Aus dem Tal zu­rück an die Spit­ze

Dass Fuß­ball­ver­ei­ne wie ein Un­ter­neh­men ge­führt wer­den müs­sen, hat Hans-Joa­chim Watz­ke bei Bo­rus­sia Dort­mund be­wie­sen. Er hat den Ver­ein sa­niert und aus ei­nem sport­lich und fi­nan­zi­ell stark an­ge­schla­ge­nen Club die dau­er­haf­te Num­mer zwei des deut­schen Fußb

Rheinische Post Moenchengladbach - - WEITSICHT - VON PATRICK PETERS

Hans-Joa­chim Watz­ke ist Un­ter­neh­mer und Fuß­ball-Ma­na­ger mit Leib und See­le – und kennt es aus ei­ge­ner An­schau­ung, wenn ein Un­ter­neh­men in ei­ner schwe­ren wirt­schaft­li­chen Schief­la­ge ist und kurz vor der In­sol­venz steht. Der Sau­er­län­der ist Vor­sit­zen­der der Ge­schäfts­füh­rung des Bun­des­li­gis­ten Bo­rus­sia Dort­mund und hat­te den Fuß­ball­ver­ein 2005 in ei­ner ka­ta­stro­pha­len Si­tua­ti­on über­nom­men. Im Fe­bru­ar je­nes Jah­res war der Ver­ein plei­te, von mehr als 120 Mil­lio­nen Eu­ro Ver­bind­lich­kei­ten wa­ren rund 90 kurz­fris­tig fäl­lig: „Nur weil wir bei den Gläu­bi­gern ein Jahr Frist her­aus­ho­len konn­ten, muss­te der BVB kei­ne In­sol­venz an­mel­den“, be­rich­te­te Hans-Joa­chim Watz­ke auf dem RP-Wirt­schafts­fo­rum „In­sol­venz und Sa­nie­rung“.

Durch ei­nen ei­ser­nen Spar­wil­len, ei­nem gu­ten Händ­chen bei der Aus­wahl der Part­ner und die rich­ti­gen sport­li­chen Ent­schei­dun­gen ist es Watz­ke und Sport­di­rek­tor Micha­el Zorc ge­lun­gen, den Ver­ein wie­der auf Kurs zu brin­gen – so­wohl fi­nan­zi­ell als auch fuß­bal­le­risch. „Zum ei­nen ha­ben wir mit­hil­fe der In­vest­ment- bank Mor­gan St­an­ley die Gläu­bi­ger her­aus­ge­kauft und das Sta­di­on, an dem die Ver­si­che­rung Si­gnal Idu­na die Na­mens­rech­te hat, wie­der zu­rück­ge­kauft. Zum an­de­ren ha­ben Sport­di­rek­tor Micha­el Zorc und ich den Mann­schaft­s­etat ra­di­kal ge­senkt.“Und zwar auf 24 Mil­lio­nen, was na­tür­lich da­zu ge­führt ha­be, dass die sport­li­chen Zie­le für ei­ni­ge Zeit re­vi­diert wer­den muss­ten: „Da­für ha­ben wir das Ver­spre­chen ge­ge­ben, im­mer bis zum Äu­ßers­ten zu kämp­fen“, be­ton­te Watz­ke. Das Er­geb­nis: Der BVB stieg trotz des nied­ri­gen Bud­gets nicht ab und eta­blier­te sich nach und nach in der Spit­zen­grup­pe der Li­ga, nicht zu­letzt durch die Ver­pflich­tung von Jür­gen Klopp als Trai­ner, der vie­le jun­ge Spie­ler ge­formt und zu Spit­zen­kräf­ten ent­wi­ckelt hat.

Heu­te schaut der BVB auf ei­nen Um­satz von mehr als 300 Mil­lio­nen Eu­ro und auf Deut­sche Meis­ter­schaf­ten 2011 und 2012, Vi­ze­meis­ter­schaf­ten 2013 und 2014, das Cham­pi­ons-Le­ague-Fi­na­le 2013 und DFB-Po­kal­sie­ger 2012. Den­noch wer­de nach­hal­tig ge­wirt­schaf­tet: „Obers­tes Ge­bot ist, nie mehr Schul­den für den Er­folg zu ma­chen“, sagt Han­sJoa­chim Watz­ke. lungs­aus­fall nicht vor­her­seh­bar ge­we­sen. Das reicht aber na­tür­lich nicht aus. Un­se­re Auf­ga­be ist es, nach­zu­wei­sen, dass zu dem Zeit­punkt des Auf­tra­ges tat­säch­lich nicht ab­seh­bar war, dass schwer­wie­gen­de wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten vor­la­gen“, sagt Wolf­gang Peters. „Ziel un­se­rer Be­ra­tung ist es im­mer, ein Straf­ver­fah­ren zu ver­mei­den. Und das geht nur, wenn wir al­le Zah­len rich­tig ana­ly­sie­ren und dem­ent­spre­chend die Si­tua­ti­on er­läu­tern kön­nen. Wir müs­sen das Un­ter­neh­men bes­ser ver­ste­hen als die Staats­an­walt­schaft.“

Des­halb setzt Peters auf ein Spe­zia­lis­ten­team mit ho­hem wirt­schaft­li­chen Sach- und ge­sun­dem Men­schen­ver­stand, dem Bi­lan­zen und Kre­dit­the­men nicht fremd sind und das un­ter an­de­rem auch buch­hal­te­ri­sche Fra­gen ein­ord­nen kann – und auf das Be­wusst­sein von Un­ter­neh­mern, dass sie in ei­ner ech­ten Schief­la­ge pro­fes­sio­nel­le Un­ter­stüt­zung be­nö­ti­gen und sich den mög­li­chen Kon­se­quen­zen der dro­hen­den In­sol­venz über die Be­triebs­schlie­ßung hin­aus im Kla­ren sind.

