Mor­gen wird an der Uhr ge­dreht

In der Nacht zu Sonn­tag en­det die Som­mer­zeit. Die Uhr wird um ei­ne Stun­de von 3 Uhr auf 2 Uhr zu­rück­ge­stellt. Ab mor­gen ist es da­mit frü­her dun­kel. Aber für die Win­ter­zeit gibt es ge­nau­so viel gu­te Grün­de wie für die Som­mer­zeit.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA -

ne auch mal ex­zes­siv – war­um nicht ei­ne Staf­fel „So­pra­nos“oder „Brea­king Bad“am Stück? Man ver­passt ja nichts. An lan­gen Win­ter­aben­den wird ge­kocht und ge­klönt, man rückt zu­sam­men, es wird ge­sel­lig. Wenn drau­ßen Fins­ter­nis herrscht, wird man nicht ab­ge­lenkt, kon­zen­triert sich, quatscht manch­mal stun­den­lang – na­tür­lich bei Ker­zen­schein. Wie ge­sagt, es gibt ja sonst nichts zu tun. Und die Win­ter­zeit er­leich­tert es ei­nem auch, sich am nächs­ten Mor­gen noch ein­mal um­zu­dre­hen.

Am Po­lar­kreis mel­det sich die Son­ne von Mit­te No­vem­ber bis Mit­te Ja­nu­ar so­gar kom­plett ab. Des­halb me­ckert dort auch nie­mand her­um. Statt­des­sen men­schelt man lie­ber im Mond­licht.

Mit der frü­hen Dun­kel­heit kommt mehr Ruhe in den All­tag, viel­leicht auch mehr Be­son­nen­heit. Mög­li­cher­wei­se geht ei­nem ein Licht auf, was ja grund­sätz­lich nicht scha­den kann. Zu­dem stimmt end­lich die Uhr­zeit an den Ge­rä­ten wie­der, die man zu faul war, auf den Som­mer um­zu­pro­gram­mie­ren.

Au­ßer­dem ist es ge­fühlt ja schnell vor­bei mit der Dun­kel­heit. Ab 21. De­zem­ber wer­den die Ta­ge schon wie­der län­ger, spä­tes­tens mit Ma­riä Licht­mess („Sup­pen bei Tag ess“– al­te Bau­ern­weis­heit) am 2. Fe­bru­ar ist die Win­ter­zeit ge­fühlt auf dem Rück­zug, weil es bis rund 18 Uhr hell bleibt. Bald da­nach ha­ben wir sie zu­rück, die Som­mer­zeit, und die Ta­ge wol­len kein En­de mehr neh­men. Al­so: Mor­gen die Uhr zu­rück­dre­hen und den frü­hen Abend ge­nie­ßen.

Jörg Is­ring­haus tag nicht zu­rück­dre­hen. Wir wä­ren am Mon­tag die Ers­ten im Bü­ro, könn­ten in Ruhe den ers­ten Kaf­fee des Tages trin­ken und ei­ne Men­ge weg­ar­bei­ten. Und dann, nach ein paar St­un­den, wür­den wir fröh­lich in die Run­de ni­cken und ei­nen schö­nen Fei­er­abend wün­schen, wäh­rend es den an­de­ren lang­sam däm­mert, dass es bei ih­nen schon däm­mern wird, wenn sie den ers­ten Fuß aus dem Bü­ro set­zen wer­den.

Be­für­wor­ter der Win­ter­zeit ar­gu­men­tie­ren mit der Ge­müt­lich­keit, denn es ist das ein­zi­ge Ar­gu­ment, das bleibt. Doch was ist da­mit: Zur Som­mer­zeit lä­cheln die Men­schen mehr. Vit­amin D braucht der Mensch, kriegt er im Win­ter aber zu we­nig. Und fri­sche Luft auch. Zur Som­mer­zeit ist es leich­ter, Men­schen zu tref­fen, denn kei­ner ver­schanzt sich in der Woh­nung. Kin­der kön­nen drau­ßen spie­len und ge­hen ih­ren El­tern nicht auf die Ner­ven, weil sie sich drin­nen nicht aus­to­ben kön­nen.

„Sum­mer­ti­me“, singt Por­gy für sei­ne Bess in Ge­or­ge Gershwins gleich­na­mi­gem Büh­nen­stück, „and the li­ving is ea­sy“. So ein­fach könn­te es sein.

Leslie Brook

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