Neo­na­zis sind Mit­läu­fer bei Hoo­li­gans

Rechts­ra­di­ka­le Par­tei­en wie „Die Rech­te“, die NPD und „Pro NRW“schlie­ßen sich den Ver­samm­lun­gen an. Das Sa­gen ha­ben sie nicht. Bei­de Sei­ten ver­fol­gen un­ter­schied­li­che Zie­le. In Ber­lin und Ham­burg sind wie­der De­mos an­ge­mel­det.

Rheinische Post Moenchengladbach - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON GRE­GOR MAYNTZ UND CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

KÖLN Die Stra­ßen­schlacht, die sich 4800 Hoo­li­gans und Neo­na­zis in Köln mit der Po­li­zei ge­lie­fert ha­ben, könn­te erst der An­fang ge­we­sen sein. Wäh­rend ei­ne Er­mitt­lungs­kom­mis­si­on noch da­bei ist, die Aus­schrei­tun­gen auf­zu­ar­bei­ten und die Po­li­tik nach ei­nem ge­setz­li­chen He­bel für ein Ver­bot der­ar­ti­ger Ver­samm­lun­gen sucht, for­mie­ren sich die Kra­wall­ma­cher be­reits für die nächs­ten Auf­mär­sche. In Ham­burg

„Die Strip­pen­zie­her der Auf­mär­sche kom­men aus der Hoo­li­gan­sze­ne“

Alex­an­der Häus­ler Ex­per­te für Rechts­ex­tre­mis­mus und Ber­lin ha­ben sie für den 15. No­vem­ber De­mons­tra­tio­nen bei der Po­li­zei an­ge­mel­det.

Aus den Köl­ner Kra­wal­len fol­gen nach Ein­schät­zung der In­nen­ex­per­ten der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on in Ber­lin neue Her­aus­for­de­run­gen für den Ver­fas­sungs­schutz. „Der Zu­sam­men­schluss von ge­walt­be­rei­ten Hoo­li­gans und Rechts­ex­tre­mis­ten ist von den Si­cher­heits­be­hör­den of­fen­sicht­lich nicht ganz rich­tig ein­ge­schätzt wor­den “, sagt die stell­ver­tre­ten­de SPD-Frak­ti­ons­che­fin Eva Högl. Uni­ons­frak­ti­ons-Vi­ze Tho­mas Strobl hält es für nö­tig, dass Ver­fas­sungs­schutz und Po­li­zei ih­re Er­kennt­nis­se in Zu­kunft tei­len.

Ber­lins In­nen­se­na­tor Frank Hen­kel (CDU) will ein Ver­bot prü­fen las­sen. „Die Er­kennt­nis­se aus Köln flie­ßen in un­se­re Ein­satz­pla­nung ein“, sagt ein Ber­li­ner Po­li­zei­spre­cher. Ei­ne An­mel­dung für ei­ne Ver­samm­lung für den 9. No­vem­ber – wie sie im In­ter­net kur­sier­te – ha­be der Ber­li­ner Po­li­zei bis ges­tern nicht vor­ge­le­gen. Ob es bei den Ver­samm­lun­gen in Ber­lin und Ham­burg zu ähn- li­chen Stra­ßen­schlach­ten kom­men wird wie in Köln, wo 49 Po­li­zis­ten ver­letzt wur­den, lässt sich Ex­per­ten­mei­nun­gen zu­fol­ge nicht vor­her­sa­gen. „Die Hoo­li­gans sind auf Prü­ge­lei­en aus. Wenn die Po­li­zei das im Vor­feld der Ver­samm­lun­gen mit Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men ein­dämmt, muss es nicht zu sol­chen Sze­nen wie in Köln kom­men“, er­klärt Alex­an­der Häus­ler, For­scher für Rechts­ex­tre­mis­mus an der Fach­hoch­schu­le Düs­sel­dorf. Auch er ver­tritt die Mei­nung, dass die Po­li­zei in Köln „of­fen­sicht­lich nicht gut vor­be­rei­tet“ge­we­sen ist. „Sie hat das Ge­walt­po­ten­ti­al an­schei­nend un­ter­schätzt.“Der Düs­sel­dor­fer Ex­tre­mis­musex­per­te ist sich si­cher: Die Stra­ßen­schlacht in Köln hat die Sze­ne eu­pho­ri­siert. Häus­ler rech­net mit wei­te­rem Zu­lauf. „Weil die Mo­bi­li­sie­rung so gut funk­tio­niert, ist das ei­ne hoch­ex­plo­si­ve Mi­schung“, sagt er. Doch er sagt auch, dass die „Hools“kei­nen Plan ha­ben, kei­ne lang­fris­ti­ge Stra­te­gie ver­fol­gen. „Ih­re Ak­tio­nen sind nicht stra­te­gisch durchdacht.“

Das Phä­no­men, dass sich Hoo­li­gans mit Neo­na­zis ver­bin­den, um ge­gen Sala­fis­ten zu de­mons­trie­ren, be­ob­ach­tet der Ver­fas­sungs­schutz schon seit Früh­jahr die­ses Jah­res. Da­bei schlie­ßen sich rechts­ra­di­ka­le Par­tei­en den ge­walt­tä­ti­gen „Fuß­ball­fans“an. In Frank­furt un­ter­stütz­te die NPD die Hoo­li­gans bei ih­rem Auf­marsch, in Mann­heim eben­falls. In NRW wa­ren es bei Ver­samm­lun­gen in Dort­mund und Köln vor al­lem die Par­tei­en „Die Rech­te“und „Pro NRW“, die Sei­te an Sei­te mit den „Hools“mar­schier­ten. Da­mals noch mit nur we­ni­gen Hun­dert Teil­neh­mern.

