Beet­ho­ven als re­gel­mä­ßi­ger Gast im BIS

Das Al­ma-Quar­tett setzt Kon­zert­se­rie mit zwei Streich­quar­tet­ten von Lud­wig van Beet­ho­ven fort.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON GERT HOLTMEYER

Es war zwei­fel­los ein gu­ter Plan des Al­ma-Quar­tetts, nicht al­lein im Lauf von zwei Jah­ren sämt­li­che Beet­ho­ven-Streich­quar­tet­te auf­zu­füh­ren, son­dern auch, dies nicht in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge zu tun. So war jetzt im vier­ten Konzert des Zy­klus im BIS sehr deut­lich zu spü­ren, ei­nen wie wei­ten Weg Beet­ho­ven als Kom­po­nist in der Gat­tung Streich­quar­tett zu­rück­ge­legt hat. Auf dem Pro­gramm stan­den zwei B-DurQuar­tet­te, das frü­he Opus 18,6 und das spä­te Opus 130/133. Da­bei of­fen­bar­ten sich un­mit­tel­bar gra­vie­ren­de Un­ter­schie­de.

Un­be­küm­mert hei­ter, ganz in Haydn’scher Tra­di­ti­on, be­gan­nen Fa­bi­an Kir­cher und Andre­as Greu­er (Vio­li­ne), Mar­tin Bör­ner (Vio­la) und Mar­kus Beul (Cel­lo) „con brio“(„feu­rig“) mit dem frü­hen Werk. Doch Bör­ner, wie bei den bis­he­ri­gen Kon­zer­ten mit in­ter­es­san­ten Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen als Mo­de­ra­tor im Ein­satz, wies vor­weg dar­auf hin, dass das Ad­a­gio des Opus 18,6 sich schon merk­lich von der Tra­di­ti­on lö­se und Beet­ho­ven hier Neu­land er­schlie­ße. Gera­de in der Ge­gen­über­stel­lung der bei­den Quar­tet­te war zu mer­ken, dass der spä­te Beet­ho­ven letzt­lich doch schon beim frü­hen an­fängt.

Bör­ner be­rich­te­te aus über­lie­fer­ten Qu­el­len auch von dem Un­mut, den Beet­ho­vens Gro­ße Fu­ge sei­ner­zeit bei den Quar­tett­spie­lern und beim Ver­le­ger er­zeugt hat­te. Sie konn­ten so we­nig da­mit an­fan­gen, dass Ver­le­ger Ma­thi­as Ar­ta­ria den Kom­po­nis­ten dräng­te, ei­nen an­de­ren Schluss­satz zu schrei­ben – was der dann auch tat. In Form ei­nes kur­zen Work­shops mit Live-Klang­bei­spie­len zeig­ten die vier Al­maMit­glie­der auf, dass Beet­ho­ven da­bei nicht oh­ne Iro­nie vor­ging und be­wusst ba­na­le Struk­tur­ele­men­te in die zwar auf ih­re Art auch kunst­vol­le, aber doch viel leich­ter zu hö­ren­de neue Fas­sung brach­te. Ei­ni­ge aus­ge­such­te Stel­len aus der Fu­ge mach­ten da­zu auch deut­lich, dass das Werk nicht nur schwer zu hö­ren ist. Die tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten sind er­heb­lich, und das Zu­sam­men­spiel er­for­dert auf­grund der kom­pli­zier­ten, oft re­gel­recht ge­gen­ein­an­der zu spie­len­den Rhyth­men ein Höchst­maß an Kon­zen­tra­ti­on.

Wie Mar­tin Bör­ner aus­führ­te, sei un­ge­klärt, wie man mit den bei­den Schluss­fas­sun­gen um­ge­hen soll­te. Im 19. Jahr­hun­dert ent­schied man sich zu­meist für die zwei­te, die kon­ven­tio­nel­le­re Fas­sung, im 20. zu­neh­mend für die Fu­ge. Al­ma wähl­te ei­ne kom­bi­nier­te Lö­sung. Zu­erst wur­de das Quar­tett zu­sam­men­hän­gend mit der Fu­ge als Schluss­satz auf­ge­führt. Und dann gab es ab­schlie­ßend noch das vom Kom­po­nis­ten nach­ge­lie­fer­te Al­le­gro ge­wis­ser­ma­ßen „als Zu­ga­be“. Be­geis­ter­ter Bei­fall dank­te den vier Künst­lern für ei­ne be­ein­dru­cken­de Leis­tung.

Bit­te schon jetzt vor­mer­ken: Wei­ter geht’s mit dem fünf­ten Beet­ho­ven-Abend am 26. Ja­nu­ar 2015, wie­der um 19.30 Uhr im Kul­tur­zen­trum BIS an der Bis­marck­stra­ße 99.

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