la­ge, die mit­ma­chen – und wenn, dann mit äl­te­ren Ti­teln. Deutsch­lands Ver­la­ge tas­ten sich an das neue Feld nur zö­ger­lich her­an. Bis­her weiß nie­mand, ob sich beim Abo von di­gi­ta­len Bü­chern wirk­lich et­was ver­die­nen lässt.

Wäh­rend die An­bie­ter ih­re Flat­rates als Neu­heit ver­kau­fen, be­wer­tet Buch­mes­sen-Di­rek­tor Ju­er­gen Boos die­sen Trend als ur­al­te Idee: „Je­de Stadt­bi­blio­thek bie­tet ei­ne Flat­rate.“Al­ler­dings kann dort auch dem di­gi­ta­len Nut­zer ein Pro­blem der ana­lo­gen Le­se-Welt be­geg­nen: „Die­ses Werk ist der­zeit ver­lie­hen.”

FO­TO: THINKSTOCK/ MON­TA­GE: FERL

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