Doch die ex­ter­nen Rechts­ra­di­ka­len ge­ben da­bei kei­nes­wegs den Ton an. „Die Strip­pen­zie­her der Auf­mär­sche kom­men aus der Hoo­li­gan­sze­ne“, er­klärt Häus­ler. Die Füh­rungs- per­so­nen ge­hör­ten zur so­ge­nann­ten „al­ten Gar­de“, die sich wäh­rend der Hoch­zei­ten des Hoo­li­ga­nis­mus in den 80er und 90er Jah­ren in der Sze­ne ei­nen Na­men ge­macht ha­ben. „Sie ent­schei­den, wer mit­ma­chen darf und wer nicht – ih­re Mei­nung zählt“, so Häus­ler. Selbst wenn Hoo­li­gans rech­te An­sich­ten ver­tre­ten, sind sie meis­tens po­li­tisch un­in­ter­es­siert. „In ers­ter Li­nie geht es ih­nen um Ge­walt.“

Auch wenn rechts­ge­rich­te­te „Hools“und Neo­na­zis ge­mein­sam ge­gen Sala­fis­mus pro­tes­tie­ren, ver­fol­gen bei­de Sei­ten doch un­ter­schied­li­che Zie­le. Wäh­rend die Rechts­ra­di­ka­len bei den Ver­samm­lun­gen ih­ren Ras­sis­mus öf­fent­lich zur Schau stel­len wol­len, kämp­fen die Hoo­li­gans nach Mei­nung Häus­lers um die Rück­ge­win­nung ver­lo­re­nen Ter­rains in den Fan­blocks der Fuß­ball­ver­ei­ne. „Durch sol­che Ak­tio­nen wie in Köln wol­len sie wie­der neue An­hän­ger ge­win­nen und an Stär­ke zu­le­gen“, er­klärt der Düs­sel­dor­fer Wis­sen­schaft­ler. Denn in den Fan­kur­ven ha­ben die so­ge­nann­ten Ul­tras den Hoo­li­gans schon vor Jah­ren den Rang ab­ge­lau­fen.

Die Mit­glie­der bei­den La­ger un­ter­schei­den sich deut­lich von­ein­an­der. Wäh­rend die Hoo­li­gans aus­schließ­lich für Ge­walt ste­hen und in Tei­len rechts sind, ste­hen Ul­tras in der Re­gel – bis auf ei­ni­ge Aus­nah­men – für zu­meist fried­li­che Fan­pro­jek­te und far­ben­fro­he Cho­reo­gra­fi­en. Sie sind eher links ein­zu­ord­nen und pro­tes­tie­ren in Sta­di­en zu­neh­mend ge­gen Ho­mo­pho­bie, al­so den Hass ge­gen Schwu­le und Les­ben. Die­se kon­trä­ren Po­si­tio­nen füh­ren in­ner­halb der Fan­sze­ne zum Teil zu hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen. So gab es zu­letzt in Duis­burg, Düs­sel­dorf und Aa­chen Schlä­ge­rei­en zwi­schen Ul­tras und Hoo­li­gans. Die Ge­walt ging da­bei im­mer von den „Hools“aus. „Sie ver­su­chen mit al­ler Macht, ih­ren al­ten Stel­len­wert zu­rück­zu­ge­win­nen“, sagt Häus­ler. DORT­MUND (dpa) Im Kel­ler ei­nes Dort­mun­der Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses ha­ben Be­woh­ner und die Po­li­zei ei­nen grau­si­gen Fund ge­macht. In ei­nem der Kel­ler­räu­me lag die Lei­che ei­nes of­fen­bar gera­de ge­bo­re­nen Mäd­chens. Ein Be­woh­ner des Vier­fa­mi­li­en­hau­ses hat­te in der Nacht zu ges­tern im Kel­ler ei­ne grö­ße­re Men­ge Blut ent­deckt und die Po­li­zei alar­miert. Die Be­am­ten durch­kämm­ten die Kel­ler­räu­me und stie­ßen auf die Ba­by­lei­che. Kurz dar­auf nah­men sie die mut­maß­li­che Mut­ter fest, ei­ne 22-Jäh­ri­ge aus dem Haus, wie die Po­li­zei be­rich­te­te. Rechts­me­di­zi­ner ob­du­zier­ten den Säug­ling noch am glei­chen Tag. Sie ka­men zu dem Schluss, dass das Ba­by le­bens­fä­hig ge­we­sen sei.

FO­TO: RO­LAND GEISHEIMER / AT­TEN­ZIO­NE

Un­ter dem Mot­to „Hoo­li­gans ge­gen Sala­fis­ten (Ho­Ge­Sa)“mar­schier­ten am Sonn­tag in Köln rechts­ra­di­ka­le Par­tei­en ge­mein­sam mit ge­walt­be­rei­ten Hoo­li­gans.

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