Bei der pro­fes­sio­nel­len Un­ter­stüt­zung im Vor­feld ei­ner aku­ten Kri­se, die in ei­ner In­sol­venz en­den kann, wer­den die Rechts­an­wäl­te rund um Wolf­gang Peters am Liebs­ten tä­tig – Sa­nie­rung und Re­struk­tu­rie­rung sind die Stich­wor­te. „Wir wol­len um­fas­send be­ra­ten und ge­mein­sam mit dem Man­dan­ten die Sa­che durch­zie­hen, um es gar nicht erst zu ei­ner In­sol­venz kom­men zu las­sen und das Un­ter­neh­men wie­der zu­kunfts­fit zu ma­chen“, be­tont Wolf­gang Peters. Maß­nah­men da­für kön­nen der Ver­kauf von Un­ter­neh­mens­tei­len sein oder auch die aus­schließ­li­che Kon­zen­tra­ti­on auf ein be­stimm­tes, pro­fi­ta­bles Seg­ment. „Es ist nicht al­les Ju­ris­te­rei, son­dern auch viel­fach be­triebs­wirt­schaft­li­che und stra-

Ziel un­se­rer Be­ra­tung ist es

im­mer, ein Straf­ver­fah­ren zu

ver­mei­den

te­gi­sche Be­ra­tung, um die Um­kehr im Un­ter­neh­men zu schaf­fen.“Da­für bin­det die So­zie­tät häu­fig auch Part­ner bei Spe­zi­al­fra­ge­stel­lun­gen ein, vor al­lem Steu­er­be­ra­ter und Wirt­schafts­prü­fer. Gleich­zei­tig gilt laut Peters aber auch, ein Un­ter­neh­men ge­zielt in die In­sol­venz zu schi­cken, wenn es ein­fach nicht zu ret­ten ist. Da­nach kön­ne es aber oft­mals struk­tu­riert neu auf­ge­baut wer­den.

Die größ­te Hemm­schwel­le für vie­le Un­ter­neh­mer sei die Selbst­er­kennt­nis, dass sich das ei­ge­ne Un­ter­neh­men wirk­lich in ei­ner exis­tenz­be­dro­hen­den Kri­se be­fin­de und die Zeit gera­de nicht al­les re­geln kön­ne. In­di­ka­to­ren da­für sei­en nicht ge­neh­mig­te Kre­di­te, dau­er­haf­te Um­satz­rück­gän­ge oder stei­gen­de Schul­den. „Die­se Un­ter­neh­mer brau­chen ei­nen Spar­rings­part­ner, der ih­re Pro­ble­me kennt und sich schon häu­fi­ger da­mit be­fasst hat. Un­ser Mit­tel­stands­fo­kus hilft uns na­tür­lich da­bei, mit sol­chen Un­ter­neh­mern auf Au­gen­hö­he zu re­den. Wir wis­sen um die An­for­de­run­gen und spre­chen die glei­che Spra­che“, sagt Wolf­gang Peters.

Er be­tont auch ei­nen wei­te­ren Be­reich, den Un­ter­neh­mer ger­ne igno­rie­ren: den der pri­va­ten Haf­tung. „Es ist ein weit ver­brei­te­ter Irr­tum, dass bei­spiels­wei­se ei­ne Gm­bH den

Die größ­te Hemm­schwel­le für vie­le Un­ter­neh­mer

ist die Selbst­er­kennt­nis

Un­ter­neh­mer von jeg­li­cher Haf­tung be­freit. Bei ei­ner In­sol­venz kann das Pri­vat­ver­mö­gen der Ge­sell­schaf­ter und Ge­schäfts­füh­rer für aus­ste­hen­de Zah­lun­gen her­an­ge­zo­gen wer­den“, warnt der Rechts­an­walt. Des­halb sei­en spe­zi­el­le Ver­si­che­run­gen wich­tig, um die­se Haf­tungs­ri­si­ken aus­zu­schlie­ßen. „Die Ab­si­che­rung von Un­ter­neh­mern über ei­ne so­ge­nann­te ,Di­rec­tors and Of­fi­cers’-Ver­si­che­rung ist sehr wich­tig. Auch die­sen Aspekt fas­sen wir in un­se­re Be­ra­tung ein.“Es ge­be, so be­tont Dr. Wolf­gang Peters, auch wei­te­re Mög­lich­kei­ten zur Gestal­tung der Haf­tungs­re­du­zie­rung. „Wich­tig ist da­bei, in­di­vi­du­ell vor­zu­ge­hen, aber auf kei­nen Fall et­was Un­ge­setz­li­ches zu tun. Das ist ein­fach dumm und scha­det lang­fris­tig mehr als es nutzt.“

FO­TO: IS­TOCK­PHO­TO.COM/PESH­KO­VA

Be­fin­den sich Un­ter­neh­mer in ei­ner exis­tenz­be­dro­hen­den Kri­se, brau­chen sie Be­ra­ter auf Au­gen­hö­he, die ih­re Spra­che spre­chen.

FO­TO: MICHA­EL LÜB­KE

Dr. Wolf­gang Peters von Peters Rechts­an­wäl­te aus Düs­sel­dorf, ei­ner seit 2000 be­ste­hen­den Full-Ser­vice­Kanz­lei für Wirt­schafts­recht.

FO­TOS (2): ALOIS MÜL­LER

Hans-Joa­chim Watz­ke ist Vor­sit­zen­der der Ge­schäfts­füh­rung des Bun­des­li­gis­ten Bo­rus­sia Dort­mund.

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