FDP for­dert Kunst-Ka­tas­ter für NRW

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON AN­NET­TE BO­SET­TI, THO­MAS REISENER UND FLO­RI­AN RINKE

DÜS­SEL­DORF Die po­li­ti­sche De­bat­te dar­über, ob man lan­des­ei­ge­ne Kunst auf dem in­ter­na­tio­na­len Markt ver­sil­bern darf und wie sach­ge­mäß man mit ihr um­ge­hen muss, hält an. Der FDP-Vor­sit­zen­de Chris­ti­an Lind­ner for­dert nun so­gar ein Kunst-Ka­tas­ter. „Nö­tig ist jetzt zu­nächst ei­ne Be­stands­auf­nah­me, was Nord­rhein-West­fa­len an Staats­kunst be­sitzt“, sag­te Lind­ner un­se­rer Zei­tung: „Da­nach kann man klä­ren, ob und mit wel­chen Wer­ken dar­aus im öf­fent­li­chen In­ter­es­se ei­ne ver­bun­de­ne Samm­lung wird.

IN­TER­VIEW CLAUS GIE­LISCH

ist aber kein Staats­be­sitz zweck.“

Die ge­plan­te Ver­stei­ge­rung der auf mehr als 100 Mil­lio­nen Eu­ro ge­schätz­ten Ge­mäl­de von An­dy War­hol aus dem Spiel­ca­si­no Aa­chen und das Be­kannt­wer­den des un­sach­ge­mä­ßen Um­gangs mit Kunst durch die Ca­si­no-Be­trei­ber­ge­sell­schaft West­spiel ha­ben Wel­len der Em­pö­rung aus­ge­löst. Auch das Land steht als über­ge­ord­ne­te Be­sit­ze­rin der zum Teil aus Steu­er­mit­teln fi­nan­zier­ten Kunst in der Kri­tik.

Trotz­dem wol­len die Lan­des­re­gie­rung und die lan­des­ei­ge­ne NRW.Bank am um­strit­te­nen Ver­kauf fest­hal­ten. Das mach­ten ges-

Selbst- tern Ver­tre­ter der Bank und des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums bei ei­ner ak­tu­el­len Vier­tel­stun­de im Kul­tur­aus­schuss deut­lich. „West­spiel be­nö­tigt Ka­pi­tal“, hieß es von Sei­ten des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums. Weil das Un­ter­neh­men Ver­lus­te schreibt, muss West­spiel die Kunst­wer­ke ver­kau­fen, um et­wa den Bau ei­nes neu­en Ca­si­nos in Köln zu fi­nan­zie­ren.

Die Bil­der sol­len wie ge­plant am 12. No­vem­ber vom Auk­ti­ons­haus Chris­tie’s in New York ver­stei­gert wer­den. An den Ver­kaufs­er­lö­sen wird West­spiel mit bis zu 80,6 Mil­lio­nen Eu­ro be­tei­ligt. Soll­ten hö­he­re Er­lö­se er­zielt wer­den, wür­den die­se dem Lan­des­haus­halt zu­flie­ßen.

Die Op­po­si­ti­on re­agiert ent­spre­chend er­bost. „Da­mit wird ein Ta­bu­bruch be­gan­gen“, kri­ti­siert CDUPo­li­ti­ker Tho­mas Stern­berg: „Der Griff zum Ta­fel­sil­ber kann nur der letz­te Aus­weg sein.“Lu­kas Lam­la (Pi­ra­ten), der die Aus­spra­che be­an­tragt hat­te, for­der­te die Of­fen­le­gung der Ver­trä­ge mit dem Auk­ti­ons­haus Chris­tie’s. Au­ßer­dem müs­se der Ver­kauf der Wer­ke ge­stoppt wer­den.

Bei der Bank hat man sich men­tal je­doch längst auf ei­nen er­folg­rei­chen Ver­kauf ein­ge­stellt: Chris­tie’s hat für bei­de War­hol-Bil­der ei­ne Ver­kaufs­ga­ran­tie ge­ge­ben. „Soll­te der Ver­kauf nicht ge­stoppt wer­den kön­nen, muss der Er­lös we­nigs­tens in die Kunst- und Kul­tur­för­de­rung flie­ßen“, for­der­te FDP-Po­li­ti­ke­rin In­go­la Ste­fa­nie Schmitz.

Doch dar­an dürf­te die Lan­des­re­gie­rung kein In­ter­es­se ha­ben. Denn ob­wohl ei­ni­ge der Ca­si­nos Ver­lus­te ma­chen, spü­len sie über Ab­ga­ben Mil­lio­nen in die klam­me Lan­des­kas­se – al­lein in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren rund 250 Mil­lio­nen Eu­ro. Jähr­lich wer­den da­von al­lein 24 Mil­lio­nen Eu­ro über die Stif­tung Wohl­fahrts­pfle­ge an so­zia­le Pro­jek­te ver­teilt. Ent­spre­chend wich­tig sei es, sag­te Micha­el Stöl­ting, Vor­stands­mit­glied der NRW.Bank, neue Er­trä­ge zu er­wirt­schaf­ten, die man der Grup­pe zu­füh­ren kann.

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